Wochenendausblick : „Schöne Augenblicke inmitten widriger Umstände“

Obdachlose präsentieren ihre Kunst, auf einer Konferenz wird beraten, wie wir die Welt verbessern können, Kinder musizieren für „Brot für die Welt“ und Judith Rakers sucht nach Auswegen aus der Armutsfalle. Drei Veranstaltungs- und ein Fernsehtipp fürs Wochenende.

denger
Malen mit Licht: Die Flügel haben diesem Mann obdachlose Künstler verpasst.

„Denger bezeichnet einen Moment, in dem alles perfekt zu sein scheint“, erklärt die Hamburger Fotografin Monika Faßmer. Bis sie verstanden hat, was das genau bedeutet, sei einige Zeit vergangen: „Ich habe mich oft gefragt, wieso herkömmliche Worte nicht ausreichen, um einen schönen Moment zu beschreiben, bis ich die Bedeutsamkeit eines schönen Momentes von Obdachlosen erfuhr.“ Genauer: Von Pia und Claas. Vom Leben auf der Straße wissen sie, dass auch der schönste Moment ganz schnell vorbei sein und die Stimmung ins Gegenteil umschlagen kann. „Erst mit der Zeit habe ich die überragende Qualität eines schönen Augenblicks inmitten widriger Umstände verstanden“, sagt Faßmer.

Inzwischen ist „Denger“ der Name einer Fotoausstellung geworden, die Faßmer kuratiert. Und Pia und Claas sind Fotografen geworden. Mit insgesamt zwölf Obdachlosen zusammen ist Faßmer über ein halbes Jahr lang abends durch Hamburgs Straßen gezogen und hat ihnen gezeigt, wie „Light Painting“ (zu deutsch: Lichtmalen) funktioniert. Dabei lassen die Fotografen ein Bild lange belichten und die Abgebildeten können mit einer Lampe Figuren in die Luft malen. „Denger hat nicht das menschliche Leid der Obdachlosen dokumentiert, sondern Kunst aus dem Verfall erblühen lassen“, sagt Faßmer.

Bildergalerie

Die Bilder sind ab Samstag im WHY NOT? Café im Karoviertel (Marktstraße 55) zu sehen. Ab 19 Uhr beginnt die Vernissage mit Filmvorführung, Livemusik und Jamsession. Noch vor dem Winter plant Faßmer eine zweite Ausstellung mit weiteren Fotos, geschossen von anderen Obdachlosen. Gemeldet hätten sich schon viele. „Jetzt wird es abends auch wieder früh dunkel, da können wir losziehen“, sagt sie.

Konferenz für eine bessere Welt

Was können Einzelpersonen für eine bessere Welt tun? Diese Frage wird am Sonntag auf einer Konferenz im Schanzenviertel diskutiert. Genauer: Einer Mitmach-Konferenz. Die Veranstalter, die Hamburger Journalisten Ilona Koglin und Marek Rohde, freuen sich auf „unverbesserliche Idealisten, heillose Sozialromantiker und hoffnungslose Gutmenschen“ als Gäste, wie sie selbst schreiben. Mit denen wollen sie dann überlegen, was zu tun ist – zum Beispiel beim „expe­ri­men­tel­len Gemeinschafts­ko­chen mit geret­te­ten Lebens­mit­teln“. Los geht’s um 10 Uhr im Betahaus (Eifflerstraße 43).

Schon am Freitagabend engagieren Hamburger Kinder und Schauspieler sich für eine bessere Welt – indem sie musizieren. Die Hamburger Kinder- und Jugendkantorei St. Petri/St. Katharinen und das Jourist-Quartett geben Volks- und Kinderlieder zum Besten. Dazu lesen die Schauspieler Hannelore Hoger, Nina Petri und Patrick Heyn Gedichte aus aller Welt. 1 Euro von den 10 Euro Eintritt kommt einem Hilfsprojekt von Brot für die Welt für Kinder in Kirgistan zu Gute. Beginn ist um 19 Uhr in der Hauptkirche St. Katharinen, Katharinenkirchhof 1.

Reportage mit Judith Rakers

Sie wollen das Sofa am Freitagabend nicht verlassen? Dann empfehlen wir Ihnen, um 21.15 Uhr den NDR einzuschalten. Der Sender zeigt dann die Reportage „Schicksal Armutsfalle“ von Tagesthemen-Moderatorin und Hinz&Kunzt-Botschafterin Judith Rakers. Sie lernt darin eine alleinerziehende Multijobberin und die Probleme kennen, die sie jeden Tag umtreiben. Gemeinsam mit dem Leiter der Hamburger Arbeitsagentur Sönke Fock sucht Rakers nach Auswegen aus der Armutsfalle. Der Film ist bereits jetzt in der Mediathek des NDR zu sehen. Und wir zeigen hier den Trailer:

Text: Benjamin Laufer

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