Nachruf auf Gerd Arland : Ohne Zeigefinger, mit Selbstironie

Gerd Arland (rechts) hat das Theaterprojekt "Obdach Fertig Los" gegründet. Foto: Ulrike Schmidt.

20 Jahre lang hat Gerd Arland die Theatergruppe „Obdach Fertig Los“ geleitet und damit Menschen Gehör verschafft, denen sonst niemand mehr zuhören wollte. Jetzt ist er nach langer Krankheit verstorben. Eine Erinnerung.

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Als wir das letzte Mal Gerd Arland zum Interview trafen, hatte er mit seiner Theatergruppe „Obdach Fertig Los“ gerade das Stück „Nestkälte“ einstudiert. Vor sechs Jahren war das. Damals brachte er auf den Punkt, was seine Theaterstücke ausmachte: „Den erhobenen Zeigefinger gibt’s bei uns nicht“, sagte Arland. „Wir machen das immer mit einer ordentlichen Portion Selbstironie.“

Wir, das war eine Gruppe von 15 ehemaligen Obdach- und Wohnungslosen, Trinkern und Hartz-IV-Empfängern, die die Schauspielerei für sich entdeckt hatten. Er selbst war „früher Quartalstrinker“ gewesen, so nannte er das. Bis er mit dem Theater eine „sinnvolle Beschäftigung“ gefunden hatte und den Alkohol beiseite ließ. Das war das Prinzip der Gruppe: Theater als Therapie. Und das 20 Jahre lang, von 1995 bis 2015.

Am 29. Oktober ist Gerd Arland nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren verstorben. Der Journalist Wolfgang Neitzel hat die Trauerfeier besucht – und würdigt Arland in einem Nachruf. „Als Theaterautor und Schauspieler hatte Gerd mit seinem Humor die Gabe so manchen dazu zu bringen, seine eigene Lebensgeschichte auf der Bühne zu spielen und so die nie bekommene Aufmerksamkeit zu verdienen“, schreibt der Kulturjournalist Neitzel. „In rund 20 Jahren brachte er in seinen Schwanks dem Publikum so die ernsten Probleme des Lebens auf eine heitere Weise näher. Selten rückte die Kunst dem Leben dabei so dicht auf die Pelle!“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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