Soziale Spaltung : Reiches Hamburg, arme Stadt

Welche Politik gegen Armut hilft wirklich? Am 5. Februar diskutieren diese Frage zahlreiche Wissenschaftler zusammen mit Interessierten auf der 6. Konferenz zur sozialen Spaltung. Klar ist: Arbeit alleine ist keine Lösung, sagt die Hamburger Soziologin Petra Böhnke.

Logo der Initiative „Stadt für alle“
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Alle reden über Armut: Sozialverbände tun es, Parteien tun es, Medien tun es. Aber wer gilt eigentlich als arm? Das ändere sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, sagt Petra Böhnke, Soziologieprofessorin an der Uni Hamburg. Lange Zeit seien Rand- und Problemgruppen gemeint gewesen, wenn über Arme gesprochen wurde. „Heute steht Arbeitslosigkeit als Ursache für Armut im Mittelpunkt. Die politische Strategie ist, möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen.“ Die Art, wie über Armut geredet wird, verändert auch die Politik, die sie bekämpfen will. Das wird Soziologieprofessor Martin Kronauer von der Berliner Hochschule für Ökonomie und Recht auf der 6. Konferenz zur sozialen Spaltung in seinem Eröffnungsvortrag erläutern.

Viel wichtiger ist aber die Frage, welche Politik gegen Armut wirksam sein kann. Das ist die Leitfrage der Konferenz unter dem Titel „Reiches Hamburg, arme Stadt“, die das Diakonische Werk zusammen mit der Nordkirche und wissenschaftlichen Instituten im Februar zum sechsten Mal organisiert. Insbesondere richtet sich die Konferenz an Aktive aus Initiativen, Quartiersbeiräten, Gewerkschaften, Verbänden, Kirchen, Hochschulen, Politik und Verwaltung.

Bietet Erwerbsarbeit einen ausreichenden Schutz vor Armut? In einem der Workshops auf der Konferenz soll diese Frage diskutiert werden. Soziologin Böhnke sagt, immer mehr Menschen könnten von ihrem Verdienst kaum mehr leben, gelten trotz Job als arm. Ob Arbeit vor Armut schützt, hänge auch davon ab, wie man lebe: „Wenn man einen Minijob hat und alleine lebt, schützt der Job Sie nicht vor Armut. Wenn sie einen gutverdienenden Partner haben, dann vielleicht schon.“

Arbeit alleine beseitigt Armut also nicht. Viele Sozialpolitiker setzen deshalb darauf, Bildung auch für Arme zugänglich zu machen. „Das hat eine gewisse Berechtigung“, sagt Böhnke. „Wer eine höhere Bildung hat, ist besser am Arbeitsmarkt platziert.“ Allerdings sei Bildung nach wie vor auch stark von der sozialen Herkunft abhängig – trotz zahlreicher Reformen in den vergangenen Jahren. „Warum sind Kinder aus armen Familien auch bildungsarm?“, fragt die Wissenschaftlerin. Antworten soll ein Workshop auf der Konferenz bieten, den sie moderiert. Helfen Investitionen in Bildung wirklich, um Armut zu überwinden? Welcher Art können Sie in Hamburg sein, und wer muss sich beteiligen?

6. Konferenz zur sozialen Spaltung: Donnerstag, 5. Februar 2015 von 10 bis 17 Uhr im Dorothee-Sölle-Haus, Königstr. 54, 22767 Hamburg. Anmeldungen per E-Mail bis zum 29. Januar unter hamburg@akademie.nordkirche.de. Weitere Infos im Programmflyer.

Text: Benjamin Laufer

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