13. Dokumentarfilmwoche : Zeigen, wie die Welt tickt

Es gibt ihn weiterhin – den ambitionierten und auch mal sperrigen Dokumentarfilm. Ab Mittwoch zeigen Hamburger Programmkinos wieder zahlreiche Highlights. Vier Empfehlungen für die diesjährige Dokumentarfilmwoche Hamburg:

Dokfilm_2016„MANCHE HATTEN KROKODILE“ von Christian Hornung

„Ich kann ja nur noch ehrenamtlich arbeiten“, lacht die ehemalige Prostituierte: „Bei meinem Alter kann ich doch kein Geld mehr verlangen.“ Und zieht erst mal kräftig an ihrer Zigarette. Es geht nach St. Pauli. Schnörkellos und freimütig berichten der alteingesessene Kneipenwirt, der Friseur an der Ecke oder Deutschlands einst schwerste Stripperin aus ihrem Leben. Dabei rückt die Kamera den Protagonisten nie zu dicht auf die Pelle – sondern lässt jedem seine Würde. Ein anerkennender, melancholischer Film.

Metropolis, Sa, 9.4., 18.30 Uhr, Eintritt: 7,50/ 5,50 Euro

 

Dokfilm_2016a„WENN MAN SIE BEDAUERT, KÖNNEN SIE SCHLECHT STERBEN“ von Friederike Güssefeld

Ein Dorf irgendwo in Brandenburg. Die Wende hat ihre tiefen Spuren hinterlassen. Die Geschäfte sind geschlossen, wer woanders einen Job fand, ist seit Langem verschwunden. Manche nehmen sich aus Verzweiflung das Leben. Dann treffen sich einige der Dörfler auf dem Friedhof. Wobei es lange nicht mehr so feierlich zugeht wie früher. Einer sagt: „Was soll man machen – das Leben muss weitergehen. Ist so.“ Dann streichelt er seinen Hund.

Lichtmess, Fr, 8.4., 18.30 Uhr, Eintritt: 7,50/ 5,50 Euro

 

Dokfilm_2016b„HARBURG BIS OSTERN“ von Klaus Wildenhahn

Eine Reise zurück in das Winterhalbjahr 1971/72. Nach Harburg. Die Phoenix-Werke sollen mit der Continental AG fusionieren, was Arbeitsplätze kostet. Zugleich erlebt man, wie ein junger, renitenter Vikar seine ersten Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen absolviert. Und öfter beherzt bei der Kirchenleitung aneckt. Ein kleines Meisterwerk von Klaus Wildenhahn! Und: Der Film ist in einer 16-Millimeter-Kopie zu sehen: wie damals!

Metropolis, Sa, 9.4., 16 Uhr, Eintritt: 7,50/ 5,50 Euro

 

Dokfilm_2016c„TAGELÖHNER SYNDROM“ von Rita Bakacs

Um vier Uhr morgens schließt Herr Schröder auf. Fährt den PC hoch, kocht erst Mal Kaffee. Dann können sie kommen, um zu warten: die Männer, die in der Neuköllner Jobbörse auf einen Job hoffen. Für einen Tag. Mit Glück: für zwei. Oder gar für drei? Wer keinen Personalausweis mithat, keine Versichertenkarte vorzeigen kann, keine Sicherheitsschuhe nach DIN S3-Norm trägt, kann gleich wieder gehen. Drei Stunden später ist alles vorbei. Die Männer warten weiter.

Metropolis, Sa, 9.4., 21.30 Uhr, Eintritt: 7,50/ 5,50 Euro

Der Tagelöhner Syndrom – Trailer von Rita Bakacs:

 

Die 13. Dokumentarfilmwoche Hamburg findet statt vom 6.–10. April. Das komplette Programm findet sich unter: www.dokfilmwoche.com

Der Trailer zur Dokumentarfilmwoche:

Text: Frank Keil
Fotos: Filmstills / Annika Börm

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