INSP-Verkäuferwoche : Horacio, Buenos Aires

In der Verkäuferwoche des internationalen Straßenzeitungsnetzwerk INSP stellen wir täglich einen Verkäufer vor. Heute erzählt Horacio von der südamerikanischen „Hecho en Buenos Aires“, was er am Verkaufen schätzt: „Ich möchte den Leuten zeigen, dass ich hier mit Würde arbeite.“

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Horacio, Verkäufer von Hecho en Buenos Aires: „Ich möchte nicht, dass sich jemand dazu verpflichtet fühlt, das Magazin zu kaufen – aber ich möchte den Leuten zeigen, dass ich hier mit Würde arbeite.“

Ich verkaufe ,Hecho en Buenos Aires‘ (HBA) schon seit mehr als drei Jahren. Ich bin über einen Freund dazugekommen, der Probleme hatte und ermutigt worden war, an einem der Kunstworkshops von HBA teilzunehmen. Ich wusste damals nicht, dass es das Magazin überhaupt gab – aber sie fragten mich, ob ich mitmachen wollte, und ich hatte wegen meiner Gesundheitsprobleme schon lange nicht mehr gearbeitet. Bevor ich anfing, HBA zu verkaufen, hatte ich in einer Näherei gearbeitet. Dort musste ich viel sitzen!

Jetzt fühle ich mich super. Die Straße hat ihren Charme – immer kommen Menschen zu mir, um sich zu unterhalten… Ich möchte nicht, dass sich jemand dazu verpflichtet fühlt, das Magazin zu kaufen – aber ich möchte den Leuten zeigen, dass ich hier mit Würde arbeite. Ein paar Leute kaufen die Zeitung sobald sie erscheint – so sind meine Kunden! Ich denke, dass es auch einige gibt, die das Magazin nur kaufen, weil ich obdachlos bin – aber es gibt auch viele Menschen, die sich einfach für das jeweilige Thema auf dem Cover interessieren. Und wie immer gibt es auch solche, die nicht ganz richtig im Kopf sind und Witze darüber machen, dass eine Ausgabe 15 Pesos kostet – aber, glaubt es oder nicht, mit diesem Geld kann man heute gerade mal zwei kleine Flaschen Milch kaufen!

INSP Verkäuferwoche

In der Verkäuferwoche des internationalen Straßenzeitungsnetzwerks INSP stellen wir jede Woche einen Verkäufer aus einem anderen Land vor. Hier geht’s zu den anderen Portraits.
Ich bin überzeugt, dass HBA, weil es eine gute Qualität hat, genau das richtige Magazin ist, um es beim Mittagessen zu lesen. Du hast immer die, die die Zeitung regelmäßig lesen, und dann kommt wieder jemand zum ersten Mal vorbei, und du nimmst ihn für dich ein – weil er dich mag; weil er mag, was du sagst; oder weil du ihm Aufmerksamkeit schenkst. So etwas merken die Leute immer. Das menschliche Auge wurde schließlich geschaffen, um zu sehen, stimmt’s?!

Mein Leben hat sich verändert, seit ich mit HBA zusammenarbeite. Ich kann jetzt teilweise mein eigenes Geld verwalten. Das ändert vieles, weil ich jetzt damit anfangen kann, verschiedene Dinge zu regeln. Dein eigenes Geld zu managen erlaubt dir viel mehr Freiheiten.

Ich hätte gern eine eigene Wohnung, einen Ort, wo ich mich entspannen und am Abend ausruhen kann. Wenn ich fest daran glaube, werde ich das auch schaffen. Außerdem bin ich immer noch Single, und ich hätte gern eine Familie. Mit der Zeit werde ich das alles haben. Noch ein Wort an die Leser: Wir brauchen sie so sehr, genau so wie sie auch uns brauchen. Halten wir die Maschine am Laufen, und wenn dazu mehr Öl nötig sein sollte, fügen wir doch etwas hinzu… kauft weiter unsere Magazine! Meine besten Wünsche für die, die sie kaufen – und auch für die, die sie verkaufen!

Protokoll: Andrea Lambertucci
Foto: Félix Busso

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