Unterkünfte für Flüchtlinge : Nur eine Mangelverwaltung

Aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen sei derzeit nur eine Mangelverwaltung möglich, räumt Landespastor Dirk Ahrens zusammen mit Bischöfin Kirsten Fehrs beim Besuch einer Flüchtlingsunterkunft ein. Gemeinsam appellieren sie, mit ehrenamtlichem Engagement den Flüchtlingen zu helfen.

FehrsAhrens
Am 1. Dezember besuchten Bischöfin Kirsten Fehrs und Diakonie-Chef Dirk Ahrens die Flüchtlingsunterkunft am Volkspark.

Zum Beginn der Adventszeit besuchten Kirsten Fehrs, Bischöfin der Nordkirche, und Dirk Ahrens, Hamburger Landespastor und Diakonie-Chef, die Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee, um sich über die Situation der Flüchtlinge zu informieren. Mehr als 1000 Menschen werden derzeit dort untergebracht. Anschließend stellten sich Fehrs und Ahrens außerhalb der Unterkunft sichtlich berührt den Fragen der Presse. „Die Not der Menschen ist beeindruckend und erschwerend“, sagte Pastor Ahrens. „Was hier betrieben wird, ist im weiteren Sinne natürlich eine Form von Mangelverwaltung. Hier geht es darum, erst einmal ein Überleben zu ermöglichen.“

Die Aufgabe der Diakonie sei es, zu helfen und das ehrenamtliche Engagement zu stärken. „Wir brauchen Menschen, die Flüchtlinge begleiten, die dolmetschen, die Deutsch-Unterricht geben und die mitdenken, wie man den Menschen einen kleinen Moment Normalität schenken kann“, fügte Bischöfin Fehrs an. Gerade für Traumatisierte sei dies unerlässlich. Fehrs hofft, dass ihr Besuch in der Schnackenburgallee andere Menschen in der Stadt ermutigt, mitzuhelfen.

Solch eine vorbildliche Kooperation mit der Kirche gäbe es bereits in der Schnackenburgallee, so Ahrens. Dort bietet Pastor Björn Begas mit seiner Luthergemeinde eine Kleiderkammer und weitere kulturelle Angebote, die von Flüchtlingen aufgesucht werden. „Wir wünschen uns mehr davon und werden von Seiten der Kirche und Diakonie, tun, was wir da tun können“, so Ahrens.

3496 Flüchtlinge leben derzeit in den Unterkünften der Zentralen Erstaufnahme (ZEA). Meistens werden sie in Wohncontainern untergebracht, die die Stadt in Ermangelung besserer Unterkunftsplätze aufgestellt hat. Doch auch diese Plätze reichen nicht aus, da derzeit monatlich etwa 600 Flüchtlinge in Hamburg Zuflucht suchen. Eigentlich sollen sie nach drei Monaten in eine Gemeinschaftsunterkunft des städtischen Betreibers fördern und wohnen ziehen. Auf fast 1500 Flüchtlinge trifft das zu. Doch auch dort sind alle Plätze belegt. So kommt es, dass derzeit 107 Flüchtlinge sogar in Zelten in der ZEA in Harburg schlafen müssen. Diese sind zwar beheizt, trotzdem aber nicht mehr als eine absolute Notlösung.

Hinter den Kulissen gibt es nach Abendblatt-Informationen Streit um die Unterbringung zwischen den beiden zuständigen Behörden. In der Innenbehörde hieße es, man übernehme die Arbeit der Sozialbehörde. „Die bekommen es nicht auf die Reihe, für ausreichend Folgeunterkünfte zu sorgen“, zitiert das Abendblatt die Innenbehörde.

„Irgendwie schaffen wir das“, habe ihr die Leiterin der Einrichtung in der Schnackenburgallee erklärt, so Fehrs. Dieses „irgendwie“ sei ihr nah gegangen. Einerseits zeige es die enorme Herausforderung und Schwierigkeiten, vor der Senat und Gesellschaft stünden. „Gleichzeitig zeigt sich, dass wir gemeinsam die Aufgabe haben es irgendwie zu schaffen. Und das nehme ich auch als Ermutigung mit – trotz aller Betroffenheit.“

Text und Foto: Jonas Füllner

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