Buchhandel versus Internet : David gegen Goliath

Online-Angebote und neue digitale Formate machen es kleinen Buchhandlungen immer schwerer. Das Büchereck Niendorf Nord aber besteht gegen Thalia und Amazon und zeigt einen Weg aus der Krise des Buchhandels.

(aus Hinz&Kunzt 276/Februar 2016)

Unser Autor Ole mit der Buchhändlerin seines VERTRAUENS: Christiane Hoffmeister.
Unser Autor Ole mit der Buchhändlerin seines VERTRAUENS: Christiane Hoffmeister.

Der Eingang zum Büchereck Niendorf macht einen recht unscheinbaren Eindruck: Mitten in einer Ladenzeile liegt er versteckt hinter einer kleinen Ecke. Doch vom äußeren Schein sollte man sich nicht trügen lassen. Innen ist es warm und gemütlich: Sessel in einer Ecke, die Tische und Regale sind voll mit Büchern und es gibt sogar eine Kaffeemaschine für die Kunden.

Nun leben wir allerdings in Zeiten des Internets und somit in der Zeit von Amazon, eBay und Co. Viele gehen nicht mehr in kleine Buchhandlungen und lassen sich dort beraten. Die meisten lesen ein, zwei Bewertungen im Internet und bestellen den Artikel bei irgendeinem Onlineversand. Für selbstständige Buchhändler eine existenzielle Bedrohung. „Es bringt aber nichts, auf Amazon & Co. rumzuhacken. Die sind nicht schuld, wenn eine Buchhandlung koppheister geht“, ist die Meinung von Christiane Hoffmeister. Die 49-Jährige ist Inhaberin des Bücherecks Niendorf Nord. Dass es immer noch Buchläden ohne eigenen Onlineshop gibt, kann sie nicht verstehen. „Auf Dauer wird das einfach nicht funktionieren. Man muss schon mit der Zeit gehen.“

Christiane Hoffmeister hat das geschafft. Vor 22 Jahren übernahm sie die Buchhandlung, die bereits seit 1975 im Familienbesitz ist. „Normal verkaufen reicht eben nicht“, sagt die gelernte Buchhändlerin. Das Büchereck veranstaltet beispielsweise immer wieder Vorlesungen. „Außerdem ist das Persönliche einfach ein großer Vorteil für uns“, meint Frau Hoffmeister. Und dann ist da noch der besondere Lieferservice. Mit dem knallroten Fahrrad wird der Lesestoff dem Kunden direkt in den Briefkasten gelegt. Natürlich nur niendorfweit und bei gutem Wetter.

Das gefällt nicht nur den Kunden. Im vergangenen Jahr wurde das Büchereck beim deutschen Buchhandlungspreis als „besonders herausragende“ Buchhandlung ausgezeichnet. Der Lohn für gute Arbeit und eine weitere Innovation: 2014 rief Christiane Hoffmeister die „Lange Nacht der Literatur“ ins Leben. Sie habe sich damals die Frage gestellt, wieso es schon so viele Lange Nächte der Kultur gäbe, jedoch noch keine der Literatur. Zahlreiche Buchhandlungen und das Literaturhaus beteiligten sich an dem Programm. In diesem Jahr soll bereits die dritte Lange Nacht der Literatur stattfinden. Organisiert von der kleinen Buchhandlung im Norden Niendorfs. Als ich Frau Hoffmeister frage, wie sie sich die Zukunft der Buchhandlungen vorstelle, antwortet sie: „Wer fortschrittlich bleibt und sich Mühe gibt, dem wird es auch weiterhin gut gehen“.

Text: Ole Wahls*
Foto: Dmitrij Leltschuk

*Ole ist 16 Jahre alt, geht auf die Stadtteilschule Niendorf und dort in die elfte Klasse. Seine Pläne: erst mal das Abitur machen, dann soll ein Auslandsjahr folgen, danach studieren. Natürlich Journalismus!

Büchereck Niendorf Nord, Nordalbinger Weg 15, Öffnungszeiten: Mo–Fr , 9–18 Uhr, Sa, 9–13 Uhr, Telefon: 555 31 08
www.buechereckniendorf.de

 

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