Zu viele Geschenke : Frühjahrsputz unter der Kersten-Miles-Brücke

Bitte nicht zumüllen! Das ist die Devise der Obdachlosen, die sich unter der Kersten-Miles-Brücke auf St. Pauli eingerichtet haben. Denn wohlmeinende Hamburger haben so viel Hausrat vorbeigebracht, dass von der Platte kaum noch der Boden zu sehen war. 

Die Bewohner der Kersten-Miles-Brücke und ihre Hunde haben nach der Aufräumaktion wieder Platz zum Sitzen oder Liegen.

Der Frühjahrsputz unter der Kersten-Miles-Brücke ist vollbracht. Zehn Kubikmeter Müll hat die Stadtreinigung am Mittwoch mit Hilfe der Bewohner aufgeladen und abgefahren. Darunter überzählige Matratzen und säckeweise Klamotten. Paule und Stefan, die unter der Brücke Platte machen, sind froh, dass jetzt wieder Land in Sicht ist. Dass sie so viele Dinge geschenkt bekommen, freut sie ja. Da ist zum Beispiel der Mann, der immer mal wieder vorbeikommt und fragt, ob sie etwas bräuchten – und wenn ja, was genau… „Neulich hat er sich unsere Schuhgröße notiert und uns neue Schuhe geschenkt“, sagt Paule. Viele kommen vorbei und bringen Lebensmittel.

Es gibt allerdings auch viele Geschenke, die regelrecht zur Belastung werden. „Die Leute meinen es ja gut“, sagt Paule. „Aber manchmal wachen wir morgens auf und dann stehen da alte Matratzen und Säcke voller Klamotten“, sagt Stefan. Viel zu viel für die Bewohner. Gestern hat die Stadtreinigung geholfen, ein paar Säcke zu sortieren. „Die guten Klamotten geben wir ab, und die anderen schmeißen wir weg“, so ein Sprecher der Stadtreinigung.

Die Gruppe unter der Kersten-Miles-Brücke
ist damit überfordert. „Wir haben ja auch kein Fahrzeug, mit dem wir die Sachen abfahren können“, sagt Paule. Einmal hatte er schon selbst den Sperrmüll angerufen, aber die wollten Geld für die Abholung haben. „Das war uns dann zu teuer.“ Mit den Mitarbeitern der Stadtreinigung haben die Bewohner jetzt einen Deal. Es sollen nicht nur regelmäßig die Müllsäcke ausgetauscht werden, wie gehabt. Die Stadtreinigung will auch größere Sachen mitnehmen, wenn es wieder zu doll wird. Die Brückenbewohenr wünschen sich, dass die Menschen in Zukunft lieber erstmal fragen, wenn sie etwas verschenken wollen. Und sie nicht einfach zumüllen.

Text: Birgit Müller
Foto: Mauricio Bustamante

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