Straßenfußball-Turnier : Wohnungslose gewinnen Pokal

Beim Hamburger Straßenfußball-Turnier auf dem Spielbudenplatz hat die Nationalmannschaft der Wohnungslosen ihre Klasse unter Beweis gestellt. Das Team von Trainer Jiri Pacourek setzte sich im Finale gegen eine Auswahl von Kommunalpolitikern durch.

In den Morgenstunden gibt die Reeperbahn in der Regel ein trauriges Bild ab: Reinigungswagen fegen die Reste der letzten Nacht zusammen, während vereinzelt übernächtigte Partygäste nach Hause stolpern. Gegen Mittag begeben sich schließlich auch die ersten Touristen auf Entdeckungsreisen. In der Regel eine unpassende Zeit. Am vergangenen Wochenende hingegen gab es auf dem Kiez tatsächlich schon morgens etwas zu bestaunen: Acht Teams aus der Wohnungslosen-, Sucht- und Flüchtlingshilfe und die Rathauskicker kämpften um den Titel beim Hamburger Straßenfußball-Turnier.

Zeitgleich in Wilhelmsburg das Treffen der Nationalen Armutskonferenz statt. Während südlich der Elbe Strategien zur Bekämpfung von Armut aus der Perspektive der Betroffenen diskutiert wurden, zeigten am Spielbudenplatz Wohnungslose und die Fußballmannschaft der Hamburgischen Bürgerschaft ihre sportlichen Qualitäten. Mit dabei war auch die Deutsche Nationalmannschaft der Wohnungslosen.

Straßenfußball auf dem Spielbudenplatz


  • Unser Team für den Homeless World Cup in Chile. Foto: Mauricio Bustamante

  • Gegen die Nationalmannschaft der Wohnungslosen waren alle anderen Teams chancenlos. Foto: Mauricio Bustamante

  • Oliver Gutwillinger (Vierter von links) und sein Team schwören sich auf das nächste Gruppenspiel ein. Foto: Mauricio Bustamante

 

Das Team weilte zur Vorbereitung auf den Homeless Worldcup in Hamburg. Am 18. Oktober reisen die Kicker nach Chile zur Obdachlosen-Weltmeisterschaft. Im Flugzeug wird dann auch Oliver Gutwillinger sitzen. „Der Mensch braucht solche Highlights in seinem Leben“, freut sich Gutwillinger. Drogen und Spielsucht hatten den 30-Jährigen vor Jahren aus der Bahn geworfen. Inzwischen lebt er in einer Einrichtung von Jugend hilft Jugend. Gutwillinger ist wieder stabil. Auch Dank des Fußballs.

Denn auf dem Platz kann Gutwillinger seine Qualitäten unter Beweis stellen. Gleich im zweiten Spiel steuerte der groß gewachsene Athlet mehrere Treffen zum 11:1-Erfolg über die Einrichtung Play Clean bei. Dieser deutliche Erfolg unterstrich frühzeitig die Favoritenrolle der Nationalmannschaft, der das Team von Trainer Jiri Pacourek im weiteren Verlauf auch gerecht wurde. Im Finale setzten sie sich schließlich gegen die Rathauskicker durch. Mit dem Erfolg im Rücken sieht sich das Team jetzt gut gerüstet. „Ich kann es kaum erwarten“, sagt Gutwillinger. „Bei uns sind ein paar richtig gute Jungs dabei. Mal sehen, was dann am Ende für uns rausspringt.“

Text: Jonas Füllner
Foto: Mauricio Bustamante

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