Toter Obdachloser : Macij starb in einer Harburger Baracke

Für den Obdachlosen Macij kam jede Hilfe zu spät. Foto: blaulicht-news.de / Sebastian Peters

Schon wieder stirbt ein polnischer Obdachloser in Hamburg – mit nur 47 Jahren. Hinz&Kunzt fordert, dass die Stadt allen Menschen auf der Straße helfen muss. Egal, woher sie kommen.

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In Hamburg ist erneut ein Obdachloser ums Leben gekommen. Den 47-Jährigen Macij fanden Bekannte am Sonntagabend tot in einer Baracke auf einem alten Fabrikgelände in Harburg, wo er offenbar Schutz vor der Kälte gesucht hatte. Die Todesursache ist nach Angaben der Polizei noch unklar, Hinweise auf einen Kältetod oder ein Fremdverschulden gebe es bislang nicht. Schon am Tag zuvor soll es Macij demnach schlecht gegangen sein, medizinische Hilfe soll der Pole jedoch abgelehnt haben.

Erst eine Woche zuvor hatte eine Spaziergängerin in Niendorf die leblose Hinz&Künztlerin Joanna auf einer Parkbank gefunden. Obwohl die Passantin noch versuchte, Joanna wiederzubeleben, verstarb sie später im Krankenhaus. Ärzte vermuteten, dass beim Tod der 43-jährigen Polin Unterkühlung eine Rolle spielte. Das Ergebnis der Obduktion liegt bislang allerdings noch nicht vor.

„Die Stadt muss endlich von ihrer bisherigen Verdrängungspolitik abrücken und den Menschen helfen.“– Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer

Obdachlose aus Osteuropa verelenden auf Hamburgs Straßen

Ob es sich in diesen Fällen um Kältetote handelte, sei aber auch zweitrangig, meint Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Denn das dauerhafte Leben auf der Straße zehre in jedem Fall an der Gesundheit. So zeigt eine neue Studie, dass Obdachlose in Hamburg mit durchschnittlich 49 Jahren sterben (Lesen Sie mehr darüber in unserer November-Ausgabe). Insbesondere Obdachlose aus Osteuropa würden in Hamburg immer stärker auf der Straße verelenden, weil sie kaum Hilfe von der Stadt bekämen, sagt Karrenbauer: „Wir beklagen das seit Jahren, dieser Zustand ist nicht weiter hinnehmbar!“

„Die Stadt muss endlich von ihrer bisherigen Verdrängungspolitik abrücken und den Menschen helfen“, fordert Karrenbauer. Und zwar ganzjährig und unabhängig von ihrer Herkunft: „Der Senat kann nicht weiter einfach so tun, als ob die osteuropäischen Obdachlosen nicht zu uns gehören.“

Weitere tote Obdachlose in Düsseldorf und Köln

Auch in anderen Städten sind in der vergangenen Woche obdachlose Osteuropäer auf der Straße verstorben. Am 28. Oktober fanden Passanten in Düsseldorf einen 45-jährigen leblosen Polen an einer Bushaltestelle. Er sei in einem sehr schlechten Allgemeinzustand gewesen und vermutlich an einer Vorerkrankung verstorben, sagt ein Polizeisprecher gegenüber Hinz&Kunzt.

In Düsseldorf werden Obdachlose aus dem EU-Ausland zu Touristen erklärt.– Straßenmagazin fiftyfifty

Das Straßenmagazin fiftyfifty kritisierte anlässlich des Todesfalls, Obdachlose aus dem EU-Ausland würden in Düsseldorf „zu Touristen erklärt“, ihnen werde der Zugang zu städtischen Notunterkünften erschwert. Gerade Armutsmigranten aus dem EU-Ausland würden auch im Winter in Abbruchhäusern und selbstgebauten Hütten im Stadtgebiet schlafen, hieß es.

Einen Tag später, am 29. Oktober, fanden Passanten im Kölner Stadtteil Ehrenfeld einen weiteren verstorbenen Obdachlosen. Nach Angaben der Kölner Polizei ist seine Identität bislang ungeklärt. Auch die Todesursache sei noch unklar, sagte ein Sprecher gegenüber Hinz&Kunzt.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe weist anlässlich der Todesfälle darauf hin, dass die Kommunen zur Unterbringung von Obdachlosen verpflichtet sind. Auch Migranten dürfe dieses Recht nicht verwehrt werden, sagte Geschäftsführerin Werena Rosenke: „Benötigt werden Unterkünfte, die ein Mindestmaß an Privatheit garantieren, in denen man sich auch tagsüber aufhalten kann und die auch mit Hunden und gegebenenfalls auch noch nachts aufgesucht werden können.“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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