Büros statt Wohnungen : Aus Friedensallee wird
„Scholz & Friendsallee“

Anwohner in Ottensen setzen sich für mehr Wohnraum in ihrer Nachbarschaft ein. Gegen einen Bürobau in der Friedensallee sammelten sie innerhalb von drei Wochen mehr als 1800 Unterschriften. Doch auf politischer Ebene ist der Bau offenbar beschlossene Sache.

Symbolische Umbenennung der Friedensallee in Scholz & Friendsallee
Mit dem Frieden in Ottensen ist es vorbei. Anwohner wehren sich gegen die Ansiedlung der Werbefirma Scholz & Friends.

Die Friedensallee heißt jetzt „Scholz & Friendsallee“: Mit einer symbolischen Straßenumbenennung haben Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative „Pro Wohnen Ottensen“ gegen den geplanten Bau eines Bürokomplexes auf dem Parkplatz des Zeisekinos protestiert.

Ende Juli war bekannt geworden, dass das weltweit größte Werbeunternehmen WPP auf die Fläche ziehen will. Deren Hamburger Agenturen, wie Scholz & Friends, sollen nach Informationen der Medien-Fachzeitung Horizont künftig „unter einem Dach zusammenarbeiten“. Nach Ansicht der Initiative eine „Stadtplanung im Hinterzimmer nach Gutsherrenart“. Denn noch Anfang des Jahres war von 80 Mietwohnungen und weiteren Büroflächen die Rede. Die Finanzbehörde hatte das Areal den Projektentwicklern Prokom und Quantum anhand gegeben. Die Hälfte der geplanten Wohnungen sollten Sozialwohnungen werden, verkündete Mark Classen, der damalige Stadtplanungsexperte der SPD-Fraktion, vor zwei Jahren gegenüber dem Abendblatt: „Da sind wir richtig stolz drauf.“

Inzwischen arbeitet Classen für Pare Consulting. Als Geschäftsführer berät er Unternehmen „in allen Fragen der Immobilienentwicklung“. Nach taz-Informationen ist Classen derzeit für die Immobilienfirma Quantum bei dem Bauvorhaben auf dem Zeise-Parkplatz im Einsatz. Der zügige Lagerwechsel vom Bauausschuss zum Immobilienberater hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Ein weiterer Konflikt dreht sich um den Preis für das Grundstück. Die Hamburger Morgenpost hatte berichtet, dass der Projektentwickler Procom Invest das städtische Grundstück zu einem günstigeren Preis erhielt. Mit der Zusage, 50 Prozent Sozialwohnungen zu bauen. Procom bestätigte auf Hinz&Kunzt-Nachfrage, dass bei der Festlegung des Verkaufpreises tatsächlich der Bau von Sozialwohnungen eine Rolle gespielt habe.

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Die neu gegründete Bürgerinitiative „Pro Wohnen Ottensen“ setzt sich für günstige Wohnungen auf dem Zeise-Parkplatz ein.

„Lange wurden hier Wohnungen geplant und versprochen – und nun, in der Sommerpause, wird das alles umgeworfen“, kritisiert „Pro Wohnen Ottensen“. Benötigt werde günstiger Wohnraum. „Freie Büroflächen gibt es mehr als genug.“

Am Dienstag übergab die Protest-Initiative mehr als 1800 Unterschriften gegen den Bürokomplex der Finanzbehörde. „Wir haben die Unterschriften entgegen genommen“, so Pressesprecher Daniel Stricker. In der Finanzbehörde fühlt man sich aber falsch adressiert: Schließlich stünden Bezirk und Senat hinter den Bürobauplänen. Die Finanzbehörde würde lediglich für den Verkauf des Areals einen Vorschlag für die Kommission für Bodenordnung erarbeiten. „Keine Ahnung warum die sich mit ihren Unterschriften an uns gewendet haben.“ Der Finanzbehörde läge es fern, Büroraum gegen Wohnraum auszuspielen. „Es sind beides wichtige Anliegen“, sagt Stricker.

Aber die SPD-Fraktion in Altona will sich nicht so leicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. „Die Finanzbehörde hat das Interesse dort eine Werbefirma anzusiedeln“, sagt Fraktionschef Thomas Adrian. Und die Fläche sei nun mal als Kerngebietsgrundstück für eine Bürobebauung vorgesehen. Seine Fraktion würde aber auch in Zukunft auf den Wohnungsbau setzen. „Der Bedarf an Wohnraum ist weiterhin da“, so Adrian. Dass jetzt allerdings in Ottensen eine Ausnahme von diesem Vorsatz gemacht wird, hält Adrion für einen „gangbaren Weg“.

Der Initiative „Pro Wohnen Ottensen“ liegt es fern, gegen Arbeitsplätze vorzugehen. Ihr Protest richtet sich ausdrücklich nicht gegen Menschen, die in der Werbebranche arbeiten. Vielmehr befürchten die Aktivisten steigende Mieten, eine weitere Verkehrszunahme und schlussendlich eine Verdrängung des in Ottensen noch vorhandenen Kleingewerbes. „Altona hat zur 350-Jahr-Feier ein schöneres Geschenk vom Senat verdient als diesen Mega-Bürokomplex“, so die Meinung der Aktivisten. Vor der Wahl habe die Politik Anstrengungen im Wohnungsbau versprochen.

Die Initiative aber gibt sich noch nicht geschlagen. „Jetzt haben der Finanzsenator, der ihm unterstellte Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen oder später die Mitglieder der Kommission für Bodenordnung es in der Hand, zu verhindern, dass eine Fehlplanung auf Kosten der Ottenser Bürger Realität wird“, halten sie dagegen.

Text: Jonas Füllner
Foto: Pro Wohnen Ottensen / Michael Kottmeier

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