Feuer bei unserem Kollegen : Jürgens Wohnung ist abgebrannt

Es brauchte keine Viertelstunde und die Wohnung von Hinz&Kunzt-Mitarbeiter Jürgen Jobsen war komplett ausgebrannt. Doch es gibt ein Happy End: Auch dank einer Spende konnte er wieder einziehen.

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Trübe Aussichten: Monatelang musste Jürgen in einer Monteurunterkunft leben.

Jürgen Jobsen wischt über die Arbeitsplatte seiner Küchenzeile. Die Platte ist nicht schmutzig, sie kann gar nicht schmutzig sein, denn sie ist gerade erst eingebaut worden. Aber Jürgen muss noch mal genau schauen, ob da nicht doch ­irgendwo ein Fleck ist, er bückt sich, er streicht noch mal mit den Händen über die Fläche – dann erst richtet er sich zufrieden auf. „Ist doch alles wieder schön geworden, oder?“, sagt er. Es riecht nach frischer Farbe, es riecht nach Kiefernholz. Er zeigt auf seine Küche: „Vier-Sterne-Kühlschrank, super Backofen.“

Jürgen Jobsen, unser Jürgen. Jürgen aus dem Vertrieb von Hinz&Kunzt, der neben vielem anderen für die Betreuung der neuen Verkäufer und Verkäuferinnen zuständig ist – und der selbst mal Verkäufer war. Der ihnen die Bedingungen erklärt, damit sie bei uns Verkäufer werden können; der ihnen die Spiel­regeln vermittelt. Der sie anschließend fotografiert, ihren Verkäuferausweis printet und der dann mit ihnen jeweils einzeln durch unsere Räume geht: „Ich möchte euch kurz einen neuen Verkäufer vorstellen“, wenn dieser Satz erklingt, dann hören wir kurz auf zu tippen und begrüßen den neuen Verkäufer, den Jürgen uns jetzt gleich vorstellt.

Es passiert in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember letzten Jahres. Jürgen wird um vier Uhr morgens in seiner kleinen Einzimmerwohnung im Komponistenviertel vom Geheule seines Rauchmelders wach. „Ich bin hochgekommen, hab nach links geschaut und sofort gesehen, dass der Fernseher brannte.“ Und mit dem Fernseher das Rollo, das darüber hing – ein Holzrollo, das entsprechend schnell Feuer fing. „Man will natürlich sofort löschen, aber ich bin nicht mehr ans Wasser gekommen.“ Zum Glück, denn nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich eine Schüssel Wasser in  heißen Wasserdampf verwandelt hätte. Wenn noch mehr Rauch in seine Lungen gekommen wäre, während er die Schüssel oder irgendeinen Putz­eimer am Wasserhahn langsam mit Wasser gefüllt hätte. Ihm bleibt nur fassungslos zu zuschauen, wie in kürzester Zeit sein Bett, sein Sessel, sein Hausrat, aber auch die mit Raufaser tapezierte Zim-merdecke lichterloh in Flammen steht. „Wenn du da stehst und alles brennt, das sieht völlig anders aus als im Film, wenn sie einen Brand darstellen.“ Jürgen sagt: „Feuer ist Kraft.“

Sein Nachbar ist so geistesgegenwärtig und hält ihn zurück, als er noch mal in die brennende Wohnung zurückwill, um irgendetwas zu retten – Kleidung, Unterlagen, seine Gitarre. Längst hat der Nachbar die anderen Nachbarn alarmiert und auch die Feuerwehr angerufen. „Man denkt in so einem Moment, dass es Stunden dauert, bis endlich Feuerwehr kommt, während es oben brennt und brennt, tatsächlich war die nach wenigen Augenblicken vor Ort.“

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Im Januar war Jürgens Wohnung noch unbewohnbar.

Schnell wird im ersten Stock der Brand gelöscht und anschließend alles aus den zerbrochenen Fenstern nach unten auf die Straße geworfen. „Das ist so üblich, hat man mir später erzählt“, sagt Jürgen, der in Shorts und Trainingsjacke nun vor den Resten seines Besitzes stand. Ohne nachzudenken hatte er noch im Flur seine Stiefel gegriffen, und so steht er nun wenigstens nicht barfuß draußen auf der Straße. „Ich hab in den Überresten noch einiges finden können, wie meine Monatskarte.“ Manches wird aber auch verschwinden. Sein Handy etwa. „Aber ich will nicht undankbar sein. Die Tatsache, dass ich noch da bin …“ Er schluckt: „Ich hätte auch weg sein können.“ Er kommt wegen einer leichten Rauchvergiftung kurz ins Krankenhaus – und wird dort sofort von unserem Geschäftsführer Jens Ade und unserem Sozial­arbeiter Stephan Karrenbauer besucht. „Das hat mir sehr geholfen, über den ersten Schock hinwegzukommen.“

Die Fachabteilung für Brandermittlungen übernimmt am nächsten Tag – routinemäßig. Sie wird feststellen, dass die Brandursache zweifelsfrei der Fernseher war: Er ist implodiert – einfach so. Darf eigentlich nicht vorkommen, aber kommt immer mal wieder vor.

Zum Glück fällt auch der Wasserschaden, der oft durch Löschwasser entsteht, sehr gering aus. Und zum Glück greift die Brandschutzversicherung seines Vermieters, die Carl-Töpfer-Stiftung, denn Jürgen als Mieter ist nicht versichert. „Ich habe mal Insolvenz anmelden müssen – danach hat mich keine Versicherung mehr genommen, ich habe es bei mehreren versucht.“

Vorher/Nachher

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Nach der Renovierung ist es in Jürgens Wohnung wieder gemütlich.

Er kommt in den nächsten Monaten in einer Monteurunterkunft in Farmsen unter, die ihm Hinz&Kunzt vermitteln kann. Hat so wenigstens ein festes Dach über dem Kopf, um zu verdauen, was eigentlich passiert ist. Zugleich greift die Hilfe, bekommt er von hier und da Kleidung, von Freunden und Kollegen – und kann schließlich die erste Waschmaschine befüllen. „Am Anfang stand ich ja alle zwei Tage am Waschbecken, damit ich was Sauberes zum Anziehen hatte.“

Währenddessen wird seine Wohnung von Grund auf saniert. Der ganze schwarzverruste Putz muss runter, die Fenster werden neu verglast. „Ich kann nur sagen – ich habe einen klasse Vermieter.“ Was ihn sehr gefreut hat: als ihn die Hausverwaltung anrief und fragte, ob er einverstanden sei, wenn sie Laminat verlegen würden. „Das hätten sie nicht machen müssen. Ich hab die Wohnung ja ohne Fußbodenbelag gemietet.“

Und zuletzt bekam er neue Möbel – dank einer Spende. Stundenlang lief er durch IKEA, schaute, überlegte und entschied sich dann. Und was ihn auch begeistert: „Ich musste nicht eine einzige Schraube selbst reindrehen – das hat alles unser Markus, der Hausmeister bei Hinz&Kunzt, für mich gemacht.“

„Klar sind auch schöne Sachen weggekommen, aber da muss man aufhören, drüber zu trauern“, sagt er. Denn wenn er jetzt in sein altes neues Zuhause kommt, dann freut es ihn besonders, dass alles wie aus einem Guss ist; dass nichts Provisorisches mehr herumsteht. Und was noch an Kleinigkeiten fehlt, wird er nach und nach besorgen. Wie  hat es ein Kollege neulich ausgedrückt: „Mein lieber Jürgen – jetzt macht Shoppen wieder Sinn!“ Jürgen grinst: „Da hat er nicht ganz unrecht.“

Text: Frank Keil
Fotos: Mauricio Bustamante

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