Roma-Familie aus Bosnien : Abschiebung im zweiten Anlauf

Im zweiten Anlauf hat die Ausländerbehörde eine Roma-Familie nach Bosnien abgeschoben. Einen Monat zuvor hatte die Behörde die Abschiebung kurzfristig abgeblasen, nachdem sich zahlreiche Unterstützer am Flughafen einfanden.

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Mit all ihrem Hab und Gut erschien die Familie Seferovic früh am Morgen vor der Ausländerbehörde.

Auch der Protest zahlreicher Unterstützer verhinderte nicht, dass Freitag Morgen eine Familie aus Bosnien abgeschoben wurde. „In ihrer Heimat erhalten sie als Roma keine Hilfe. Die Familie landet in der Obdachlosigkeit“, sagt Zaklin Nastic, Abgeordnete der Linksfraktion in Eimsbüttel. Die 33-Jährige hatte die Familie Seferovic kurz nach ihrer Ankunft in der Flüchtlingsunterkunft Lokstedter Höhe im Juli 2014 kennengelernt und seitdem unterstützt.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat den Asylantrag abgelehnt“, sagt Norbert Smekal, Sprecher der Ausländerbehörde. Bosnien gilt als sicheres Herkunftsland. Das bedeutet, dass Asylanträge in der Regel abgelehnt werden. Seine Behörde sei daher verpflichtet, die Abschiebung durchzuführen. Dabei hatte die Innenbehörde noch Mitte Dezember gegenüber Hinz&Kunzt erklärt, dass man generell im Einzelfall prüfen wolle, ob humanitäre Gründe gegen eine Ausweisung sprechen.

Während Hamburg seinen harten Kurs beibehält, haben Schleswig-Holstein und Thüringen für die kalten Wintermonate einen Abschiebestopp in die Balkanstaaten, Afghanistan und die Ukraine beschlossen. Von einem „Zeichen der Humanität“ spricht der schleswig-holsteinische Innenminister Stefan Studt (SPD).

Die Hamburger Ausländerbehörde hingegen unternahm schon Anfang Dezember einen ersten Abschiebeversuch. Etwa 30 Unterstützer begleiteten damals die Familie Seferovic zum Hamburger Flughafen. Dort stellte sich heraus, dass die Abschiebung ausgesetzt werden muss: Der Vater der Familie ist chronisch krank und auf Medikamente angewiesen. Eine Abschiebung hätte von einem Arzt begleitet werden müssen.

Die vergangenen Wochen lebte die Familie Seferovic wieder in ihrer Flüchtlingsunterkunft. Über den erneuten Abschiebetermin wurde sie am 13. Januar informiert. Dieses Mal sollte sich die Familie in der Ausländerbehörde melden. Die Behörde wollte dadurch erneuten Protesten am Flughafen aus dem Weg gehen.

Tatsächlich erschien die Familie Seferovic am Freitag pünktlich in der Ausländerbehörde. „Wir haben schreckliche Angst, dass die Polizei uns sonst einfach irgendwann nachts abholt und abschiebt“, sagte die 23-jährige Mutter. Anschließend sollte die Familie zum Hamburger Flughafen transportiert werden. Aber etwa 70 Unterstützer blockierten die Straße. Mit Pfefferspray und Knüppeln ging die Polizei gegen sie vor und räumten den Weg frei.

Welche Perspektiven die Familie in Bosnien hat, ist Behördensprecher Smekal nicht bekannt. Fest steht: Der 25-jährige Familien Vater wird nur während der Reise von einem Arzt begleitet und mit Medikamenten versorgt. Eine ärztliche Versorgung in seiner Heimat ist längst nicht sichergestellt. „Sie wollen sich bei mir melden, wenn sie ankommen“, sagt Zaklin Nastic.

Text: Jonas Füllner
Foto: Jonas Walzberg

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