Empfehlung : Obdachlose sollen bei Corona-Impfung bevorzugt werden

Kleiner Pieks, große Wirkung: Impfungen schützen vor Infektionen mit gefährlichen Viren. Foto: Actionpress

Die ersten Impfungen gegen das Coronavirus könnten schon Anfang 2021 in Hamburg verabreicht werden. Zu den Bevölkerungsgruppen, die wahrscheinlich bevorzugt versorgt werden sollen, gehören auch Obdachlose und Geflüchtete.

Die gute Nachricht kam am Montag aus Mainz: Der Impfstoff, den das Unternehmen Biontech zusammen mit dem Pharmariesen Pfizer gegen das Coronavirus entwickelt, soll nach vorläufigen Ergebnissen eine Wirksamkeit von 90 Prozent haben. Anträge für eine Zulassung seien bereits in Vorbereitung, hieß es. „Das ist ein Sieg für Innovation, Wissenschaft und weltweite Zusammenarbeit“, sagte Biontech-Gründer Ugur Sahin. Mehr als 43.000 Menschen hatten zuvor an der Studie teilgenommen.

Von „sehr ermutigenden Nachrichten“ sprach auch Hamburgs Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag im Rathaus. Womöglich könnten schon Anfang 2021 die ersten Menschen in Hamburg gegen das Coronavirus geimpft werden. Klar ist aber auch, dass zunächst nicht für alle ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen wird und die ganze Bevölkerung erst nach und nach versorgt werden kann.

Deswegen hat der Deutsche Ethikrat jetzt gemeinsam mit der Ständigen Impfkommission und der Wissenschaftsakademie Leopoldina Richtlinien für die Entscheidung vorgeschlagen, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden sollen. Ältere, medizinisches Personal, Polizist*innen und andere, die „für die Aufrechterhaltung zentraler staatlicher Funktionen eine Schlüsselstellung besitzen“, gehören zu den voraussichtlich bevorzugten Gruppen. Ausdrücklich hervorgehoben werden in dem Papier aber auch Obdachlose und Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben – also auch Wohnungslose und Geflüchtete. Sie seien in „einer sozialen Lebenslage, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung erschwert“, so Ethikrat, Stiko und Leopoldina. Entscheidend für eine Bevorzugung bei der Impfstoffvergabe sei „eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit, im Falle einer Erkrankung intensivmedizinische Behandlung zu benötigen, schwerwiegende bleibende Schäden zu erleiden oder zu versterben.“

Hamburg bereitet Impfzentrum vor

Am Dienstag hat die Europäische Union Medienberichten zufolge einen Vertrag mit Biontech und Pfizer über die Lieferung von zunächst 300 Millionen Impfdosen ausgehandelt. Deutschland hofft demnach auf bis zu 100 Millionen Dosen. „Für uns bedeutet das, dass wir die Vorbereitungen für das Vorhandensein eines eventuellen Impfstoffs weiter vorantreiben“, sagte Senatorin Leonhard dazu. Derzeit bereite die Stadt ein zentral gelegenes Impfzentrum vor.

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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