Coffee to go : Plastikbecher? Nein danke!

Einen Mehrwegbecher hat unser Autor Uli Jonas schon – aber ihn überall zu NUTZEN, ist schwieriger, als er dachte. Foto: Simone Deckner.

Unser Autor Ulrich Jonas wollte auf umweltschädliche Kaffeebecher aus Plastik verzichten. Darum kaufte er sich einen Becher aus Keramik. Zu seiner Überraschung fingen die Probleme damit erst an.

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Neulich habe ich mir einen schicken Keramikbecher gekauft. Dazu muss man wissen: Ich hole mir gerne Kaffee für unterwegs. Wie viel Hundert Plastikbecher ich schon in den Müll geworfen habe? Ich will es gar nicht wissen.

Nun wird alles anders, dachte ich. Und ging mit meinem neuen Becher froh gestimmt zur Bäckerei nebenan. Ob sie mir einen Cappuccino abfüllen könne, fragte ich die Verkäuferin. Und sie: „Ich darf keine Becher über den Tresen hinweg annehmen. Das ist gesetzlich verboten.“ Warum das so ist, wisse sie nicht. „Aber ob wir darüber diskutieren oder nicht: Das ändert nichts.“

Ich war schockiert: Sollte mein Einsatz für eine bessere Welt umsonst gewesen sein? Ich schrieb an mehrere Bundesministerien: Hat die Verkäuferin recht? Und wenn ja: Wie kann ich unterwegs Kaffee trinken und keinen Müll produzieren? Antworten bekam ich keine.

Ich war schockiert.– Uli Jonas

Eine Sprecherin erklärte, die zuständige Landesbehörde könne mir „im Detail erläutern, welche Hygienevorschriften in Lebensmittelbetrieben eingehalten werden müssen“. Also schrieb ich erneut eine Mail. Die Antwort gab Hoffnung: Es gebe „keine grundsätzlichen Erwägungen, die das Befüllen von mitgebrachten Mehrwegbehältnissen aus hygienischen Gründen ausschließen“, so die Hamburger Gesundheitsbehörde. Es seien „die allgemeinen Grundsätze der Lebensmittelhygiene anzuwenden“. Was das bedeutet, wisse der federführende Bezirk Altona.

Generelle Richtlinien gibt es nicht

Ich fragte dort nach. Generelle Richtlinien gebe es nicht, erklärte der Sprecher. „Aber ein schmutziger Becher überm offenen Verkaufstresen geht gar nicht.“ Sein Tipp: Die Verkäuferin sollte es vermeiden, dass mein Becher den Einfüllstutzen der Maschine berührt.

Zero Waste
No Müll today!
Leben, ohne Müll zu produzieren – Vanessa Riechmann und Erdmuthe Kriener schaffen das. Fast zumindest. Ihr monatlicher Abfall passt in ein Marmeladenglas. Wir wollten wissen, warum die beiden Hamburgerinnen müllfrei leben wollen und wie das funktioniert.

Alles kein Problem also? Meine Bäckerei-Verkäuferin hat eine hübsche Lösung gefunden: Sie nimmt meinen Becher, stellt ihn auf ein Tablett, das auf der Durchreiche steht, füllt den Cappuccino in einen Keramikbecher der Bäckerei und schüttet ihn dann um.

Eine gute Idee eigentlich, auch wenn so zusätzlicher Abwasch anfällt. Doch hat der Kompromiss seine Tücken: Als ich einer anderen Verkäuferin das bewährte Verfahren vorschlug, nahm sie zum Abfüllen statt eines Keramikbechers einen Plastikbecher – und schmiss ihn nach dem Umfüllen in den Müll.

Ich war sprachlos. Gut Ding hat halt auch hier seine Weile.

Über den Autor
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

2 Kommentare zu “Plastikbecher? Nein danke!

  1. Vielleicht die Gelegenheit sein Leben zu entschleunigen. Als ich 2003 nach Hamburg kam gefielen mir die ganzen Stehtische und die Menschen vor den Bäckereien.

  2. So ist das mit gute Ideen!! Sie haben ist eine Sache, sie um zu setzen ist eine andere !! Eigendlich geht alles, wenn Frau – Mann nur möchte !!
    Müllvermeidung ist so eine Sache, denn ich könnte auch eine Geschichte da von schreiben, habe ich auch schon gemacht !!

    http://edition-erichheeder.blogspot.de/2015/02/falsches-verstandnis-fur-mulltrennung.html

    Es gibt Dinge im Umfeld, die kann man nicht so einfach ändern, es müssen sich immer die anderen ändern, denn wir haben nur diese eine Welt !!

    Erich Heeder – HINZ&KUNZT VERKÄUFER

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