Öffentliche Unterkünfte : Alte Kreuzfahrtschiffe für Flüchtlinge?

Weil Hamburg dringend mehr Unterkunftsplätze für Flüchtlinge braucht, wird über die Unterbringung auf Wohnschiffen diskutiert. Die Grünen gehen noch einen Schritt weiter: Sie wollen Migranten auf ausrangierten Kreuzfahrtschiffen unterbringen.

wohnschiff_mauricio
Auf der „Bibby Altona“ lebten bis 2006 zeitgleich 600 Flüchtlinge.

Die Debatte hatte Sozialsenator Scheele (SPD) in der vergangenen Woche eröffnet: In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kündigte er an, Flüchtlinge erneut auf Wohnschiffen im Hamburger Hafen unterbringen zu wollen. Er habe bereits die Hafenbehörde mit der Suche nach Liegeplätzen beauftragt. Scheele sagte, angesichts der hohen Flüchtlingszahlen sei es ihm egal, ob neue Unterkünfte in Containern oder auf Schiffen entstehen würden: „Hauptsache, wir bekommen genügend Plätze.“ Konkret ist das Vorhaben allerdings noch nicht, sagt Scheeles Sprecher Marcel Schweitzer auf Hinz&Kunzt-Nachfrage. Die Sozialbehörde wolle nur alle Möglichkeiten in Betracht ziehen: „Ob das jemals etwas wird, wissen wir nicht.“

Flüchtlingsunterkünfte auf Schiffen gab es in Hamburg schon einmal: Bis 2006 lebten zwischenzeitlich bis zu 1200 Menschen auf den Wohnschiffen im Hafen, die die Sozialbehörde eingerichtet hatte. Ursprünglich waren die Schiffe für Montage-Arbeiter zur kurzfristigen Übernachtung konzipiert worden.

Schiffe dieser Art kommen für die Sozialbehörde allerdings nicht erneut in Frage. „Das ist völlig indiskutabel, so soll das nicht wieder werden“, sagt Scheeles Sprecher Schweitzer. Die Standards bei Wohnschiffen hätten sich inzwischen verändert. Auch die Grüne Bürgerschaftsfraktion warnt: „Schiffe dieser Art dürfen in Hamburg keine Renaissance erleben“, so die flüchtlingspolitische Sprecherin Antje Möller.

Die Grünen haben eine andere Idee: Sie würden die Flüchtlinge gerne auf ausrangierten Kreuzfahrtschiffen unterbringen. „Dies wäre eine pragmatische Zwischenlösung, die der Senat ernsthaft prüfen sollte“, sagte die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Katharina Fegebank. „Dies wäre im Herzen der Stadt ein Zeichen für Hamburgs Solidarität mit Menschen in Not.“

Die Sozialbehörde schließt eine solche Unterbringung auf Kreuzfahrtschiffen nicht aus. „Wenn die Hafenbehörde sagt, dass das realistisch ist, dann schauen wir uns das an“, so Sprecher Marcel Schweitzer. Allerdings schränkt er ein: „Es wird nicht einfach werden, einen Liegeplatz zu finden.“

Text: Benjamin Laufer
Foto: Mauricio Bustamante

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.