Satirische Kritik : „Danke, Saga!“

Mit einer satirischen Aktion haben am Donnerstag Aktivisten aus dem Netzwerk Recht auf Stadt auf Versäumnisse bei der Saga GWG hingewiesen. Von 300 wohnungslosen Familien, die seit dem Sommer auf eine Wohnung warten, hatte sie nur 39 ein Angebot unterbreitet.

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Koordinator Stay (rechts) mit seiner Kollegin Mind.

Zur Amtseinführung knallten die Korken: Hereto Stay, Leiter des neuen Koordinationsteams für soziale Notlagen der Saga GWG, hob sein Glas auf eine neue Ära beim städtischen Wohnungsunternehmen. „Wir haben in den letzten Jahren entschieden dazu beigetragen, dass die Mieten in dieser Stadt rapide steigen“, sagt der junge Mann im Sakko vor der Geschäftsstelle der Saga GWG in Altona. Und weiter: „Wir sind unserer Verantwortung bisher nicht im Ansatz gerecht geworden.“ Mit dem neuen Koordinationsteam solle sich das ändern. Hinter ihm halten Menschen Schilder in die Luft, auf denen zum Beispiel „Danke, Saga!“ steht.

Eigentlich ist Stay natürlich kein Saga GWG-Mitarbeiter, sondern Aktivist aus dem Netzwerk Recht auf Stadt. Er hatte sich als Angestellter des Wohnungsunternehmens ausgegeben und eine gefälschte Pressmitteilung herausgegeben. So wollten er und seine Mitstreiter auf die ihrer Ansicht nach ungenügende Versorgung von Wohnungslosen und Flüchtlingen mit Wohnungen durch die Saga GWG aufmerksam machen.

Der Stein des Anstoßes: Von 300 Familien, die der städtische Unterkunftsbetreiber fördern&wohnen (f&w) im vergangenen Sommer zur Vermittlung aus öffentlichen Unterkünften in normale Wohnungen vorgeschlagen hatte, hat die Saga GWG nur 39 ein Angebot unterbreitet. 34 weitere Familien haben Wohnungsbaugenossenschaften aufgenommen. Neben zahlreichen Flüchtlingsfamilien wurden einige klassische wohnungslose Familien mit Wohnungen versorgt. Aber weit mehr als 200 Familien warten noch immer auf eine Wohnung. „Das ist ein kleines Beispiel dafür, dass wir leider echt versagt haben“, sagt der falsche Saga-Koordinator Stay. „Das müssen wir selbstkritisch eingestehen.“

Die echte Saga GWG wollte zu der Aktion auf Anfrage von Hinz&Kunzt keine Stellung beziehen. Sozialbehördensprecher Marcel Schweitzer widersprach allerdings der Kritik der Aktivisten. Es sei wichtig, dass Mieter und Vermieter auch zusammen passten. Das sei der Grund dafür, dass noch nicht alle 300 Familien in Wohnungen vermittelt worden seien. „In diesem Zusammenhang sei angemerkt: Auch potenzielle Mieter haben Wohnungen abgelehnt“, sagte Schweitzer.

Selbst wenn alle 300 Familien eine Wohnung bekämen, bliebe die Lage in den öffentlichen Unterkünften angespannt. Hinz&Kunzt hatte im November berichtet, dass 40 Prozent der damals 12.809 Bewohner eigentlich in eine reguläre Wohnung umziehen könnten – wenn sie denn eine finden würden. Aus diesem Grund hatte f&w die Familien für eine Vermittlung in Wohnraum vorgeschlagen. „Wir begrüßen es, dass diese Wohnungen zur Verfügung gestellt werden“, sagt Sozialbehördensprecher Schweitzer. „Sie führen zu einer Entlastung der Folgeunterkünfte und damit mittelbar auch zur Entlastung der Erstaufnahmeeinrichtungen.“ Den Aktivisten aus dem Netzwerk Recht auf Stadt, vor allem aber den betroffenen Wohnungslosen, reicht das nicht.

Text und Foto: Benjamin Laufer

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