Alma Hoppes Lustspielhaus : Kabarett-Gipfel für Hinz&Kunzt

Diesen Sonntag ist es soweit. Bereits zum 5. Mal spielen Hamburger Kabarettisten und Comedians in Alma Hoppes Lustspielhaus ein Benefiz für Hinz&Kunzt. Beim Kabarett-Gipfel mit dabei: Puppenspielerin Andrea Bongers und ihre stofftierischen Kollegen.

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Andrea Bongers ist Puppenspielerin, Kabarettistin und Musikerin.

Andrea Bongers ist auf der Bühne ein echtes Chamäleon. Die Kabarettistin wechselt die Rollen, dass einem Hören und Sehen vergehen. Mal ist sie Luder, mal Grantler und wechselt dabei virtuos Stimmlage und Dialekt. Das Besondere: Sie verführt ihr Publikum mithilfe von Puppen, mit denen sie witzige Dialoge führt. Da ist zum Beispiel Heinz. Der brummige Kerl mit dem riesigen Kopf und den wulstigen Lippen steht seit 30 Jahren mit Bongers gemeinsam auf der Bühne und weiß immer alles besser. Heinz ist selbst gemacht – wie alle Puppen der Künstlerin. „Der ist mit der Nagelschere vor dem Fernseher entstanden“, so Bongers.

Abseits der Bühne ist Andrea Bongers weder grummelig noch zickig, sondern nahbar und bodenständig. Ein Typ zum Pferdestehlen. Sie kann sich noch genau an ihre erste selbst gemachte Puppe erinnern. Da war sie zehn Jahre alt. „Sie entstand aus meinem Kommunionsstrumpf.“ Gebastelt hat sie schon damals gern. Mit 15 Jahren wollte sie sogar Malerin werden. „Meine Eltern waren anderer Meinung. ‚Nee, mach mal was Solides‘, sagten sie.“ Ein gemeinsamer Besuch bei der Berufsberatung Köln müdete in eine Lehre als Erzieherin. „Das habe ich noch durchgezogen, auch noch mein Fachabi gemacht. Aber dann war Schluss.“ Ein Leben als Pädagogin konnte sie sich nicht vorstellen.

Andrea Bongers zog aufs Land in die Nähe von München und arbeitete in einem Figurentheater mit. Eine schöne und lehrreiche Zeit. Aber das Landleben war auf Dauer nichts für die quirlige Künstlerin. In den 1980er-Jahren kam sie nach Hamburg und zog in eine Künstler-WG in Sasel und hatte bald erste Bühnenerfolge, als Mitglied von „Aprillfrisch – MäGäDäM Schwarz“. Die Shows mit Stefan Gwildis und Rolf Claussen wie „Wuttke II“ und „Piraten der Liebe“ im Schmidt Theater und auf Kampnagel erreichten Kultstatus. Die Programme waren frech, anarchisch und witzig. Andrea Bongers mittendrin. „Dabei wollte ich eigentlich nie lustig sein, aber es kam so.“ Das Publikum kam in Scharen, obwohl die Truppe anfangs niemand kannte. „Heute wäre das anders. Die Leute wollen nur noch Bekanntes.“ Namen, die sie aus dem Netz oder dem Fernsehen kennen.

Bongers spielt auch die Schnecke Finchen

Inzwischen ist Andrea Bongers längst als Solokünstlerin etabliert. Sie brachte die Hamburger zum Beispiel als „Prinzessin von Barmbek“ zum Lachen und zum Nachdenken. Und dass die Kabarettistin richtig anständig singen kann, bewies sie bis 2014 im Hamburger DamenLikörChor, für den sie auch die Texte schrieb. Im Fernsehen ist sie als Miss Izzy an der Seite der Komikerin und Moderatorin Mirja Boes in der Castingshow „Die Puppenstars“ auf RTL zu sehen. Außerdem gehört sie seit vielen Jahren zum Ensemble der Sesamstraße und spielt die Schnecke „Finchen“.

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Die Puppenspielerin liebt ihre Figuren und die Rollenwechsel, die sie ihr ermöglichen. Zum selbstbewussten Heinz haben sich im Laufe der Jahre die listige Stoffschlange und Sexualtherapeutin Sissi Snake gesellt sowie ein Schaf, das Andrea Bongers animalische Seite verkörpern soll und deshalb wohl auch mit überdimensional großen Hoden ausgestattet ist. Dann ist da noch der komische Vogel Dr. Richard von Holzofen, der seine Lehrerlaufbahn beenden musste und nun frustriert unter Schafen im Wendland lebt. Plus Manolo Panik, Typ bester Freund.

Ihr gesamtes skurriles Personal hat Andrea Bongers selbst gemacht. „Ich liebe das Basteln und Nähen.“ Manche der Figuren entstehen ganz schnell, wie Manolo Panik. „Der war nach einem halben Tag fertig.“ Andere, wie die Schlange, brauchen länger und haben eine besondere Geschichte: „Die wollte ich bauen, weil ich Angst vor Schlangen habe. Schon seit Kindertagen.“ Bongers kaufte dafür edle Stoffe, färbte und experimentierte. Das Ergebnis war unbefriedigend. „Am Ende brachte es eine Schlangenhose von Cavalli für einen Euro bei eBay.“

Die Themen für ihre Shows findet Andrea Bongers im Alltag: Erziehungswahn, Trennungsschmerz, Helikopter-Eltern, Bettgeschichten und das Älterwerden – was Frauen und Mütter eben im Alltag bewegt. Ihre Programme seien gesellschaftskritisch, aber nicht politisch, meint die Künstlerin. „Ich mag Themen, die real sind.“ Zum Beispiel, dass ihr Sohn ausgezogen ist, um zu studieren. Oder das Altern. „Damit muss man sich auseinandersetzen.“ Dazu hat sie inzwischen schon zwei Produktionen gemacht und ist zu einem positiven Schluss gekommen: „Ich habe das Gefühl, etwas zu bekommen, nämlich Gelassenheit.“ Um alle anderen Gefühle zu zeigen, hat sie ja auch Heinz, Manolo und Sissi.

Text: Sybille Arendt
Foto: Dmitrij Leltschuk

5. Hinz&Kunzt Kabarettgipfel – eine Benefizveranstaltung für Hinz&Kunzt: mit Andrea Bongers, Axel Pätz, Hans Scheibner, Sebastian Schnoy, Alma Hoppe und Bidla Buh; Alma Hoppes Lustspielhaus, Sonntag, 29. Mai, 14.30 Uhr, Tickets 22/18 Euro unter Telefon  555 6 555 6 oder Vvk@almahoppe.de.

Bis in die Puppen, Andrea Bongers Soloprogramm,
6. bis 9. Juli im Schmidtchen, Spielbudenplatz 27, Tickets 28/18 Euro unter Telefon 31 77 88 99 oder in Schmidt’s Tivoli.

 

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