Abschiebung von Amad und seiner Familie : „Wir sind ein Team!“

Eine syrische Familie soll nach Zypern abgeschoben werden, obwohl sie dort keine Perspektive hat. Mitschüler und Mannschaftskameraden von Sohn Amad geben alles, damit sie in Hamburg bleiben kann.

(aus Hinz&Kunzt 268/Juni 2015)

Schon einmal haben sie Amad abgeholt. In einer Nacht im Februar kamen die Polizisten in die Flüchtlingsunterkunft und brachten den 17-Jährigen, seine Schwester und seine Eltern zum Flughafen. So laufen Abschiebungen häufig in Hamburg ab, ganz legal. Doch dieses Mal weigerte sich der Pilot, das Flugzeug zu starten. Die Polizisten mussten die Familie zurück nach Bergedorf bringen. Seitdem lebt Familie Mohammad wieder zusammen mit 580 anderen Flüchtlingen am Stadtrand. Amads 13-jährige Schwester Zackey leidet seither an Schlafstörungen. Sie hat Angst, dass die Polizisten wiederkommen könnten. Denn die Abschiebung nach Zypern droht den Syrern noch immer.

Die Spieler von Amads Fußballmannschaft bei der TSG Bergedorf UMRINGEN Amad Mohammad.
Die Spieler von Amads Fußballmannschaft bei der TSG Bergedorf UMRINGEN Amad Mohammad.

In Zypern war die Familie zunächst auf ihrer Flucht aus Syrien gestrandet. Vater Selahaddin konnte dort als Bauarbeiter arbeiten, verlor seinen Job dann aber wieder. Obwohl sie anerkannte Flüchtlinge waren, erhielten die Mohammads keine staatliche Unterstützung und verloren daher ihre Wohnung. Zustände, die zum Beispiel Amnesty International kritisiert. Auch die posttramatische Belastungsstörung, unter der Mutter Fairoz leidet, konnte in Zypern nicht behandelt werden.

Also mussten die Mohammads weiterziehen. Zurück nach Syrien kam aber nicht in Frage: Dort war der Vater mehrfach verhaftet und gefoltert worden, weil er Kurde ist. Deshalb kam die Familie nach Hamburg. Doch hier wurde ihr Asylantrag abgelehnt, weil nach Europarecht Zypern dafür zuständig ist. Das Verfahren um eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen läuft noch.

Amad hat hier in einem Jahr viele Freunde gefunden, die ihn nicht mehr gehen lassen wollen: an der Nelson-Mandela-Schule, die er besucht, und beim TSG Bergedorf, wo er Fußball spielt. Zusammen mit dem Filmemacher Marcin Michalski haben sie ein Video gedreht, das den Rückhalt zeigt, den die Freunde Amad geben. Damit er und seine Familie bleiben können, hat ein Mannschaftskamerad eine Petition gestartet. Bis zum Redaktionsschluss hatten schon mehr als 17.000 Menschen unterschrieben. Deswegen befasst sich nun die Bürgerschaft mit dem Fall.

Text: Benjamin Laufer
Flmstills: Marcin Michalski

Petition & Film: www.hinzundkunzt.de/amad

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