Mümmelmannsberg : Ein Sieg über das Glücksspiel

Ein Erfolg für die Anwohner in Billstedt: Das Verwaltungsgericht hat die Eröffnung einer Spielhalle in der Möllner Landstraße untersagt. Gegen die Pläne des Investors gab es zuvor Proteste. Denn Anwohner wie Hinz&Künztler Erich Heeder warnen vor den Gefahren der Spielsucht.

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Erich Heeder vor der geplanten Spielhalle in der Möllner Landstraße. Noch ist unklar, welches Geschäft stattdessen hier einziehen wird.

Etwa 400 Spielhallen soll es in Hamburg geben. „Gerade bei uns sprießen die wie Pilze aus dem Boden“, sagt Erich Heeder. Der Hinz&Kunzt-Verkäufer wohnt in Kirchsteinbek. Täglich passiert er die zahlreichen Billstedter Spielotheken auf seinem Weg zum Zeitungsverkauf nach Mümmelmannsberg. „Die Spielsucht zerstört Familien“, ist sich Erich sicher. „Ich verstehe nicht, wieso ausgerechnet hier, wo die Menschen eh schon sozial benachteiligt sind, so viele Spielautomaten stehen dürfen.“ Seine Auffassung teilt auch Murat Gözay, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bezirk. Es seien vor allem migrantische Familienväter, die ihr Geld in die Spielhallen tragen. Ein Blick in die Lokale bestätigt: Hier in Billstedt sind es vor allem ältere, türkische Männer, die hier ihren Tag verbringen.

1984 zog Erich in den Hamburger Osten. Seitdem engagiert er sich in seinem Stadtteil. In den vergangenen Jahren beschäftigte ihn vor allem die Ausbreitung der Spielhallen. Von den insgesamt 4271 Spielautomaten in Hamburg stehen laut einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion von Ende 2012 mehr als 1000 im Bezirk Mitte. Bei einem Spaziergang durch sein Viertel zeigt der 61-Jährige die unzähligen Spielotheken in Mümmelmannsberg.

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Direkt am U-Bahnhof Mümmelmannsberg liegen zwei Spielhallen Wand an Wand.

Besonders extrem ist die Spielautomatendichte rund um die dortige U-Bahn-Station. Gegenüber dem Ausgangsbereich liegen neben einem Supermarkt zwei Spielotheken Wand an Wand. Damit nicht genug: Auch die umliegenden Cafés haben Glücksspielautomaten aufgestellt. Laut Gesetz dürfen sie bis zu drei Spielautomaten in ihren Räumlichkeiten beherbergen. Und der nächste Haspa-Geldautomat steht hier keine zehn Schritte von den Automaten entfernt.

Eigentlich sollte es das gar nicht geben. Das im Dezember beschlossene Spielhallengesetz schreibt vor, dass zwischen Spielhallen ein Mindestabstand von 500 Metern gewährleistet seien muss. Nicht nur auf der Reeperbahn, gerade auch in Billstedt würde diese Regelung das Aus für zahlreiche Spielotheken bedeuten. Allerdings wurde den Betreibern eine Übergangsfrist bis Mitte 2017 eingeräumt.

Unter den Bewohnern in Mümmelmannsberg herrscht Unzufriedenheit. „Die Automaten stehen eigentlich viel zu dicht nebeneinander“, erzählt ein Anwohner, der gerade einen Tee am Tresen trinkt. Dann begleitet er uns vor die Tür. Dort erzählt er: „Die Männer verspielen ihr ganzes Geld. Und leiden müssen die Familien. Ich finde das nicht gut. Ich würde nie spielen.“

Das neue Hamburger Spielhallengesetz kann somit auch als Reaktion verstanden werden: Auf das große Suchtproblem. Denn Experten-Schätzungen zufolge gibt es in Hamburg rund 10.000 Spielsüchtige. Und als Reaktion auf den Unmut vieler Bürger, die sich gegen die Spielhallen aussprechen. „Wir haben Mahnwachen und Protest gemacht“, erzählt Erich. Das Ziel: „Wir wollten verhindern, dass in der Möllner Landstraße 116 eine weitere Spielhalle entsteht.“

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Im ersten Stock residierte hier früher die Suchtberatungsstelle Boje. Übrig geblieben ist eine Spielhalle im Erdgeschoss.

In den Konflikt um den Spielhallen-Neubau in der Möllner Landstraße hat sich schließlich sogar der Bezirk eingemischt und zwischenzeitlich sogar den Weiterbau aufgrund baurechtlicher Mängel gestoppt. Inzwischen sind die Baumaßnahmen so gut wie abgeschlossen. Ursprünglich wollte der Investor in dem Komplex drei Spielhallen eröffnen. Denn der Gesetzgeber erlaubt nur zwölf Automaten pro Spielhalle. Ein Trick, den schließlich das neue Spielhallengesetz durchkreuzt hat. Da die Spielhallen keine 500 Meter von einander entfernt liege, stoppte das Verwaltungsgericht die Pläne des Investors.

„Das ist ein großer Erfolg“, sagt Erich. Murat Gözay von den Grünen ergänzt: „Wir haben zudem durchgesetzt, dass in Billstedt keine weiteren Spielhallen genehmigt werden dürfen.“ Doch weitere Probleme bleiben bestehen: So gibt es in Billstedt keine einzige Beratungsstelle für Süchtige. Erich: „Wichtig ist, dass statt weiteren Spielhallen endlich wieder Beratungsangebote geschaffen werden.

Text und Fotos: Jonas Füllner

 

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