Sprechstunde bei Hinz&Kunzt : Gebrauchte Brillen für Obdachlose

Das Projekt „Mehrblick“ sammelt alte Brillen und stattet damit Obdachlose aus. Bei einer ersten Sprechstunde überprüfte Optiker Holger Weiss die Sehstärke von 21 Hinz&Künztlern. Fast alle erhielten anschließend eine kostenlose Brille.

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Hinz&Künztler Piotr lebte die vergangenen Monate ohne Lesebrille. Jetzt endlich kann er wieder richtig lesen.

Endlich wieder ohne Probleme lesen. Für zahlreiche Hinz&Künztler wurde dieser Wunsch am Freitag Wirklichkeit. Denn bei der ersten Optiker-Sprechstunde in unseren Verlagsräumen erhielten sie eine Brille in genau ihrer Sehstärke.

Die Sprechstunde hatte das Projekt Mehrblick angeboten. Initiatorin Christiane Faude-Großmann will arme Menschen mit kostenlosen Brillen versorgen. Denn Obdachlosen fehlt teilweise sogar das Geld für eine einfache Lesebrille. Außerdem kennen viele nicht mehr ihre aktuellen Dioptrienwerte.

Deswegen überprüfte Augenoptiker-Meister Holger Weiss bei der Brillensprechstunde fachmännisch Sehstärke und Hornhautverkrümmungen. Anschließend händigte er die entsprechenden Brillen den Hinz&Künztlern aus. Das war möglich, weil Initiatorin Faude-Großmann mit der Unterstützung durch Optiker und Schulen in den vergangenen Wochen mehr als 100 Brillen gesammelt hatte. In weiteren Brillen-Sprechstunden in anderen Obdachloseneinrichtungen sollen diese jetzt an Obdachlose übergeben werden.

„Jetzt sehe ich wieder alles scharf“, freut sich Hinz&Künztler Fred über seine neue Lesebrille. „Mit meiner alten Lesebrille musste ich die Arme immer ganz weit ausstrecken, wenn ich Zeitung lesen wollte.“ Der ehemaligen Diakonie-Mitarbeiterin Christiane Faude-Großmann sind die Sorgen der Wohnungslosen vertraut. „Ich weiß aber eben auch, wie schwierig das Leben ohne Brille ist“, sagt Faude-Großmann, die selbst eine Brille trägt. Arme Menschen würden durch ihre Sehschwierigkeiten doppelt ausgegrenzt. So seien Informationen oder Antragsformulare für die Betroffenen oft nicht mehr lesbar.

Brillenspende

Sie wollen Ihre Brille spenden, damit ein Obdachloser wieder besser sehen kann? Dann wenden Sie sich an Christiane Faude-Großmann: gebrauchtebrillen.hamburg@gmail.com.
Der Andrang bei der ersten Brillen-Sprechstunde war so groß, dass Projekt-Initiatorin Faude-Großmann und Optiker Weiss deutlich länger Sehtests durchführten als angedacht. Insgesamt wurden 21 Hinz&Künztler beraten. Nur für drei von ihnen hatte Optiker Weiss keine passenden Gläser zur Hand. „Aber da werden wir in den kommenden Wochen noch eine Lösung finden“, zeigt sich der Optiker optimistisch. Er will sich gezielt bei Kollegen umhören, die alte Brillen sammeln und zur Verfügung stellen könnten.

Um weiteren Obdachlosen helfen zu können, geht die Spendensammlung für das Projekt Mehrblick weiter. Unterstützung erfährt das Projekt auch aus der Augenoptiker-Innung. Wer mehrere Brillen abgeben will, kann sich gerne an Christiane Faude-Großmann wenden: gebrauchtebrillen.hamburg@gmail.com.

Text: Jonas Füllner
Foto: Mauricio Bustamante

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