Winternotprogramm : Mehr als 1000 Menschen in Notunterkünften

So viele Menschen wie nie zuvor übernachten derzeit in Notunterkünften für Wohnungslose in Hamburg. Im Winternotprogramm sind es fast 1000. Auch das Pik As ist mit 275 Menschen prall gefüllt. Hinz&Kunzt fordert, die Bekämpfung der Wohnungslosigkeit wieder ernsthaft zu verfolgen!

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Die Betten in einer ehemaligen Schule in der Weddestraße sind inzwischen alle belegt. Die Sozialbehörde hat auch noch weitere aufstellen lassen.

Das Winternotprogramm ist so voll wie noch nie zuvor. Am 31. Januar übernachteten 920 Menschen in den Notschlafstätten der Stadt – obwohl nur 862 Plätze vorgesehen sind. „Die Belegungszahlen pendeln sich derzeit auf einem hohen Niveau ein“, sagt Sozialbehördensprecher Marcel Schweitzer. Bei Überbelegung würden zusätzliche Betten aufgestellt werden: „Das wird sehr flexibel gehandhabt.“ Das größte Winternotprogramm, dass die Stadt jemals aufgestellt hat, stößt damit an seine Grenzen. Und auch die dauerhafte Notunterkunft Pik As ist voll: Am 9. Februar haben dort 275 Menschen übernachtet.

Im Vergleich zum vergangenen Winter ist die Zahl der Wohnungslosen, die das Angebot nutzen, noch einmal drastisch angestiegen: In der vollsten Nacht waren die Unterkünfte damals mit 818 Menschen belegt. 103 davon schliefen im Pik As.

Belegungszahlen

Das Winternotprogramm startete am 1. November 2014. In der ersten Nacht schliefen dort 304 Menschen. Seitdem ist ihre Anzahl beständig gestiegen.
Ein zentrales Problem ist der Wohnungsmarkt, auf dem die Wohnungslosen keine finanzierbare Bleibe finden. Mehr als 2500 Menschen leben in den Unterkünften der Stadt, die eigentlich als wohnberechtigt gelten. Im vergangenen Jahr ist es lediglich gelungen, 548 Wohnungslose aus der öffentlicher Unterbringung in Wohnraum zu vermitteln. Etwa genauso viele kamen im gleichen Zeitraum hinzu.

„Wir brauchen dringend ein Konzept, um wieder handlungsfähig zu werden!“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Das 2010 beschlossene Konzept „Wege aus der Obdachlosigkeit“ wird gerade nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verfolgt: Neue öffentliche Unterkünfte werden gerade nur für Flüchtlinge errichtet, die in großer Zahl nach Hamburg kommen. „Wohnungslose bleiben ein bisschen auf der Strecke“, hatte uns Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) im vergangenen Jahr im Interview gesagt. „Wir hatten uns das anders vorgestellt, bevor der Ansturm aus den verschiedenen Krisengebieten dieser Welt kam“, sagte Scheele.

Hinz&Kunzt fordert, dass die Bekämpfung der Wohnungslosigkeit in Hamburg wieder ernsthaft verfolgt wird. „Wir sehen gerade dabei zu, wie wir in eine Katastrophe hineinschlittern“, mahnt Sozialarbeiter Karrenbauer.

Video: Wie kann die Wohnungslosenzahl halbiert werden?

Multimedia-Reportage über das Unterkunftssystem: Meine Platte, mein Zelt, mein Container

Text: Benjamin Laufer
Fotos: Dmitrij Leltschuk

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