Finding Places : Bürger suchen jetzt Flächen für Flüchtlingsunterkünfte

Mit dem interaktiven Stadtmodell „Finding Places“ starten Hafencity Universität (HCU) und Senat ein Beteiligungsverfahren für den Wohnungsbau für Flüchtlinge. In 42 Workshops können sich Hamburger an der Suche nach geeigneten Flächen beteiligen.

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Professorin Gesa Ziemer (links im Bild) präsentiert das interaktive Stadtmodell „Finding Places“.

In den kommenden Wochen können sich interessierte Hamburger auf die Suche nach geeigneten Flächen für den Wohnungsbau für Flüchtlinge begeben. Am Mittwoch präsentierten HCU-Professorin Gesa Ziemer und Kent Larson vom Massachusetts Institut of Technology das neue Beteiligungsverfahren der Öffentlichkeit. Mit Hilfe einer einzigartigen Computersimulation werden in Workshops Stadtteil für Stadtteil mögliche städtische Flächenpotentiale überprüft und gemeinsam neue Vorschläge für den Wohnungsbau ausgearbeitet. Das Besondere: Die Vorschläge landen anschließend nicht etwa in irgendwelchen Ablagefächern, sondern müssen von den Behörden innerhalb von 14 Tagen überprüft und veröffentlicht werden.

Tatsächlich erhöht der Senat mit dem neuen Verfahren die Transparenz in der Entscheidung um den Wohnungsbau für Flüchtlinge. Der Dachverband der Initiativen für erfolgreiche Integration kritisiert seit Wochen die geplanten großen Unterkünfte scharf. Es sei nicht nachvollziehbar, warum sich der Senat für die jetzt feststehenden Flächen entschieden hätte. Sie fordern, dass mehrere kleinere Standorte für den Wohnungsbau genutzt werden. Ansonsten drohen die Unterkunftsgegner ihr Volksbegehren gegen Großunterkünfte fortzuführen. „Schauen Sie, ob Senat und Bezirke etwas übersehen haben“, zeigte sich Bürgermeister Olaf Scholz bei der Präsentation des interaktiven Stadtmodells jetzt dialogbereit. „Ich bin mir sicher, Sie werden etwas finden.“ Sollten tatsächlich neue Flächen gefunden werden, dann werden diese auch genutzt.

Kritik an dem neuen Beteiligungsverfahren erntet die SPD im Parlament lediglich von rechts. Die meisten verfügbaren Flächen seien längst verplant und stünden eben nicht für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung, kritisierte die CDU. „Insofern handelt es sich nicht mehr um ein ergebnisoffenes Verfahren, da maßgebliche Entscheidungen durch den Kauf von Grundstücken oder die Erteilung von Baugenehmigungen schon längst gefallen sind“, sagt Birgit Stöver, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU. Ihre Parteikollegin Karin Prien ergänzt: „Rot-Grün sollte sich davor hüten, mit solchen Symbolaktionen eine Verschiebung von Verantwortung vorzunehmen. Hier werden in großem Umfang Steuergelder verpulvert, um eine Scheinbeteiligung der Bürger zu simulieren.“

Wer sich an der Suche nach Flächen beteiligen möchte, kann sich ab sofort für das Beteiligungsverfahren „Finding Places“ anmelden unter www.findingplaces.hamburg.

Text und Foto: Jonas Füllner

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