Totensonntag : Obdachlose sterben leise

Weil die meisten Obdachlosen normalerweise anonym und ohne Trauerfeier beerdigt werden, hatten wir am Sonntag zu einer Gedenkfeier auf den Öjendorfer Friedhof eingeladen. Am Abend fand ein Gottesdienst in Eimsbüttel statt.

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Kein Hinz&Künztler ist vergessen: Inschrift am Gedenkbaum auf dem Öjendorfer Friedhof.

Wenn Obdachlose sterben, dann nimmt meistens niemand Notiz davon. Manchmal steht in der Zeitung, dass Passanten einen Toten gefunden haben. Aber Traueranzeigen – außerhalb von Hinz&Kunzt – oder feierliche Beerdigungen gibt es selten. „Sehr viele Obdachlose werden anonym beigesetzt“, sagt Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt. Oft gebe es niemanden, der die Kosten übernehme. Und wenn doch eine Trauerfeier für einen verstorbenen Obdachlosen stattfindet, kommen häufig nur wenige Gäste. Deshalb mache sich bei den Obdachlosen das Gefühlt breit, dass sich niemand für ihr Leben interessiere, sagt Karrenbauer: „Es gibt nichts Schlimmeres, als bei einer Trauerfeier allein zu sein.“

Einmal im Jahr wollen wir den verstorbenen Hinz&Künztlern gedenken. „Jeder hinterlässt Spuren, an die wir uns erinnern wollen“, sagt Karrenbauer. Am Totensonntag trafen wir uns um 14 Uhr mit Verkäufern, Angehörigen und Kunden auf dem Friedhof in Öjendorf, um die Namen der Verstorbenen an unserem Gedenkbaum zu befestigen. Mehr als 30 Menschen kamen zusammen. „In einer Gruppe bekommt man das Gefühl, dass die Verstorbenen wertvoll waren“, sagt Karrenbauer.

Hinz&Künztler Erich Heeder hat die Trauerfeier in Bildern festgehalten.

Auch in diesem Jahr mussten wir uns von einigen Hinz&Künztlern verabschieden. Wie immer erinnern wir an sie mit einer Todesanzeige im Heft und auf unserer Homepage. Auch Peter Reinhardt ist darunter. Unser langjähriger Verkäufer und Stadtführer ist an Pfingsten gestorben. Gerade, als er sein Leben in den Griff bekommen hatte. Auch darüber, was sie uns bedeutet haben, haben wir am Sonntag geredet.

Gottesdienst in der Christuskirche

Am Abend wurden dann Kerzen für die verstorbenen Obdachlosen in der Eimsbütteler Christuskirche angezündet. Zu dem Gedenkgottesdienst um 18 Uhr hatte die Diakonie Wohnungslose, deren Angehörige und Freunde sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hamburger Wohnungslosenhilfe eingeladen. thin

Text: Benjamin Laufer
Fotos: Beatrice Blank

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