Initiativen für Obdachlose und Flüchtlinge : Einfach mitmachen!

Hunderte Hamburger engagieren sich in ihrer Freizeit für Obdachlose und Flüchtlinge. Wir stellen Initiativen vor und zeigen, wie Sie helfen können.

(aus Hinz&Kunzt 263/Januar 2015)

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Zwei Mal die Woche sorgen die Freiwilligen vom Förderverein für warmes Essen im Pik As. Maria Woska, Elke Bergstreser, Eckhard Johannes, Homaira Sadat und Corinna Bock (von links) haben sich entschieden, so den Obdachlosen etwas Gutes zu tun. Die Lebensmittel muss der Verein selbst finanzieren.

Ehrenamt ist bei Hamburgern beliebt: Beim städtischen Unterkunftsbetreiber fördern und wohnen (f&w) sind allein 550 Menschen registriert, die sich in ihrer Freizeit für Obdachlose und Flüchtlinge ­engagieren. „Wir sind uns sicher, dass es viel mehr sind“, sagt Unternehmenssprecherin Christiane Schröder. Die Zahl der Freiwilligen wächst stetig. So rasant, dass ihre Betreuung seit dem Jahreswechsel nicht mehr von einer Halbtags-, sondern von drei Vollzeitbeschäftigten bei f&w koordiniert wird.

Mit den Flüchtlingshelfern in Lokstedt fing der neue Trend an. Auf einer Informationsveranstaltung für die Anwohner einer geplanten Unterkunft im September 2013 sagte eine Nachbarin: „Wir sollten das als Chance begreifen, den Menschen zu helfen!“ Zahlreiche Freiwillige trugen sich in eine Liste ein, aus der ein großes Helfernetzwerk entstand. Seitdem melden sich bei fast allen Unterkünften noch vor ­deren Eröffnung Nachbarn bei f&w, die gerne helfen wollen. „Das sind ganz neue Formen des Engagements“, sagt Schröder. Es gibt aber auch Initiativen, die bereits seit vielen Jahren aktiv sind.

Die Helfer übernehmen zahlreiche Aufgaben: Sie begleiten Flüchtlinge zu Ämtern, geben Sprachkurse, betreuen Kinder oder sammeln Kleiderspenden. Wäre das nicht eigentlich Aufgabe der Behörden? „Das könnten wir niemals wuppen“, sagt Sozialbehördensprecher Marcel Schweitzer. Zudem ­bekämen die Ehrenamtlichen auch keine Aufgaben übertragen, für die die Stadt zuständig sei. Die Sozialbehörde ­begrüßt die große Bereitschaft zur Hilfe: „Durch diese Begegnungen werden Fremde zu Bekannten“, sagt Schweitzer. „Das baut Vorurteile ab.“

Neuen Schwung ins Ehrenamt bringen auch die sozialen Netzwerke im Internet. Zahlreiche Initiativen organisieren sich über Gruppen bei Facebook. Hier wird zum Beispiel koordiniert, welche Sachspenden wo gebraucht werden. Mitmachen ist leichter als je zuvor: Einfach einer Gruppe beitreten und fragen, wie man helfen kann. Auch Behördensprecher Schweitzer versucht neben seiner Arbeit, in den zahlreichen Gruppen Fragen zu beantworten: „Das ist mein ehrenamtliches Engagement.“

Hilfe für Flüchtlinge in Lokstedt

Aktive: ca. 70

Aktiv seit: September 2013

Motto: Herzliches Hamburg

Kontakt: www.huklink.de/herzliches-hamburg

Das Lokstedter Helfernetzwerk ist inzwischen ordentlich ­gewachsen: Mehr als 1000 Mitglieder hat die Gruppe „Herzliches Hamburg“ bei Facebook, in der die Aktivitäten koordiniert werden. Im Containerdorf an der Lokstedter Höhe haben die Ehrenamtlichen einen Spielcontainer für die Flüchtlingskinder eröffnet, damit sie einen Ort jenseits der engen ­Behausung haben. „Auf 15 Quadratmetern können die mit ihren Eltern nicht viel anfangen“, sagt Miriam Seifert-Waibel. Sie betreut regelmäßig die Spielstunden am Nachmittag. „Wir wollen den Kindern zeigen, dass es hier genug Menschen gibt, die sie willkommen heißen.“ Seifert-Waibel bringt auch ihre eigenen Kinder mit in die Spielgruppe, und es gibt ein Austauschprogramm mit einem Kindergarten. „Integration ­bedeutet auch, die andere Kultur bei uns reinzulassen“, sagt die Helferin. „Ich finde es total spannend, die Menschen kennenzulernen.“

Neben der Kinderbetreuung bietet die Initiative den Flüchtlingen zahlreiche andere Hilfen an. Zum Beispiel begleiten die Helfer die Zuwanderer zum Arzt oder zu Behörden oder organisieren Ausflüge in den Zoo. Wer mitmachen möchte, kann am ersten Montag im Monat um 19 Uhr zum Helferstammtisch ins Café May (Lappenbergsallee 30) kommen oder sich einfach in der Facebook-Gruppe anmelden.

Förderverein Pik As

Aktive: ca. 60

Aktiv seit: 2003

Kontakt: www.foerderverein-pik-as.de
oder foerderverein-pik-as@gmx.net

„Als Hamburger kennt man das Pik As“, sagt Maria Woska. Immer wieder habe sie in der Zeitung von den Problemen in der städtischen Notunterkunft für Obdachlose gelesen, aus der sogar schon Günter Wallraff undercover berichtet hat. Deswegen habe sie sich für die Einrichtung in der Neustadt entschieden, als sie nach einer Möglichkeit gesucht hat, „etwas Gutes zu tun“. Jetzt steht sie in der Küche des Pik As und rührt im großen Topf mit Chili con Carne. Drei Mal in der Woche versorgt der Förderverein Pik As die Bewohner des Asyls mit warmen Mahlzeiten. Nachdem f&w die Küche vor drei Jahren geschlossen hatte, übernahm im vergangenen Sommer der Verein die Verpflegung. Die Ehrenamtlichen rücken immer in Viererteams an und wechseln sich ab. Dadurch können auch Berufstätige gut anpacken, sagt Helferin Elke Bergstreser: „Ein Mal im Monat kann man das gut machen.“

Verein für Völker­verständigung Bergedorf

Aktive: 65

Aktiv seit: 1988

Motto: Die Menschen willkommen heißen

Kontakt: bfv.ev@t-online.de
oder Telefon 721 28 70 (dienstags von 10.30–14 Uhr)

Gerija Harland ist ein Urgestein der Flüchtlingshilfe in Hamburg: „Ich bin die Letzte der ersten Stunde“, sagt sie. Schon 1988, als die erste Flüchtlingsunterkunft in Bergedorf eröffnet wurde, gründete sie den Verein für Völkerverständigung mit und sitzt seitdem im Vorstand. Dort koordiniert sie die Arbeit der Freiwilligen, die in jeder der sieben Unterkünfte im Bezirk Hilfe leisten – und zwar neben ihrer Vollzeitstelle als Familienberaterin. „Manchmal ist es ein kleines Kunststück, das alles unter einen Hut zu kriegen“, sagt sie. Aber Harland schafft das.

Das Angebot ist breit: Die Helfer begleiten Flüchtlinge zu Behörden, spielen mit den Kindern oder helfen Schülern bei den Hausaufgaben. Auch Turngruppen und Sprachkurse werden von den Ehrenamtlichen gestemmt.

Um sich im Verein zu engagieren, muss man kein Mitglied sein. Wer wenig Zeit hat, kann auch mit einer Fördermitgliedschaft helfen. Immer am ersten Dienstag im Monat lädt der Verein um 18.30 Uhr zur „offenen Ehrenamtssitzung“ ins Haus Brügge (Leuschnerstraße 86) ein. Interessierte sind herzlich willkommen.

Rothenburgsort sozial stark

Aktive: etwa 20

Aktiv seit: September 2014

Motto: Arm heißt nicht sozial schwach

Kontakt: www.huklink.de/rbo-sozial-stark oder

rbosozialstark@gmail.com

Die Helferinitiative in Rothenburgsort hat sich gegründet, als im Herbst 2014 das Gerücht um ein Flüchtlingsschiff aufkam, das dort festmachen sollte. Schnell fand sie Zulauf: „Wir kriegen noch gar keine Flüchtlinge, aber wir kriegen schon jede Menge Spenden“, sagt Initiator Andreas Holznagel. „Kubikmeterweise“ würden die Viertelbewohner Sachspenden vorbeibringen. Helfer können sich in der Facebook-Gruppe melden (siehe Kontakt) oder Spenden im Abgeordnetenbüro von Carola Veit (Vierländer Damm 4) abgeben.

Obdachlosenhilfe Hamburg

Aktive: mehr als 200

Aktiv seit: Februar 2014

Motto: Engel in den Straßen

Kontakt: www.huklink.de/obdachlosenhilfe

Schlafsäcke, Kleidung, Nahrung, aber auch Handys und Fahrräder: Es gibt wenige Dinge, die die selbsternannten „Engel in den Straßen“ nicht für Obdachlose organisieren. Jeden zweiten Sonntag bauen sie in der Innenstadt ein Büfett mit Suppe, Gebäck und Kaffee auf und verteilen die gespendeten Sachen an die Bedürftigen. Seit Neuestem haben sie sogar einen Omnibus dabei, in dem sich die Obdachlosen aufwärmen können. Und wenn die Menschen spezielle Wünsche haben, versuchen die Helfer, diese bis zum nächsten Mal zu erfüllen. Für Notfälle gibt es eine Handynummer. Falls mal ein Schlafsack geklaut wird, zum Beispiel.

Mitmachen ist einfach: Interessierte können sich in der Facebook-Gruppe (siehe Kontakt) anmelden und dort Aufgaben übernehmen. „Jeder kann nach seinen Möglichkeiten helfen“, sagt Manuela: entweder benötigte Dinge spenden, die Spenden von den Gebern abholen oder sie mit an die ­Obdachlosen verteilen.

Sprachbrücke Hamburg

Aktive: etwa 50

Aktiv seit: April 2014

Motto: Wir reden, damit Sprache verbindet

Kontakt: www.sprachbruecke-hamburg.de
oder Telefon 28 47 89 98

Seit Februar vergangenen Jahres üben die Freiwilligen von der Sprachbrücke Hamburg zusammen mit Flüchtlingen und anderen Migranten in Gesprächsrunden mit bis zu zehn Teilnehmern, Deutsch zu reden. „Bei uns lernen die Menschen nicht Deutsch“, sagt Krim Grüttner. „Sie werden ermutigt, Deutsch zu sprechen.“ Gerade wagen die Engagierten den Sprung über die Elbe und wollen Kurse in Wilhelmsburg und Harburg anbieten. Dafür suchen sie noch Unterstützung. •

Wenn Sie helfen möchten: Falls Sie sich nicht für eine Initiative ­entscheiden können, können Sie sich mittwochs und donnerstags
an die Freiwilligenkoordination von fördern&wohnen wenden, die Sie gerne vermittelt. Telefon: 428 35 33 87.

Sie können sich auch die Facebook-Gruppen der Helfer anschauen. Unter www.huklink.de/helfen haben wir alle wichtigen Links zusammengestellt. Oder Sie besuchen am 1. Februar die Aktivoli-Freiwilligenbörse in der ­Handelskammer, Adolphsplatz 1, 11–17 Uhr, Eintritt frei. Mehr Infos dazu unter www.aktivoli-hamburg.de

Text: Benjamin Laufer
Foto: Mauricio Bustamante

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