Unternehmensberater Rocky Wüst : Lebensglück schlägt Geld

Unternehmensberater Rocky Wüst möchte nicht nur Geld verdienen, sondern Sinn stiften. Da ist er mit seinem Engagement bei Hinz&Kunzt genau richtig.

(aus Hinz&Kunzt 261/November 2014)

Guten Tag, ich bin Rocky Wüst, Chief Happiness Officer“, stellt sich der junge Mann in dem schicken Innenstadtbüro vor. Ich überlege kurz, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Das kann doch kein Unternehmensberater sein, denke ich. Die tragen doch dunklen Zwirn und seriöse Titel. Rocky Wüst hat Jeans und ein kariertes Hemd an, dazu rote Socken. Ob das überhaupt sein richtiger Name ist? „Klar“, sagt der 33-Jährige. „So lautete der Titel eines Schlagers, den meine Mutter sehr mochte. Und ich komme aus dem Osten, da gab es zur Zeit meiner Geburt nicht sehr viel, wo wirklich frei entschieden werden konnte, außer eben bei Vornamen.“ Rocky Wüst lächelt verschmitzt. Er setzt seinen Namen sogar ganz selbstbewusst als Firmennamen ein. „Frech & ­Wuest, Unternehmerberatung“ heißt sein Betrieb.

Mit einem kleinen Team beschäftigt er sich mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und Unternehmensstrategien sowie einem Wirtschaftswachstum, das den Wohlstand aller berücksichtigt. „Ich will nicht nur beraten, sondern auch umsetzen.“ Wüst investiert deshalb in ethisch korrekte Firmen, die Joghurt aus Getreide herstellen oder die Menschen für gemeinsame Unternehmensgründungen vernetzen. Und er unterstützt soziale Projekte wie die SOS-Kinderdörfer, und er unterstützt Hinz&Kunzt. Gern unterhält er sich mit den Verkäufern. „Die Geschichten erschüttern mich oft.“ Andererseits bewundert er den Mut und manchmal auch das Verkaufstalent der Hinz&Künztler. „Mir gefällt die Hilfe zur Selbsthilfe. Und ich weiß, dass ich auch dort stehen könnte. Gerade als Unternehmer weiß man nie, wie es im nächsten Jahr laufen, welche Idee zum Geschäftsmodell wird.“

Bisher hat das Leben es nicht allzu schlecht mit ihm gemeint. Nach acht Jahren bei der Bundeswehr und einer Ausbildung zum Versicherungsfachmann arbeitete Rocky Wüst im Finanzberatungsbereich. Er verdiente sein Geld im Strukturvertrieb, einem sehr hierarchisch aufgebauten Geschäftsmodell. Dort bekam er Einblicke in Geschäftspraktiken, die er nicht mit seinen Werten vereinen könne. „Ich habe so gearbeitet, dass ich trotzdem noch in den Spiegel schauen konnte“, sagt Wüst. Ein paar Jahre lief alles rund.

2008 kam mit der Pleite von Lehman Brothers das Umdenken: „Ich sah mein Depot und das der anderen in rasender Geschwindigkeit schrumpfen und stellte mir die Frage, worauf dieses System aufgebaut ist.“

Die Antwort auf diese Frage endete in der Kündigung. Rocky Wüst verabschiedete sich von der rein gewinnmaximierten Art des Unternehmerseins. „Die Frage nach Sinn und nach Werten wurde mir immer wichtiger.“ Er beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit, mit neuen Geschäftsmodellen und mit modernen Wirtschaftstheorien. ­Sogar Vorträge hat er darüber schon gehalten, auch wenn er kein studierter Betriebswirt ist. „Ich bin Autodidakt. Aber wenn mich etwas interessiert, knie ich mich rein.“

Die Neuorientierung beschränkte sich nicht auf seinen Job. Auch sein Privatleben organisierte Rocky Wüst neu. Gerade tritt er beruflich kürzer. Nach  der Geburt seines dritten Kindes hat er sich eine mehrmonatige Elternzeit ­genehmigt. „Mein Leben hat sich wie ein Hochgeschwindigkeitszug angefühlt, das wollte ich nicht mehr.“

Damit nicht genug: Er verkaufte das große Auto, zog mit seiner Familie aus dem Haus in Wellingsbüttel nach Mecklenburg-Vorpommern, wo seine Frau herkommt. Die lange Fahrt ins Büro nimmt er dafür gern in Kauf. „Meine Familie ist dort glücklicher als hier in der Stadt.“ Die Entscheidung, sein Leben so umzukempeln, fällte Wüst während ­einer vierwöchigen Wanderung auf dem Jakobsweg. „Das war das Beste, was ich tun konnte. Kann ich nur jedem empfehlen. Aber ganz anders, als Hape Kerkeling es in seinem Buch beschreibt.“ Seit dieser Reise ist er Chief Happiness Officer. Was das ist? Einer, dem Lebensglück wichtiger ist als Geld. Und einer, der rote Socken statt Krawatte trägt.

Text: Sybille Arendt

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