Hamburger zahlen zu viel Miete

Ein Jahr nach der Einführung der Mietpreisbremse zieht der Mieterverein zu Hamburg eine ernüchternde Bilanz: Fast jede zweite Wohnung wird weiterhin überteuert angeboten. Deswegen sollten Neumieter dringend ihre Miethöhe überprüfen.

Wohnungssuche
Trotz Mietpreisbremse müssen Wohnungssuchende nach wie vor viel Geld mitbringen.

Weil viele Vermieter die Mietpreisbremse ignorieren, ist nach Auffassung des Mietervereins zu Hamburg den Hamburger Mietern ein Schaden von rund 20 Millionen Euro entstanden. „Wir fordern alle Mieter, die nach dem 1. Juli 2015 einen Mietvertrag unterschrieben haben, dazu auf, die vereinbarte Miethöhe zu überprüfen“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mieterverein zu Hamburg. „Nur dadurch können Mieter sicherstellen, dass weitere Schäden vermieden und die überhöhten und unzulässigen Mieten bei dem Mietenspiegel 2017 keine Berücksichtigung finden.“

Seit der Einführung im Juli 2015 dürfen Vermieter bei Neuvermietungen die Mieten den Mietenspiegel nicht mehr als zehn Prozent übersteigen. Doch Vermietern drohen keinerlei Konsequenzen, wenn sie sich nicht daran halten. Wohl auch deswegen hätten im vergangenen Jahr Vermieter bei etwa 20.000 Neuvermietungen überteuert Mieten gefordert, schätzt der Mieterverein. Durchschnittlich sei die Grenze um etwa 1,20 Euro pro Quadratmeter überschritten worden. Hochgerechnet hätten Mieter dadurch etwa 20 Millionen Euro zu viel bezahlt. Diese Annahme wird von einer Studie des Gymnasiums Ohmoor gestützt. Demnach beträgt die aktuelle Neuvermietungsmiete 12,45 Euro pro Quadratmeter. Das wären nicht etwa zehn Prozent, sondern gut 55 Prozent über der durchschnittlichen Miete des Hamburger Mietenspiegels von 8,02 Euro.

Mieter können sich gegen überteuerte Mieten wehren. Dazu müssen sie nach Abschluss eines Mietvertrags beim Vermieter eine Rüge einreichen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Miete zu hoch ist. Erst ab diesem Zeitpunkt können sie auf Rückzahlungen hoffen. Deswegen ruft der Mieterverein die Hamburger zum Handeln auf. Auf der Homepage des Mietervereins können die Hamburger mit einem kostenlosen Mietpreis-Check überprüfen, ob sie zu viel zahlen.

Darüber hinaus fordert der Mieterverein zu Hamburg eine Überarbeitung des Gesetzes. Vermieter müssten dazu angehalten werden, die Gründe für hohe Mieten darzulegen und Rückzahlung von unrechtmäßig überteuerten Mieten müssten ab dem Zeitpunkt der ersten Mietzahlung erfolgen. Die Bundesländer Berlin und Nordrhein-Westfalen hatten darüber hinaus eine Bundesratsinitiative gestartet, die eine Verschärfung der Mietpreisbremse vorsieht. Dieser Initiative solle sich Hamburg anschließen, fordert der Mieterverein zu Hamburg.

Text: Jonas Füllner
Foto: Actionpress/Frank Peters

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