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Lasst bitte nicht noch mehr ertrinken!

Auf dem Titel und in unserer August-Ausgabe steht ein Appell: Lass bitte nicht noch mehr ertrinken!  Wir haben über die Notwendigkeit der Seenotrettung gesprochen: mit dem Seemannsdiakon Fiete Sturm, mit Bischöfin Kirsten Fehrs und mit Ralf Nagel, dem Chef des Verbands deutscher Reeder.  

Im Mittelmeer ertrinken Menschen, weil europäische Regierungen private Seenotrettung blockieren. Da wird richtig eine moralische Grenze überschritten. So sehr, dass wir die Rettung von Flüchtlingen zum Titelthema machen. Wir haben mit einem Seemannsdiakon und dem Verband Deutscher Reeder gesprochen. Für sie ist – wie auch für uns – Seenotrettung selbstverständlich. Aus guten Gründen.

Zum Glück hat die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs dazu auch klar Position bezogen: „Es ist ein Gebot der Humanität und der Nächstenliebe, diese Männer, Frauen und Kinder nicht ihrem Elend zu überlassen“, sagte sie, als dem Kapitän der Lifeline verboten wurde, mit geretteten Flüchtlingen an Bord in einem italienischen Hafen anzulegen und weiter Menschenleben zu retten.

Deswegen habe ich mich mit Kirsten Fehrs in der Bischofskanzlei getroffen. „Gerade wir in Hamburg wissen doch um die Gefahren des Meeres“, hat sie gesagt. Seenotrettung sei für uns nicht nur Völkerrecht, „sondern auch Herzensangelegenheit. Egal ob wir religiös sind oder nicht – das gehört quasi zu unserer DNA.“

Das Sterben von Tausenden von Menschen vor unseren Augen, „das hält man doch nicht aus!“, sagt sie. So gehe es vielen Menschen. „Einige haben deshalb gesagt: ‚Ich will selbst vor Ort den Menschen helfen.‘“ Diese privaten Seenotretter jetzt zu kriminalisieren, „das geht gar nicht“, findet Kirsten Fehrs.

Politisch setzt sie sich für die gerechte Verteilung von Flüchtlingen innerhalb Europas ein. Man dürfe nicht alles Italien, Malta, Spanien und Griechenland überlassen. „Auch Länder, die keine EU-Außengrenzen haben und deshalb in einer Komfortzone leben, müssen mehr Verantwortung übernehmen. Das wird uns als EU schon nicht ans Hungertuch bringen, wenn die Verantwortung geteilt wird.“

Damit spricht sie mir aus dem Herzen

Ihre Birgit Müller, Chefredakteurin
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