Alle Türen bleiben auf

Im Schorsch trifft sich die Nachbarschaft aus St. Georg. Foto: Imke Lass

Sankt Georg ist ein Stadt-Teil von Hamburg.
Im Stadt-Teil Sankt Georg gibt es einen Treff-Punkt,
wo Menschen sich treffen können.
Dieser Treff-Punkt heißt „Schorsch“.
Im Treff-Punkt „Schorsch“ treffen sich
viele verschiedene Menschen.
Es gibt selten Probleme.
Die Menschen im „Schorsch“ haben gelernt,
wie sie gut zusammen leben können.

Freitags informieren wir per Mail über die Nachrichten der Woche:

Abmeldung via Link in der Fußzeile der Mails. Infos zum Datenschutz.

Das „Schorsch“ steht mitten im Stadt-Teil Sankt Georg.
In der Nähe ist eine Bar
für Männer, die Männer lieben.
Die Bar heißt „Extratour“.

Es gibt in der Nähe viele Bäcker.
Die Bäcker verkaufen Kekse und Kuchen
aus anderen Ländern.
Bei den Bäckern riecht es immer gut.
Es gibt auch einen Spielplatz und eine Kirche in der Nähe.
Genau dort gibt es auch das „Schorsch“.

Das „Schorsch“ hat viel Platz für alle Menschen,
die viel Platz brauchen.
Alle Menschen sind im „Schorsch“ willkommen.

Manchmal sind die jungen Menschen von
„Fridays for Future“ im „Schorsch“.
„Fridays for Future“ wird so ausgesprochen: „Freidais for Fjutscha“
„Fridays for future“ ist Englisch und heißt:
Freitage für die Zukunft.

„Fridays for Future“ ist eine Veranstaltung.
Bei der Veranstaltung treffen sich viele junge Menschen
und arbeiten zusammen für den Klima-Schutz.
Klima-Schutz bedeutet:
Die Welt wird immer wärmer.
Wenn es immer wärmer wird,
dann wird es sehr gefährlich für alle auf der Welt.
Menschen, Tiere und Pflanzen leiden.
Zum Beispiel gibt es immer mehr Hitze
und Menschen und Tiere haben dann kein Wasser.
Manchmal treffen sich die jungen Menschen im „Schorsch“.
Sie sprechen dann dann,
was Menschen für den Klima-Schutz tun können.
Zum Beispiel Strom und Wasser sparen.

Gleich neben dem Raum von „Fridays for Future“
gibt es noch einen Raum im „Schorsch“.
In diesem Raum treffen sich
junge Menschen aus Afrika und Deutschland.
Die jungen Menschen sind Christen.
Die jungen Menschen sprechen in der Gruppe
über ihr Leben und ihren Glauben.

Das „Schorsch“ hat noch einen dritten Raum.
In dem Raum trifft sich die Gruppe „Regenbogen-Familie“.
Eine Regenbogen-Familie
hat zum Beispiel zwei Mütter oder zwei Väter.

Im „Schorsch“ treffen sich viele verschiedene Menschen.
Es gibt nur eine wichtige Regel im „Schorsch“:
Ein Raum muss immer offen für alle Menschen sein.
Offen heißt:
Jeder Mensch darf reinkommen und mitmachen.
Es ist auch egal,
von wo die Menschen kommen.
Manche kommen aus dem Stadt-Teil Sankt Georg.
Andere Menschen wohnen aber woanders.
Jeder Mensch ist willkommen.
Alle Menschen im Stadt-Teil Sankt Georg finden das gut.
Im Stadt-Teil gibt es jetzt weniger Probleme.

Petra Thiel arbeitet schon viele Jahre im Stadt-Teil Sankt Georg.
Sie macht viel für Kinder und Jugendliche.
Schon lange ist Petra Thiel die Chefin im „Schorsch“.
Sie sagt:
„Wir versuchen immer,
dass es wenig Streit gibt.
Unsere Türen sind für alle offen.
Und wer zu uns kommt,
lernt ganz automatisch:
Nicht alle Menschen leben gleich.
Aber wir können uns trotzdem gut verstehen.“

Petra Thiel weiß:
Wenn Menschen viel über andere Menschen lernen,
können alle besser zusammen leben.
Das „Schorsch“ ist ein guter Treff-Punkt in Sankt Georg.
Dort können die Menschen sich kennen lernen.
Und wenn Menschen sich gut kennen,
gibt es weniger Probleme.

Wegen Corona war es überall schwer für die Menschen.
Im „Schorsch“ war es auch schwer.
Vor Corona waren alle Türen immer offen.
Jeder konnte in das „Schorsch“ gehen.
Wegen Corona ging das nicht mehr.
Die Menschen wurden viel kontrolliert.
Es gab viele neue Regeln.
Manche Kinder konnten gar nicht mehr kommen.
Plötzlich gab es viel mehr Streit und Probleme.
Auch zu Hause in den Familien
hatten die Menschen mehr Probleme.
Das „Schorsch“ musste viel mehr
Familien-Beratung machen als vor Corona.

Petra Thiel findet:
„Es ist einfacher für die Menschen,
wenn sie frei sind.
Wenn es wenig Kontrolle gibt,
dann haben alle weniger Streit.
Und weniger Streit macht weniger Probleme.“
Das „Schorsch“ hat die Corona-Zeit aber gut überstanden.
Alle haben dabei geholfen.

Hinz und Kunzt hat auch mit Herrn Mehdi Aroui gesprochen.
Mehdi Aroui ist Muslim.
Er arbeitet für den muslimischen Verein „Al Manar“.
In dem Verein lernen Menschen alles über den Islam.
Der Verein gehört zu der „Muhajirin Moschee“.

Mehdi Aroui trifft sich mit Hinz und Kunzt
in der „Muhajirin Moschee“.
Eine Moschee ist das Haus für das Gebet im Islam.
Die „Muhajirin Moschee“ ist im Nachbar-Haus vom „Schorsch“.
Der Eingang zu der Moschee ist genau neben dem „Tango Tanz-Studio“.
Wenn man in eine Moschee gehen will,
zieht man immer die Schuhe aus.
Die Schuhe legt man draußen in ein Regal.
In der Moschee geht man über einen weichen Teppich
in den Gebets-Raum.
Dort treffen sich muslimische Menschen und beten.

Mehdi Aroui sagt:
Als das „Schorsch“ ganz neu war, gab es eine Feier.
Das „Schorsch“ hat auch die Leute aus der Moschee eingeladen.
Das war im Jahr 2014.
Alle waren zusammen.
Draußen auf dem Spielplatz gab es eine Bühne.
Dort haben sich Petra Thiel
und der Pastor aus dem Stadt-Teil vorgestellt.
Beide haben gesagt:
„Das „Schorsch“ soll für alle Menschen sein.
Egal, an welche Religion sie glauben.“

Das „Schorsch“ bekommt Geld von der Kirche.
Aber es bekommt auch Geld von der Stadt Hamburg.
Deshalb ist es wichtig,
dass jeder zum „Schorsch“ kommen kann.
Mehdi Aroui war unsicher,
ob das alles so gut klappt.
Heute weiß Mehdi Aroui:
„Wir sind jetzt eine große Familie.
Petra Thiel und der Pastor haben ihr Versprechen gehalten.“

Irgendwann gab es in der Moschee zu wenig Platz.
Da hat Mehdi Aroui das „Schorsch“ gefragt,
ob die Moschee dort einen Raum haben kann.
Zum Beispiel für ein Treffen oder für Unterricht.

Das „Schorsch“ hat ja gesagt.
Die Moschee soll nur eine Regel beachten:
Die Tür ist für alle Menschen offen.
Die Leute von der Moschee fanden das am Anfang nicht gut.
Sie haben damals nicht verstanden:
Warum soll die Tür für alle offen sein?
Warum sollen Menschen dabei sein,
die nicht zum Islam oder
zu der Moschee gehören?
Das war eine ganz neue Idee für die Leute von der Moschee.

Die Leute vom „Schorsch“ haben die Regel aber sehr gut erklärt.
Später hat die Moschee dann gesagt:
Gut, dann sollen die Türen für alle offen sein.

Mehdi Aroui sagt:
„Ich finde es gut,
dass alles immer gut erklärt wird.
Und ich finde es wichtig,
dass jeder immer alle Informationen bekommt.
Alle Menschen sollen immer wissen,
was wir in der Moschee machen.
Deshalb haben wir auch eine Seite bei Facebook.
Dort können alle Menschen über unsere Gottes-Dienste lesen
und Bilder aus der Moschee sehen.“
Facebook ist ein Treff-Punkt im Internet,
wo man schreiben kann, was man wichtig und gut findet.

Mehdi Aroui möchte,
dass die Leute mehr miteinander reden.
Alle wissen jetzt:
Menschen haben nicht so viele Probleme,
wenn sie sich besser kennen und miteinander reden.

Mehdi Aroui macht jedes Jahr eine Veranstaltung.
Die Veranstaltung findet einmal im Jahr im „Ramadan“ statt.
„Ramadan“ ist der Fasten-Monat der Muslime.
Im Ramadan dürfen muslimische Menschen
den ganzen Tag nicht essen und trinken.
Abends dürfen die muslimischen Menschen
wieder essen und trinken.

Ramadan ist sehr wichtig für alle Muslime.
Viele Muslime machen jedes Jahr den Ramadan.
In der Moschee gibt es dann jeden Abend ein Fest.
Alle treffen sich und essen zusammen.
Die Leute vom „Schorsch“ sind dann auch immer dabei.
Obwohl sie keinen Ramadan feiern.

Mehdi Aroui sagt:
„Die Leute vom „Schorsch“ sind immer willkommen.
Sie sehen dann, dass wir alle sehr freundlich miteinander sind.
Auch wenn wir abends alle sehr viel Hunger haben.“

Mehdi Aroui weiß:
Viele Menschen in Deutschland haben
komische und falsche Ideen über den Islam.
Das nennt man:
Vorurteile haben.
Aber weil das „Schorsch“ und die Moschee gut zusammen arbeiten,
gibt es in Sankt Georg weniger Vorurteile.

Die Leute vom „Schorsch“ laden die Leute von der Moschee auch ein.
Zum Beispiel gehen sie zusammen einkaufen.
Dann kochen alle zusammen.
Und natürlich essen sie dann auch zusammen.

Heute geht Mehdi Aroui
mit Jugendlichen aus dem „Schorsch“ einkaufen.
Sie wollen Leben-Mittel für das Abendessen holen.
Er fährt zum Einkaufen zum „Stein-Damm“.
Der „Stein-Damm“ ist eine große Straße im Stadt-Teil Sankt Georg.
Dort kann man sehr gute Lebens-Mittel kaufen.

Petra Thiel sagt:
„Viele Menschen aus ganz Hamburg kommen nach Sankt Georg.
Sie sind gerne hier und mögen den Stadt-Teil.“
Ein Grund ist:
Sankt Georg ist in der Nähe vom Hamburger Haupt-Bahnhof.
Der Weg vom Haupt-Bahnhof nach Sankt Georg ist nicht weit.
Das finden die Leute gut.
Ein anderer Grund ist:
In Sankt Georg fühlen sich junge Menschen besonders gut.
Deshalb kommen die jungen Menschen gerne nach Sankt Georg.
Im „Schorsch“ sind etwa die Hälfte der Leute aus Sankt Georg.
Die andere Hälfte kommt aus anderen Stadt-Teilen.

Mehdi Aroui erinnert sich noch an seine Kindheit in Sankt Georg.
Viele Sachen sind noch genau so wie früher.
Seine Kinder gehen heute in die selbe Schule,
wie er früher.
Sie lernen in der Schule die arabische Sprache.
Als Kind hat Mehdi dort auch die arabische Sprache gelernt.
Seine Kinder gehen auch in die selbe Moschee,
wie Mehdi Aroui früher.

Nur das „Schorsch“, das ist neu.

Übersetzung in Leichte Sprache: Capito Hamburg

Autor:in
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig. Seit 2019 bei Hinz&Kunzt. Zunächst als Volontär, seit September 2021 als Redakteur.

Weitere Artikel zum Thema