Obdachlose am Nobistor : Bezirksamt will Park räumen

Am Altonaer Nobistor will der Bezirk am Donnerstagmorgen einen Park räumen, in dem Obdachlose leben. Unterkünfte wurden ihnen nicht angeboten. Hinz&Kunzt fordert: Öffnet leere Flüchtlingsunterkünfte für Obdachlose! 

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Wenigstens ein Dach über dem Kopf: Zelte im Park am Nobistor.

Am Donnerstag um 7 Uhr wird der Ordnungsdienst anrücken, um die Obdachlosen aus dem Park am Nobistor zu vertreiben und ihr Hab und Gut zu entsorgen – auch „durch die Anwendung von unmittelbarem Zwang“. So steht es in einer Allgemeinverfügung, die Mitarbeiter des Bezirks Altona am Morgen an einen Baum im Park zwischen Königsstraße und Louise-Schröder-Straße geheftet haben.

15 bis 20 Menschen haben sich hier niedergelassen, manche seit ein paar Tagen, andere schon seit Jahren. Sie schlafen in Zelten, Autos und unter einem Vordach. Dass sie bis zum nächsten Morgen ihre Sachen packen sollen, weiß am Mittwochnachmittag niemand von ihnen: „Keiner hat verstanden, was auf dem Zettel steht“, sagt der rumänische Parkbewohner Valentin unserer Dolmetscherin. Sie erfahren es von uns – und wir blicken in ratlose Gesichter. „Es gibt ja sonst keinen Platz für mich!“, sagt Valentin. Er hofft, in Hamburg einen Job auf einer Baustelle zu finden.

Wo sollen die Obdachlosen hin? „Wir haben die Menschen im Rahmen unserer Möglichkeiten beraten“, sagt Martin Roehl, Sprecher des Bezirks Altona. Wirkliche Hilfe konnten sie allerdings nicht anbieten. Klipp und klar steht in der Allgemeinverfügung vom Bezirk: „die überwiegende Anzahl“ der Obdachlosen dort seien EU-Bürger, sie hätten „somit keinen öffentlich-rechtlichen Anspruch auf anderweitige Unterbringung“.

Hinz&Kunzt: Öffnet leere Flüchtlingsunterkünfte für Obdachlose!

Überall in der Stadt machen derzeit Obdachlose Platte, weil mit Ende des Winternotprogramms mehr als 800 Menschen wieder zurück auf die Straße geschickt wurden. „Dass sie jetzt überall in der Stadt sichtbar sind, darf niemanden wundern“, sagt Stephan Karrenbauer, sozialpolitischer Sprecher von Hinz&Kunzt. „Trotzdem darf man diesen Zustand nicht einfach so hinnehmen. Viele werden von einer Ecke in die andere getrieben und verelenden auf ihren Schlafplätzen.“

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„Natürlich möchte ich eine Wohnung“, sagt der Obdachlose Vasile. „Aber wie soll das gehen?“

Auch am Nobistor häufen sich Beschwerden von Nachbarn über Lärm und Müll: „Ein bürgernaher Beamter ist dort täglich vor Ort, wir haben aber nicht jeden Tag Einsätze und müssen Straftaten verfolgen“, sagt Polizeisprecherin Heike Ude. Drei mal in der Woche schickt das Gartenbauamt einen Reinigungsdienst zum Aufräumen in den Park. Manche Bewohner nutzen eine Ecke des nahen Spielplatzes als Toilette, sanitäre Anlagen gibt es für sie ja nicht. „Für die Hamburger und erst recht für die Obdachlosen ist das unerträglich“, kommentiert Sozialarbeiter Karrenbauer.

Hinz&Kunzt fordert deshalb, dass die Stadt Alternativen bieten müsse – Unterkünfte, wo die Menschen geschützt und sicher sind. „Die Obdachlosenunterkünfte sind derzeit zwar hoffnungslos überfüllt“, sagt Karrenbauer. Und dass für die osteuropäischen Obdachlosen Wohncontainer in der Flüchtlings-Erstaufnahme in der Schnackenburgallee bereit stünden, hat sich als falsch herausgestellt. „Aber einige Flüchtlingsunterkünfte stehen zur Zeit leer und könnten sofort Menschen in Not aufnehmen. Warum das nicht geschieht, verstehen wir nicht.“

Text: Benjamin Laufer
Fotos: Mauricio Bustamante

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