Rahlstedt : Gänseessen für Hinz&Künztler

Entspannte Gast­geber*innen: Cornelia Zander-Olofsson und Jörg Dwenger. Foto: Mauricio Bustamante

In Rahlstedt engagieren sich Unternehmer*innen in einem Netzwerk für soziale und kulturelle Projekte. Vor Weihnachten luden sie zum ersten Mal Hinz&Kunzt-Verkäufer*innen zum Gänseessen ein. Der Abend gefiel allen Beteiligten so gut, dass sie daraus eine Tradition machen wollen.

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Auf den letzten Metern kriegt Organisatorin Cornelia Zander-Olofsson ein bisschen Bammel: Wie viele Hinz&Künztler*innen werden wohl zum Gänseessen des Rahlstedter Netzes kommen? 23 Verkäufer*innen haben sich schließlich ins Gewerbegebiet im Hamburger Nordosten aufgemacht. Nicht zu viele und nicht zu wenige. Die Netzwerk-Mitglieder haben sich flotte Schürzen umgebunden und tischen im geschmückten Veranstaltungssaal beim Partyservice Dwenger ordentlich auf. Bei Gänsekeulen in Festtagssoße, Rotkohl, Kartoffelklößen und einer Schwarzwälder Kirschmousse zum Abschluss kommt man schnell miteinander ins Gespräch.

„Warum machst du das für uns?“, fragt Hinz&Künztler Dieter Gastgeber Jörg Dwenger gleich zur Begrüßung. „Wir möchten, dass ihr ein paar schöne Stunden erlebt, in denen ihr den Alltag mal hinter euch lassen könnt“, erwidert der 52-Jährige. Für den Geschäftsführer des Familienunternehmens ist es eine Selbstverständlichkeit, sich sozial zu engagieren. „Etwas Sinnvolles für Menschen zu tun, die im Leben nicht so viel Glück haben, das hat schon mein Vater gemacht – und wir führen das weiter.“

Auf den ersten Blick sind Armut und Obdachlosigkeit im beschaulichen, ­grünen Rahlstedt ziemlich weit weg. Aber: „Auch hier gibt es Bedürftige. ­Soziale Brennpunkte wie Großlohe oder Hohenhorst liegen gleich in der Nachbarschaft“, korrigiert Cornelia Zander-Olofsson, erste Vorsitzende des Rahl­stedter Netzes, diesen Eindruck. Vor drei Jahren gründete sich der Zusammenschluss von Unternehmer*innen der Region, die sich in der Umgebung engagieren. Im vergangenen Jahr setzten die Netzwerker*innen das Thema Obdachlosigkeit auf ihre Charity-Agenda. „Es sind kalte Zeiten, in denen viele nur den eigenen Profit sehen“, findet Zander-Olofsson. „Wir wollen Obdachlosen zeigen: Es gibt Menschen, die sehen euch.“

Nach dem Essen werden die ersten Gäste unruhig, wollen zurück in die Stadt. Hinz&Künztler Jan fragt noch schnell beim Koch nach dem Rezept für den Rotkohl, „der war so lecker!“. Die Amateur-Kellner*innen des Rahl­stedter Netzes legen die Schürzen ab, werden zu Taxifahrer*innen: Und fahren die Hinz&Künztler*innen nach und nach zurück zum Rahlstedter Bahnhof. Nicht jede*r von ihnen hat ­einen Schlafplatz für die Nacht.

„Das mit den schönen Stunden hat geklappt“, sagt Dieter beim Abschied zu Jörg Dwenger. Der findet: „Das nächste Gänseessen ist gesetzt.“ Die Begegnung mit den Hinz&Künztler*innen hat die beiden Unternehmer*innen sehr bewegt. „Es berührt mich sehr, dass nicht jeder heute Abend weiß, wo er schlafen wird“, sagt Cornelia Zander-Olofsson. Nun überlegt die ­Geschäftsführerin des Werbedruck­unternehmens Copyfuchs, wie sie als Unternehmer*innen Einfluss nehmen können, damit sich etwas ändert: „Wir haben alle eine Verantwortung.“

Und dann erzählt sie von ihrer jüdischen Großmutter, die während des Nationalsozialismus im KZ war und trotzdem nie aufgehört hat, anderen Menschen zu helfen. Was sie von ihr gelernt hat, gilt heute noch: „Helfen ist eine Frage von Anstand.“ Den Satz ­hätte Jörg Dwengers Vater wohl auch unterschrieben.

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