Jobs für Langzeitarbeitslose : Ist Hamburg Schlusslicht bei der Förderung?

Einer von 383: Olaf Stalf hat durch das Teilhabechancengesetz einen festen Job bei der Stadtreinigung bekommen. Foto: Mauricio Bustamante

Gut sieben Monate nach Einführung des Teilhabechancengesetzes schlägt die Linksfraktion Alarm: In keinem Bundesland seien so wenig Jobs für Langzeitarbeitslose entstanden wie in Hamburg. Das Jobcenter widerspricht.

In dem Newsletter informieren wir Sie rund um Sozialpolitik, Hamburg-Themen und Kultur.

Abmeldung über den Link in der Fußzeile unserer E-Mails. Infos zum Datenschutz.

Hamburg ist Schlusslicht beim sozialen Arbeitsmarkt: Diesen Vorwurf erhebt die Linksfraktion in der Bürgerschaft mit Bezug auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach sind mithilfe des neuen Teilhabechancengesetzes erst 383 Jobs für Langzeitarbeitslose in der Stadt geschaffen worden. Andere Bundesländer stehen deutlich besser da: So hat zum Beispiel Thüringen bereits 1317 Arbeitsplätze durch das neue Programm geschaffen. „Warum schafft Thüringen es, bei vergleichbaren Eckdaten des Arbeitsmarkts bereits jetzt über 1000 Teilhabestellen zu haben!?“, fragt deshalb Carola Ensslen, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft und fordert: „Der Senat müsste deutlich mehr Geld in die Hand nehmen.“

In der August-Ausgabe

Einen ausführlichen Beitrag über die neuen Förderungen für Langzeitarbeitslose und die Kritik von Sozialbetrieben lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe. Zum Inhalt.

Dirk Heyden, Geschäftsführer des Jobcenters Hamburg, weist die Kritik gegenüber Hinz&Kunzt zurück: Aufgrund der „erheblichen Strukturunterschiede“ sei ein Vergleich zwischen einem Flächenland wie Thüringen und einem Stadtstaat wie Hamburg „nicht sinnvoll“. Zudem seien die von der Linken angeführten Zahlen „unvollständig“, denn es gebe in Hamburg noch andere ähnliche Förderprogramme: 227 ehemals Langzeitarbeitslose in Hamburg würden vom Modell Förderung von Arbeitsverhältnissen (FAV) profitieren, 298 vom Sonderprogramm STAFFEL. Somit gingen in der Hansestadt insgesamt 886 vormals Langzeitarbeitslose geförderter sozialversicherungspflichtiger Arbeit nach.

In anderen Bundesländern, so Heyden, würden die beiden Programme „nicht oder nicht in diesem Umfang“ genutzt. Tatsächlich werden in Thüringen nur 86 Langzeitarbeitslose über FAV gefördert, STAFFEL-Stellen gibt es dort nicht. Beide Programme laufen jedoch zum Jahresende aus, weshalb Hamburger Sozialbetriebe mehr Engagement von Jobcenter und Senat fordern. Heyden erklärte, sein Ziel seien 600 mithilfe des neuen Gesetzes geförderte Jobs bis Ende diesen Jahres und weitere 400 in 2020.

Über den Autor
Ulrich Jonas
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.