Theater für Kinder : Eule findet den Beat

Blockflöte? Fingerübungen? Notenlesen? Das Grauen. Dass Kinder eine Menge über Musik lernen und sich trotzdem wie Bolle amüsieren können, beweist noch bis zum 17. April die Theaterumsetzung des erfolgreichen Musikhörspiels am Schmidtchen Theater.

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Cristiana Garba (links) und Christina Raack feuern Maulwurf Manuel Klein an.

Wenn der Maulwurf rockt, dann gibt es kein Halten mehr. „Gib mir ein R! Gib mir ein O! Gib mir ein C! Gib mir ein K!“, ruft er ins Publikum und lässt seine E-Gitarre jaulen. „Rock!“ Da kriegt die kleine Eule vor Staunen den Schnabel kaum noch zu.

Vielen Kindern sind die musizierenden Tiere aus dem 2014 erschienenen Kinderhörspiel „Eule findet den Beat“ vertraut. Nun bringt Christina Raack, Autorin des Hörspiels, gemeinsam mit Cristiana Garba den Eulen-Beat als Theaterstück auf die Bühne ins Schmidtchen am Spielbudenplatz. Das Stück erzählt davon, wie das scheue Nachtgeflügel auf der Suche nach dem Beat auf verschiedene Tiere trifft und dabei spielerisch ganz unterschiedliche Musikstile kennenlernt. In jedem der Songs ist der Ohrwurm zu Hause: Ob Pop-Fliege oder Punk-Katze, Reggae-Papagei oder Elektro-Fledermaus – ­jedes der Tiere, das die kleine Eule trifft, geht zur eigenen Musik ab wie Schmidt(chen)s Katze. Das macht nicht nur Kindern (ab vier Jahre), sondern auch erwachsenen Menschen Spaß. Der Anspruch des Regieteams: „Wir wollen etwas machen, das Kinder und Erwachsene unterhält.“

Dafür haben Christina Raack und Cristiana Garba ein famoses Ensemble zusammengebracht. Die Musiker und Schauspieler sind Allrounder: Sie haben nicht nur eine hohe Musikalität und begnadete Stimmen, sondern auch  einen ansteckenden Spieltrieb.

„Puh, ich schwitze“, ächzt Eule Nikola Lenk, die trotz des dicken Schaumstoffbauchs unter ihrem Kostüm ein wahres Elastikwunder ist. Wenn Jazz-Assel Jonas Anders in die Tasten des Keyboards haut und dazu röhrt, als hätte er seine Stimme mit Whiskey und Nikotin gegerbt, improvisiert die Eule leichtfüßig einen flotten Stepptanz. Bassistin Kristin Riegelsberger betört als Pop-Fliege mit wunderschöner Stimme, Gitarrist Manuel Klein kann als Rock-Maulwurf vor lauter Stargehabe kaum laufen. Und Schlagzeuger Emre Akca tut das, was Schlagzeuger in Bands am besten können – er hält die Truppe mit hartem Beat und weichen Zwischentönen zusammen.

Die Fäden der Eule-Inszenierung laufen bei den beiden Frauen am Bühnenrand zusammen. Christina Raack und Cristiana Garba kennen sich so gut, dass sie im Gespräch immer wieder die Sätze der jeweils anderen beenden.

Die Hörspiel-Vorlage wird gerne als „fröhliche Musikschule“ beschrieben. Dass dabei etwas hängen bleibt, hat Cristiana an ihren eigenen Kindern festgestellt. „Es lief im Café Musik und meine damals fünfjährige Tochter hat erkannt, dass das Reggae ist.“ Auch Punks auf der Straße sind den Kindern dank der Punk-Katze geläufig: „Die sind gegen alles und kommen aus London“, zitiert sie lachend ihren Nachwuchs.

Natürlich gibt es auch im Stück eine Botschaft, fein in Musik verpackt: „Gehe deinen eigenen Weg, finde deinen eigenen Beat für dein Leben“, erklärt Christina. „Lass dir nicht reinreden!“ Doch das soll nicht mit dem Holzhammer daherkommen. „Es soll ästhetisches und anspruchsvolles Theater zugleich sein“, findet Cristiana. „Die Musik soll ein schönes Gefühl wecken.“ Dass das klappt, dafür sorgt die gesamte Crew. Wichtig ist den Macherinnen, dass die Kinder im Publikum aktiv mitmachen können – singend, tanzend, kreischend, ganz nach Temperament und Alter. „Kinder bewegen sich gern“, weiß Cristiana und Christina ergänzt: „Wir wünschen uns, dass die Kinder richtig mitgrooven und den Beat als Andenken mit nach Hause nehmen.“ Das wird auch den Großen nicht anders gehen.

Eule findet den Beat, Schmidtchen Theater, Reeperbahn. Termine: 10., 16., 17.4., 11/14.30 Uhr, 13,20 bis 19,80 Euro zzgl. 2 Euro Vorverkaufsgebühr.

Mit der Eule geht es weiter: Gerade ist das neue Hörspiel „Eule findet den Beat – Auf Europatour“ von Charlotte Simon, Christina Raack und Nina Grätz erschienen. Die Reise führt die Eule nun quer durch Europa und sie lernt den Beat fremder Länder kennen. Doppel-CD,  Universal, 15,49 Euro.

Text: Misha Leuschen
Foto: Dmitrij Leltschuk

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