Nach dem Winternotprogramm : Jetzt kommen die Touristen

Fördern&wohnen hält an den Plänen fest, in den Wohncontainern des Winternotprogramms über den Sommer ein Hostel für Touristen zu genehmigen. Lediglich die Details müssten noch ausgehandelt werden. Im Winter war hier Platz für 250 Obdachlose.

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250 Obdachlose schliefen bis vor kurzem in den Wohncontainern am Grünen Deich. Ob hier bald Touristen einziehen?

Die Empörung auf unserer Facebook-Seite war groß: „Unmöglich!!!“ schimpfte zum Beispiel unsere Leserin Heidi Borowsky. „Da fehlen einem die Worte“, schrieb Ulrike Dührkop. Das Vorhaben des städtischen Unterkunftsbetreibers fördern&wohnen (f&w) sorgte für Kopfschütteln: Eine Woche nach dem Ende des Winternotprogramms hatten wir bekannt gemacht, dass f&w in den Wohncontainern am Grünen Deich auch in den Sommermonaten Betten zur Verfügung stellen will – nicht mehr für Obdachlose, sondern für Touristen. Die Verhandlungen mit einem möglichen Hostelbetreiber liefen nach Informationen von Hinz&Kunzt bereits.

Zunächst wiegelte die Stadt ab: „Es werde keine Vermietung an Touristen geben“, zitierte die Hamburger Morgenpost in ihrer Freitagsausgabe einen Sprecher. Doch f&w hält nach wie vor an den Plänen fest, das Gelände dem früheren Pächter in den Sommermonaten für die Nutzung als Backpacker-Hostel zu überlassen. „Die Details werden derzeit besprochen“, bestätigte uns Unternehmenssprecherin Christiane Schröder am Freitag.

Unverständnis in der Bürgerschaft

Hinz&Kunzt hatte gefordert, die Wohncontainer auch in den Sommermonaten für Obdachlose zur Verfügung zu stellen, die in der vergangenen Woche wieder auf die Straße gesetzt worden waren. Schließlich hatten SPD und Grüne erst am Mittwoch in ihrem Koalitionsvertrag ein „Sofortprogramm“ für Wohnungssuchende angekündigt.

Zumindest die Grünen unterstützen diese Forderung: „Wenn es Spielraum gibt, hier über eine Vergabe an Wohnungslose auch über den Sommer nachzudenken, würden wir das für sinnvoll halten“, sagte deren Bürgerschaftsabgeordnete Antje Möller zu Hinz&Kunzt. Laut der SPD-Abgeordneten Ksenja Bekeris wird derzeit geprüft, inwieweit Standorte des Winternotprogramms in den Sommermonaten möglicherweise anderweitig verwendet werden können. „Wir werden alle Möglichkeiten nutzen, um die öffentliche Unterbringung weiter auszubauen“, versprach sie auf Hinz&Kunzt Nachfrage.

Auch auf den Oppositionsbänken gibt es wenig Verständnis für die Pläne von fördern&wohnen. „Angesichts der Tatsache, wie viele Menschen in Hamburg ein Dach über dem Kopf brauchen, wäre es an Zynismus kaum zu überbieten, dort ein Hostel zu eröffnen“, sagte die CDU-Sozialpolitikerin Franziska Grunwaldt im Gespräch mit Hinz&Kunzt. „Die Flächen, die wir für die öffentliche Unterbringung zur Verfügung haben, sollten wir angesichts der angespannten Lage auch nutzen.“

Zusage für Hostelbetrieb bereits erteilt

Doch f&w hat dem Unternehmer, der das Hostel betreiben möchte, bereits Versprechungen gemacht. Hintergrund sind die Vertragsverhandlungen über die Fläche, auf der das Winternotprogramm eingerichtet war. Der vorherige Pächter hätte sie eigentlich bis zum Jahreswechsel nutzen dürfen. Dafür, dass er sie rechtzeitig zur Verfügung stellte, um das Winternotprogramm zu eröffnen, kam f&w ihm entgegen: Die Einrichtung eines Hostels in den Sommermonaten wurde zugesagt.

Grünes Licht für den Betrieb eines Hostels müsste nach den Verhandlungen zwischen dem Betreiber und f&w noch das Bezirksamt Mitte geben. Die Entscheidung würde anhand baurechtlicher Kriterien getroffen werden, sagte eine Sprecherin zu Hinz&Kunzt: „Wir haben da wenig Spielraum, aber das würde mit Sicherheit einige Wochen dauern.“

Text: Benjamin Laufer
Foto: Jonas Walzberg

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