Sophienterrasse : Anwohner klagen gegen Unterkunft

Weil sie Angst vor „erheblicher Unruhe“ und Kinderlärm im Nobelviertel haben, ziehen Nachbarn der geplanten Flüchtlingsunterkunft an den Sophienterrassen in Harvestehude nun vor Gericht. Die Sozialbehörde rechnet nicht mit einem Erfolg der drei Anwohner.

Sophienterrasse
In diesem Haus will die Sozialbehörde 220 Flüchtlinge unterbringen.

Jetzt ziehen die Nachbarn vor Gericht. Drei Anwohner der geplanten Flüchtlingsunterkunft an den Sophienterrassen in Harvestehude wehren sich vor dem Hamburger Verwaltungsgericht gegen die Baugenehmigung, die das Bezirksamt Eimsbüttel der Sozialbehörde dafür ausgestellt hat. Ihr Hauptargument im Eilantrag, der Hinz&Kunzt vorliegt: Eine Flüchtlingsunterkunft „dient nicht dem Wohnen“ und sei „wegen ihrer Größenordnung“ in einem Wohngebiet unzulässig. 220 Flüchtlinge sind nach Ansicht der Antragsteller offenbar zu viel für die noble Wohngegend.

Denn sie befürchten ein „erhebliches Störungspotenzial“ durch die Asylbewerber, „das einem besonders geschütztem Wohngebiet fremd und unverträglich“ sei. Weil sie zum Beispiel nicht arbeiten dürfen, würden sich die Flüchtlinge vermutlich „für beträchtliche Zeiträume außerhalb des Gebäudes“ aufhalten, was zu einer „erheblichen Unruhe“ führen werde. Weiter schreibt der Rechtsanwalt, den die Anwohner beauftragt haben: „Insbesondere Kinder mit ihrem Bewegungsdrang werden zu einer erheblichen Unruhe führen.“

In der Sozialbehörde sieht man das Anrufen des Gerichts gelassen und rechnet nicht damit, dass die Richter einen Baustopp anordnen werden. „Wir bauen weiter, bis das Gericht es uns verbietet“, sagt Behördensprecher Marcel Schweitzer. Für das Eimsbütteler Bezirksamt hat das Vorgehen eine „gewisse Brisanz“, sagte Sprecher Elmar Schleif dem NDR: „Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter, sondern prüfen es sorgfältig.“

Einige Nachbarn hatten bereits im Frühjahr gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft protestiert. Die Rede war von „einem Horrorhaus“ und „völlig isolierten Menschen in dieser Gegend“. Doch es gibt auch andere Stimmen: Der Verein Flüchtlingshilfe Harvestehude will die ankommenden Asylbewerber unterstützen und sammelt bereits vor der Unterkunftseröffnung Sachspenden. „Ich bin überrascht und entsetzt“, sagt die zweite Vereinsvorsitzende Heidrun Petersen-Römer zu den gerichtlichen Schritten einiger Nachbarn. Sie glaubt, dass Vorurteile zu dem Vorgehen geführt haben. „Und Vorurteile haben nur so lange Bestand, bis man persönlichen Kontakt hatte.“

In dem ehemaligen Kreiswehrersatzamt sollen im Frühjahr 220 Flüchtlinge einziehen. Geplant sind insgesamt 23 Wohneinheiten für maximal zwei bis acht Zimmer. Zudem ist ein Kinderspielplatz auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Areal geplant.

Text: Benjamin Laufer
Foto: Jonas Füllner

6 Kommentare zu “Anwohner klagen gegen Unterkunft

  1. Ich finde es generel erbärmlich und grausam, dass Menschen nicht Vorurteilsfrei und human behandelt werden. Nur um die Straßenzüge eines zentral- (Nobel) Stadtteil Hamburgs nicht in „Veruch“ zu bringen und hierzu folgend; Intoleranz zu schüren.
    Persönlich sehe ich die Notwendigkeit gegeben, Menschen zu integrieren und in einer weltoffenen Stadt wie Hamburg auch diesen Personenkreisen die Möglichkeit zu schaffen Adäquat und geschützt zu leben.
    Gepfärchte Sozialsammelpunkte in Statteilen wie z. Bsp. Mümmelmansberg, Wilhelmsburg, Lohbrügge, Billbrook etc. bieten hierzu sicher nicht den geeigneten Lebensraum soziale Hintergründe aufzuarbeiten und hilsbedürftigen Personen sowie Familien in Sozialkompetenz den Wohnort Hamburg schmackhaft zu machen.

  2. 23 Wohnungen bei 220 EInwohnern heißt, dass sich im Schnitt 9,5 Personen einen Wohnung teilen. Das mit den „Zwei- bis zu großen Acht-Zimmer-Wohnungen“ kann also nicht so ganz stimmen, oder?

  3. Hallo Flo,
    der Einwand ist berechtigt. Richtig ist: „23 Wohneinheiten für maximal zwei bis acht Zimmer“, wie aus der Schriftlichen Kleine Anfrage der Abgeordneten Andreas C. Wankum und Dr. Roland Heintze (CDU)
    vom 28.04.14 und der Antwort des Senats hervorgeht. Wir haben dies im Text korrigiert.

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