Nach dem Attentat auf Charlie Hebdo : Bekenntnis zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Diakoniechef und H&K-Herausgeber Dirk Ahrens hielt nach den Pariser Anschlägen eine Rede, die so aktuell ist, dass wir sie – gekürzt – abdrucken.

Die Terroristen in Paris wollen uns einschüchtern, sie wollen, dass wir unsere Meinungsäußerungen einschränken und aus vorauseilendem Gehorsam lieber nichts sagen, was vielleicht Ärger bringen könnte. Aber wir sind nicht feige. Im Gegenteil: Die Terroristen bringen uns dazu, uns unserer Grundlagen neu bewusst zu werden: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Grundsätze der französischen Revolution beschreiben gut, wie wir leben wollen.

Ich bin überzeugter Christ. Und ich schäme mich, dass sich die Religion immer wieder als dermaßen missbrauchbar für Menschenfeindlichkeit, Unterdrückung, Exklusion und Terror erweist. Wir wissen das auch als Christen: Vor nicht einmal vier Jahren hat Anders Breivik als selbsternannter Kreuzritter in Norwegen 77 Menschen brutal ermordet. Auch der christliche Glaube wurde und wird immer wieder entsetzlich missbraucht.

Deshalb beschämen und beunruhigen mich auch ein schwarz-rot-gold angemaltes Kreuz auf einer Pegida-Demo oder Weihnachtsliedersingen gegen den Islam. Sie alle diskreditieren, was mir und vielen anderen heilig und wichtig ist. Die Religion ist nicht dazu da, im Namen Gottes unsere Rechthaberei oder unsere Allmachtsfantasien auszuleben.

Die Religion soll uns immer wieder daran erinnern, dass der Mensch gerade nicht das alleinige Maß aller Dinge ist. „Gott ist groß“, sagen die Muslime. Lasst uns Gott nicht klein machen dadurch, dass wir ihn missbrauchen.

Jetzt diskutieren alle über Sicherheitspolitik. Die beste Sicherheitspolitik ist gelingende Sozial- und Integrationspolitik, weil wir es bei islamistischen Attentätern meist mit Verlierern unserer Gesellschaft zu tun haben. Wir müssen nun widerständig sein, Großzügigkeit und Menschenliebe gegen die Angst setzen.

Wo andere trennen wollen, müssen wir vermitteln und verbinden. Wo gehasst wird, wollen wir an die Macht der Liebe glauben. Und wir lassen uns durch den Extremismus nicht extrem machen. Bleibt widerständig für das Leben und die Liebe!

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