Kickerturnier : Kurbeln verboten!

Am 7. Februar ist Anpfiff zum sechsten Kickerturnier zugunsten von Hinz&Kunzt. Hauptsponsor ist zum vierten Mal die Hafen Akademie Hamburg. Mitmachen kann jeder: von Kneipenkicker bis Profi. Zur Vorbereitung empfehlen wir elf Fakten über Tischfußball.

(aus Hinz&Kunzt 263/Januar 2015)

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Das Runde muss ins Eckige: Die goldene Fußballregel gilt auch beim Hafen Akademie Hamburg Kickerturnier, bei dem Laien und Profis im Ballsaal des FC St. Pauli aufeinandertreffen.

Wer den Tischfußball erfunden hat, ist umstritten: Der Engländer Harold S. Thornton meldete 1922 ein Patent auf einen Spieltisch an. Andere Quellen nennen den Franzosen Lucien Rosengart als Entwickler. Der Tisch des ehemaligen Citroën-Ingenieurs sah dem heutigen Kicker schon sehr ähnlich. Unbestritten ist: Die Schweizer Firma „Kicker“ verhalf dem Spiel ab den 60er-Jahren zum Erfolg.

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Der erfolgreichste Tischfußballspieler der Welt ist eine Frau: Die Hamburgerin Sandra Ranff ist 13-malige Weltmeisterin. Ihre Karriere begann zufällig an einem Kicker im Kaiserkeller auf der Reeperbahn. „Tischfußball ist ein total kommunikativer und sozialer Sport“, sagt die 37-Jährige, die regelmäßig beim Hafen Akademie Hamburg Kickerturnier startet.

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„Dosenmilch 4%“, „Hans und Franz“, „1. KC Chancenlos“, „Not und Elend Deluxe“, „Gurkenwasser“, „Blind eingespielt“, „Die Rückkehr der Teufelshände“ – bei der Wahl ihrer Team-Namen haben die Teilnehmer der bisherigen fünf Turniere viel Fantasie gezeigt. Das Wichtigste ist sowieso: „Wir sind eine gut intrigierte Truppe.“ (Lothar Matthäus).

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Die grandioseste Kickerszene in einem Film gibt es in Sebastian Schippers „Absolute Giganten“ (1998): In der mehr als zehn Minuten dauernden Sequenz kickern die drei Freunde Floyd, Walter und Ricco gegen die Lokalgrößen Snake und Dulle. Walter setzt gar seinen frisierten, alten Ford aufs Spiel. „Dafür gelten unsere Regeln: Fliegender Wechsel während des gesamten Spiels, und Torwarttor zählt doppelt.“ Am Ende entscheidet Ricco mit einem genialen Torwart-Lupfer die Partie für die Jungs.

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Kurbeln ist verboten! Laut den weltweit einheitlichen Regeln des Internationalen Tischfußball Verbandes (ITSF) darf sich die Spielfigur „maximal um 360 Grad drehen“. Oder wie es ein Forumsnutzer im Netz auf www.kickertisch.org treffend formuliert: „Durch dieses Kurbeln macht man nicht nur den Gegner schier wahnsinnig, sondern erzielt darüber hinaus oft absolute Glückstreffer.“

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Die Schweizer Postrock-Band Tunica Dartos veröffentlichte 2011 eine EP, auf der sich ein Instrumentalstück namens „Tischfußball“ befindet. Es geht darin ziemlich wild zu.

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Kickertische für den Hausgebrauch gibt es bei Ebay schon für unter 300 Euro. Kneipenexemplare mit Münzeinwurf kosten ab 1500 Euro aufwärts. Ein holländischer Hersteller verkauft unter dem Namen „11 The Beautiful Game“ eine Luxusserie mit verchromten Spielfiguren und Beleuchtung, „inspiriert von modernen Fußballstadien“. Startpreis: ab 48.500 Euro.

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Schweizer System, das. Danach wird beim Hafenakademie ­Kickerturnier gespielt. Das heißt: Alle Teams spielen in einer einzigen großen Gruppe. Gewinner spielen gegen Gewinner, Verlierer gegen Verlierer. Die Idee dahinter: Ähnlich starke Teams treffen aufeinander, der  Spielspaß bleibt erhalten. Wie bei Thorsten Brunkow und seinem Vater Michael: Seit dem ersten Turnier sind sie dabei.

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Kickerbälle bestehen zumeist aus Kunststoff, manchmal auch aus Kork. Härtegrad, Größe und Gewicht variieren. Es gibt geriffelte und glatte Bälle. Laut www.kickertische.org ein wichtiges Kriterium: die Naht. „Die Bälle sollten auf keinen Fall eine ausgeprägte Naht haben, denn dadurch kann der Kickerball ins ,Kullern‘ kommen und von der gewünschten Richtung stark abweichen.“

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Fürs Kickern gibt es diverse, ­lokal geprägte Bezeichnungen: In Hannover heißt es etwa Krökeln. Der Begriff leitet sich von der Bezeichnung Krökel für eine Eisenstange ab. Im Pfälzischen heißt der Kickertisch Hackersche, in der Ostschweiz Tschütelichaschtä und in Österreich Wuzzler.

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Die erste Deutsche Meisterschaft im Tischfußball wurde 1967 in Braunlage ausgetragen. In seiner Bachelor-Arbeit „Tischfußball – Kneipenspiel oder Leistungssport“ (2011) blickt Daniel Saalach zurück: „Unerwarteterweise erschienen (…) scharenweise tischfußballbegeisterte ­Jugendliche aus allen Teilen Deutschlands.“

Text: Simone Deckner
Foto: Mauricio Bustamante

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