Arbeitsmarkt : DGB fordert Minijob-Beratungsstelle

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger. Foto: Peter Bisping

Minijobber verdienen oft schlecht, sind von Altersarmut bedroht und ihnen werden häufig Arbeitnehmerrechte verwehrt: Das dokumentiert ein neuer Report des Hamburger DGB. Dessen Vorsitzende Katja Karger fordert eine neue Beratungsstelle für Beschäftigte und Betriebe.

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„Ein großer Teil der Minijobbenden hat von Rechten, Pflichten und Folgen dieser Beschäftigungsform keine Ahnung“, sagt Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger bei der Vorstellung des „Minijob-Report Hamburg“. So würden viele geringfügig Beschäftigte nicht wahrnehmen, dass ihnen Altersarmut droht. Auch Arbeitgeber gingen oft von falschen Voraussetzungen aus: „Viele wissen nicht, dass sie mit sozialversicherungspflichtiger Teilzeitbeschäftigung besser wegkommen“, so Karger.

Weil die Unkenntnis auf beiden Seiten verbreitet sei, sieht die DGB-Chefin den Senat in der Pflicht zu handeln: „Wir brauchen in Hamburg eine neue Beratungsstelle für Betriebe und Minijobbende.“

„Da verwundert das Gejammer der Arbeitgeber, dass sie keine Fachkräfte finden.“– Katja Karger

Laut Report arbeiten rund 177.000 Hamburger als Minijobber – 48 Prozent mehr als 2003. Die Mehrzahl der Betroffenen ist weiblich. Rund 60 Prozent verfügen über kein anderes Einkommen, zwei Drittel davon sind im klassischen Erwerbsalter zwischen 25 bis 64 Jahren. Bemerkenswert ist auch: 40 Prozent aller Minijobber in Hamburg haben mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung, zehn Prozent sind sogar Akademiker. DGB-Chefin Karger: „Da verwundert das Gejammer der Arbeitgeber, dass sie keine Fachkräfte finden.“

Minijobber verdienen oft weniger als den Mindestlohn

Viele Zahlen aus dem Report sind nicht neu, erstaunen aber immer wieder. So bekamen 2015 zwei von fünf Minijobbern weniger als 7,50 Euro die Stunde bezahlt – und verdienten damit nicht mal den gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn von damals 8,50 Euro. Zudem, so die DGB-Chefin, bekommen geringfügig Beschäftigte oft „klassische Arbeitnehmerrechte“ wie Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verwehrt: „Da muss dringend etwas passieren.“

Minijobs sollten ab dem ersten Euro in die Sozialversicherung einbezogen werden, fordert Karger. Die individuelle Entscheidung für „450 Euro bar auf die Kralle“ sei verständlich. „Doch wird das spätestens dann ein Thema für die Gesellschaft, wenn die Betroffenen später Grundsicherung beantragen werden müssen, weil die Rentenansprüche nicht ausreichen.“

Über den Autor
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

1 Kommentar zu “DGB fordert Minijob-Beratungsstelle

  1. Midestlohn-Minijobs, alles für in die Altersarmut, das weiß man doch schon vorher. Denn wer rechnen kann, weiß dass es bei der Rente, die man dann bekommt, hinten und vorne nicht reicht, so wie bei mir. Auch wenn ich nie einen Job hatte, wo das Geld nicht reichte. Dies kam erst dann, als ich Aufstocker war, weil eine Firma meinen Lohn nicht erhöhen wollte, als ich darauf aufmerksam machte, das ich zu wenig verdiene. Nun kommt es, wie es kommen muß, ich muß mich beim Grundsicherungsamt ausziehen, weil meine Rente nur 522,- € beträgt. Das heißt, schon wieder Aufstocker sein. Das mich dies nicht glücklich macht, muß nicht jeder verstehen. Aber ich habe es satt, meine Vergangenheit darzulegen, nur da mit das Grundsicherungsamt begreift, das ich nicht vor Geld strotze. Es ist schlimmer geworden, als beim JobCenter, da mußte ich mich nie ausziehen !! Wir sollten alle dafür kämpfen, das das Grundeinkommen endlich kommt, dann muß auch keiner mehr von Altersarmut reden.

    Weiterhin verstehe ich den DGB nicht, das die jetzt erst drauf kommen, das die Minijobber über den Tisch gezogen werden. Mindestlohn sollte der DGB auch mal bekämpfen, weil wir wissen, über 12,00 € die Stunde müssen es schon sein, wenn man nicht in die Altersarmut fallen möchte. Aber man hat hier viel zu lange die Füße still gehalten, so wie die Politik auch !!

    Denn die meint es ja nur gut mit uns, und gaukelt uns seit 12 Jahren nur etwas vor, was sie selbst nicht beseitigen wollen, oder können. Die sich kaputt gearbeitet haben, werden noch bestraft vom Gesetzgeber, das dies so nicht geht wissen viele, aber es tut keiner etwas da gegen. Vielleicht ist das ein kleiner Schritt nach vorn, wir werden es im Auge behalten.

    Erich Heeder – HINZ&KUNZT VERKÄUFER – seit mehr als 25 Jahren im DGB

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