10 Millionen Euro Betriebskosten zu viel bezahlt : Mieterhöhung durch die Hintertür

Jede zweite Betriebskostenabrechnung ist falsch, sagt der Mieterverein zu Hamburg. Vermieter würden Kosten zu hoch ansetzen und teilweise sogar falsche Angaben machen. Jährlich zahlen Mieter dadurch bis zu zehn Millionen Euro zu viel an ihre Vermieter.

Betriebskosten
Geld zurück bekommt nur, wer sich gegen unberechtigte Forderungen des Vermieters wehrt.

Als der NDR gestern über falsche Betriebskostenabrechnungen berichtete, haben viele Mieter sicherlich ihre Unterlagen wieder hervorgekramt. Dass gerne ein paar Euro draufgeschlagen werden, diese Erfahrung habe auch ich gemacht. In meiner alten Wohnung schnellte nach einem Eigentümerwechsel die Betriebskostenabrechnung gewaltig in die Höhe. So nicht, dachte ich mir und machte mich auf den Weg zu Mieter helfen Mietern. Dort kam die Rechtsberatung schnell zu dem Ergebnis, dass die Abrechnung zu hoch und fehlerhaft sei.

Den Mieterverein zu Hamburg haben im vergangenen Jahr 11.000 Menschen allein wegen Fragen zu ihrer Abrechnung aufgesucht. Das Ergebnis: „Jede zweite Abrechnung war fehlerhaft, dass hat die Überprüfung ergeben“, so Geschäftsführer Siegmund Chychla. Mieter können in solch einem Fall das Geld zurück erhalten. Auch mir riet man damals dazu. Einige Euro könne ich mir vom Vermieter erstatten lassen. Mein neuer Vermieter war die Akelius GmbH.

„Der schwedische Investor Akelius fällt in Hamburg durch besonders Rendite orientiertes Verhalten auf “, sagt Chychla. Immer wieder habe man in der Beratung mit überhöhten Forderungen des Unternehmens zu tun. So versuchte das Unternehmen in Wandsbek Kosten für Hauswart, Winterdienst, Ungezieferbekämpfung und Hausstrom umzulegen. In den Mietverträgen war dies aber nicht vorgesehen. Ein Mieter wendete sich an den Mieterverein und bekam für das Jahr 2012 insgesamt 249,88 Euro zurückerstattet.

Aber nicht nur private Vermieter schlagen gerne ein paar Euro bei den Abrechnungen drauf. „Fast jede Abrechnung der Saga und der Baugenossenschaften ist falsch“, so Chychla. So würde beispielsweise die Miete für Rauchmelder trotz anders lautender Urteile auf die Mieter umgelegt. Das sind im Jahr zwar gerade einmal knapp fünf Euro. Wenn allerdings fast alle Saga-GWG-Mieter auch nur wenige Euro zu viel zahlen, kommt eine stattliche Summe zusammen. Chychla hat errechnet, dass Hamburgs Mieter für falsche Betriebskostenabrechnungen jährlich bis zu zehn Millionen Euro zu viel an ihre Vermieter zahlen. Chychla rät daher allen Mietern ihre Betriebskostenabrechnungen zu überprüfen.*

Meistens handele es sich zwar nur um Beträge von 20 bis 40 Euro, die Mieter zurückerstattet bekämen. „Aber Kleinvieh macht auch Mist“, sagt Chychla. Das stimmt. Auch bei mir drehte es sich damals um nicht einmal 20 Euro. Ich hätte mir das Geld zurückerstatten lassen können. Der Aufwand erschien mir groß. Außerdem stand fest, dass ich umziehen würde. Eine Aufforderung zur Rückerstattung hat Akelius von mir nie erhalten.

Text: Jonas Füllner
Foto: Actionpress

*Der Mieterverein zu Hamburg hat einen Betriebskostenspiegel für das Jahr 2012 erstellt:
www.mieterverein-hamburg.de/mietnebenkosten.html
Der Betriebskostenspiegel soll Transparenz bei den Nebenkosten schaffen und eine Vergleichsbasis bieten. Bei Abrechnungen oder vor der Anmietung einer Wohnung können Mieter künftig überprüfen, ob die verlangten Kosten angemessen sind oder nicht.

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