Kersten-Miles-Brücke : „Ganz ehrlich: Es reicht!“

Der Bezirk Mitte setzt seine Vertreibungspolitik gegen Obdachlose fort: Erst wurden für 100.000 Euro Steine einbetoniert, damit unter der Kersten-Miles-Brücke kein Platz zum Hinlegen bleibt. Jetzt folgt ein Zaun, so dass der Zugang ganz versperrt ist.

Fast drei Meter hoch und kein Durchkommen: der neue Zaun an der Kersten-Miles-Brücke
Fast drei Meter hoch und kein Durchkommen: der neue Zaun an der Kersten-Miles-Brücke

Mit Entsetzen hat das Team von Hinz&Kunzt zur Kenntnis genommen, dass der Bezirk Mitte am Dienstag einen massiven Stahlzaun unter der Kersten-Miles-Brücke installiert hat, um Obdachlose zu vertreiben. Anfang des Jahres hatte der Bezirk auf der Fläche unter der Brücke bereits für 100.000 Euro große Steine aufgestellt, damit dort niemand mehr übernachten kann. Da die Vertreibungs-Maßnahme nicht erfolgreich war, wurde die Brücke jetzt mit dem drei Meter hohen, 18.000 Euro teuren Zaun versehen.

Dazu sagte Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter von Hinz&Kunzt: „Dieser Zaun setzt der Vertreibungspolitik von Bezirksamtsleiter Markus Schreiber eine stählerne Krone auf. Ganz ehrlich: Es reicht!“ Es sei zynisch, so Karrenbauer, wenn kurz vor dem Winter eine viel genutzte Platte abgesperrt würde, obwohl es zu wenige Unterkünfte in Hamburg gebe und noch nicht absehbar sei, ob im Winter für alle obdachlosen Menschen eine menschenwürdige Unterkunft zur Verfügung stehen werde. Gerade osteuropäische Obdachlose seien auf den Schutz unter Brücken angewiesen, weil sie seit Mitte Juli nicht mal mehr im „Pik As“ aufgenommen werden.

Außerdem sei es unerträglich, so Karrenbauer, dass Menschen in Not mit einem Zaun vertrieben würden, nur damit die Umgebung der Landungsbrücken für Touristen gut aussehe. „Die 118.000 Euro Steuergeld wären wesentlich besser investiert, wenn man sie für den Bau von neuen, gut ausgestatteten Unterkünften ausgegeben hätte“, sagte er. „Es wird dringend Zeit, dass Bürgermeister Olaf Scholz ein Machtwort spricht, um die rigide und kurzsichtige Politik von Herrn Schreiber zu beenden.“

Fotos: SOL

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