Momentaufnahme : Ein Job wäre die Lösung

Zuhause in Rumänien hatte GEORGE keine Aussicht, seine Familie zu ernähren. Inzwischen ist er ein beliebter Verkäufer vor dem Edeka-Markt in Lüneburg-Oedeme.

Bevor George (22) Hinz&Kunzt in Lüneburg verkaufte und sich ein Zimmer leisten konnte, übernachtete er ein Jahr lang in einem Auto – mit seiner Frau und seinem kleinen Kind.

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George ist angekommen. Zumindest an seinem Verkaufsplatz vor dem Edeka-Markt in Lüneburg-Oedeme. Oft bleiben die Kunden stehen, wenn sie bei dem Hinz&Künztler das Straßenmagazin kaufen, und wechseln ein paar Worte.

„Die Menschen sind sehr freundlich zu mir“, sagt der 22-Jährige. An Weihnachten bekam George sogar Blumen geschenkt und ein Kleid für die ältere Tochter. Er dankt es mit dem, was er hat: seinem charmanten Lächeln.

Zwei Jahre ist es her, dass sich George und seine Frau auf die Suche gemacht haben nach einer besseren Zukunft. Arbeit gab es keine in dem Dorf im Nordwesten Rumäniens, in dem sie lebten, und die Eltern sagten: „Wir können dich nicht mehr unterstützen.“

Die Menschen sind freundlich zu mir– George

Das junge Paar verschlug es nach Hamburg. Ein ganzes Jahr lang schliefen sie mit der damals zweijährigen Tochter im Auto. „Wir hatten keine andere Möglichkeit“, sagt George mit leiser Stimme. Einmal pro Woche konnten sie bei einem Landsmann duschen. Lebensmittel bezahlten sie mit dem wenigen Geld, das sie sich mit dem Sammeln von Pfandflaschen verdienten.

Endlich eine eigenes Zimmer – wenn auch eng

Eines Tages erzählte ein Freund George von Hinz&Kunzt. Mit dem Geld, das er nun mit dem Verkauf des Straßenmagazins verdiente, konnte der junge Familienvater endlich ein Zimmer mieten. Küche, Bad und Waschmaschine teilen sie sich mit zwei weiteren Familien, mit denen sie in der Dreizimmer-Wohnung zusammenleben. Klar ist das eng. Aber zumindest ist es trocken, und die Heizung funktioniert.

Ich würde gerne die Sprache lernen– George

Seitdem vor drei Monaten die zweite Tochter auf die Welt kam, leben sie zu viert auf wenigen Quadratmetern. „Was soll ich machen?“, fragt George. Ohne Job bekomme er keine eigene Wohnung und ohne besseres Deutsch keinen Job: „Ich würde gerne die Sprache lernen“, sagt er. Aber wann? George muss Geld verdienen, viel Geld. Seiner Frau geht es nicht gut, sie leidet an einer Krankheit des Immunsystems und braucht teure Medikamente.

Medizinische Hilfe
Praxis ohne Grenzen
Unerträglich findet Dr. Peter Ostendorf die Situation von Menschen ohne Krankenversicherung. In seiner neuen Praxis helfen er und andere Hamburger Ärzte Kranken unbürokratisch – und fragen niemanden, wer er ist, woher er kommt oder ob er da sein darf. (aus Hinz&Kunzt 256/Juni 2014)

Eine Krankenversicherung haben die beiden jedoch nicht. Meist hilft ihnen die „Praxis ohne Grenzen“ mit Medizin aus. Sie kümmert sich um Menschen ohne Absicherung wie George und seine Familie. Vor zwei Monaten musste dann auch noch die jüngere Tochter ins Krankenhaus: Verdacht auf Keuchhusten.

Die Ärzte haben bei der Entlassung gesagt, dass die Tochter wieder gesund ist. Doch George macht sich große Sorgen: Manchmal bekomme sie abends kaum Luft, erzählt er, hustet nachts viel. Sie müssen also wieder zum Arzt: „Es ist hart manchmal.“

Ein Job, irgendein Job wäre die Lösung, meint George. In seiner Heimat hat er schon im Gartenbau gearbeitet. „Ich mache aber alles“, sagt er. Bis dahin wird er weiter von früh bis spät Hinz&Kunzt verkaufen – und lächeln.

Übersetzung: Christina Stanculescu

Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Über den Autor
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

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