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Heute kein Test-Projekt mehr

Benny lebt seit zwei Jahren auf Hamburgs Straßen. Jetzt zieht er endlich wieder in eine eigene Wohnung. Foto: Mauricio Bustamante
Benny lebt seit zwei Jahren auf Hamburgs Straßen. Jetzt zieht er endlich wieder in eine eigene Wohnung. Foto: Mauricio Bustamante
Benny lebt seit zwei Jahren auf Hamburgs Straßen. Jetzt zieht er endlich wieder in eine eigene Wohnung. Foto: Mauricio Bustamante

„Housing First“ ist Englisch.
Es bedeutet: „Wohnung zuerst.“
Obdachlose bekommen zuerst eine Wohnung,
alle anderen Hilfen danach.
Seit einem Jahr gibt es das ganz normal in Hamburg.
Die Idee ist sehr gut und hilft.
Leider gibt es zu wenig Wohnungen.

Endlich eine eigene Wohnung

Heute Morgen ist Benny in seinem Zelt aufgewacht.
Benny ist 33 Jahre alt.
Benny hat sein Zelt im Süden von Hamburg aufgestellt.
Er hat gut aufgepasst,
dass niemand ihn sieht.
Benny möchte seinen Schlafplatz geheim halten.
Er möchte dort noch einige Nächte ruhig schlafen.
Und der sichere Ort soll dann für einen Bekannten sein.
Benny braucht das Zelt bald nicht mehr.
Denn Benny kann bald in seiner eigenen Wohnung schlafen.

Benny hat die Wohnung durch ein Hilfs-Angebot bekommen. Das Hilfs-Angebot heißt „Housing First“.
„Housing First“ ist Englisch und bedeutet: „Wohnung zuerst“.
In Deutschland ist das noch ein neues Angebot.
Die Idee ist einfach:
Obdachlose bekommen zuerst eine eigene Wohnung
und einen ganz normalen Miet-Vertrag.
Danach können sie weitere Hilfe bekommen.
Zum Beispiel:

  • Hilfe bei Ämtern.
  • Hilfe bei einer Sucht.
  • Hilfe bei Schulden.

Diese Hilfen sind dann freiwillig.

„Housing First“ ist anders als viele Hilfs-Angebote.
Bei vielen Hilfs-Angeboten leben Obdachlose in einer Unterkunft.
Dort müssen sie zeigen,
dass sie auch in einer eigenen Wohnung leben können.
Erst danach können sie eine eigene Wohnung suchen.
Das klappt aber nicht immer.

Das finnische Modell

Das Land Finnland hat vor fast 20 Jahren sein Hilfs-System geändert.
Man hat dort obdachlosen Menschen
zuerst eine Wohnung gegeben.
Das hat in Finnland sehr gut geklappt.
Es gibt dort heute viel weniger Obdachlose und Wohnungslose.
Dieser Erfolg ist inzwischen in vielen Ländern bekannt.
Auch die Länder der Europäischen Union wollen,
dass bis zum Jahr 2030 niemand mehr obdachlos sein muss.
Auch Hamburg möchte über „Housing First“ helfen.

Nicht für alle

Seit vier Jahren gibt es auch in Hamburg „Housing First“.
Die Stadt arbeitet dafür mit Hilfs-Einrichtungen zusammen.
Sie geben Obdachlosen eine eigene Wohnung.
Das Angebot ist vor allem für Menschen gedacht,
die schon lange auf der Straße leben.
Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein und
mindestens ein Jahr in Hamburg auf der Straße gelebt haben.

Die Menschen müssen auch staatliche Hilfe haben dürfen.
Manche Menschen können das Angebot deshalb nicht nutzen,
zum Beispiel manche Menschen aus Südost-Europa.
Sie kommen oft zum Arbeiten nach Deutschland.
Sie arbeiten auf Baustellen oder Feldern,
oft bekommen sie aber keinen Arbeits-Vertrag.
Diese Menschen verlieren dann ihre Wohnung.
Aber sie bekommen auch keine Wohnung mit „Housing First“.

Heute ein festes Angebot

Die Stadt Hamburg hat das Projekt für drei Jahre bezahlt.
Das Projekt war ein Test-Projekt.
Die Stadt wollte testen:
Hilft „Housing First“ auch in Hamburg?
Schnell war klar:
Ja, das Projekt klappt auch in Hamburg.
Menschen konnten in 36 Wohnungen einziehen.
Im September 2025 hat die Stadt aus dem Test-Projekt
ein festes Hilfs-Angebot gemacht.
Das hat es vorher in Deutschland noch nie gegeben.

Nach einem Jahr sagt heute die Sozial-Behörde:
Das feste Hilfs-Angebot klappt sehr gut.
Auch Nina Behlau sagt das,
sie leitet „Housing First Hamburg“.
Sie sagt:
„Die Zusammenarbeit mit der Sozial-Behörde
war von Anfang an sehr gut.
Auch die Zusammenarbeit mit anderen Fach-Stellen,
und die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter war sehr gut.
Das ist bis heute so.“
Darüber ist Nina Behlau sehr froh.

Das feste Hilfs-Angebot hat auch einen Nachteil.
Die Arbeit ist bürokratischer geworden.
Das bedeutet:
Es gibt mehr Regeln und mehr Papier-Arbeit.
Denn das Sozial-Gesetz verlangt:
Die neuen Mieter müssen ein wenig mitarbeiten.

Die Stadt muss die Namen der neuen Mieter kennen.
Sie unterschreiben auch eine Vereinbarung mit dem Projekt.
Denn wer auch nach einem Jahr noch Hilfe braucht,
soll Hilfe erhalten können.
Dann erstellt das Team einen Hilfe-Plan.
Der Hilfe-Plan muss alle sechs Monate erneuert werden.

Nina Behlau hatte deshalb zuerst etwas Angst,
dass „Housing First“ für die Menschen schwieriger wird.
Bisher gibt es damit aber keine Probleme.
Die Mieter kommen mit den neuen Regeln gut zurecht.
Das Wichtigste bei „Housing First“ ist geblieben:
Die Mieter entscheiden selbst über die Hilfe.
Und die Hilfe ist freiwillig.
Das hat die Sozial-Behörde auch in die Regeln geschrieben:
„Die Hilfe für die Mieter ist freiwillig.“

Klare Hilfen für Benny

Benny lebt seit zwei Jahren auf der Straße in Hamburg.
Benny hat schon als Jugendlicher auf der Straße gelebt.
Er ist durch Deutschland und Europa gereist.
Er hat immer wieder einen Platz zum Schlafen gefunden.
Dann hat Benny wieder auf der Straße gelebt.
Jetzt bekommt Benny Hilfe von „Housing First Hamburg“.
Benny fühlt sich dort willkommen.

Benny sagt:
„Ich muss nicht alles schnell machen.“
Er kann sich Zeit nehmen und überlegen:

  • Welche Hilfe brauche ich?
  • Welche Wohnung passt zu mir?

Benny hat früher in einer anderen Stadt in einem Wohnheim gelebt.
Dadurch hatte er zwar ein Dach über dem Kopf,
aber er bekam keine weitere Hilfe.
Dann hat er es nicht alleine geschafft,
in eine eigene Wohnung zu ziehen.
Dafür braucht er mehr Hilfe.

Das neue Hilfs-Angebot in Hamburg ist für Benny ganz anders.
Ein Bekannter hat ihm von dem Angebot erzählt.
Benny hat danach jeden Tag auf der Internet-Seite nachgesehen.
Dann gab es eines Tages freie Plätze.
Benny hat sofort angerufen.
Er bekam einen Termin für ein erstes Gespräch.
Kurz danach konnte Benny seine neue Wohnung ansehen.
Benny hat sofort gedacht:
„Ja, diese Wohnung gefällt mir.“

Benny kann bald sein Zelt gegen eine richtige Wohnung tauschen.
Und er bekommt dabei Unterstützung.
Das ist für ihn sehr wichtig.
Er hat viel auf der Straße gelebt.
Deshalb weiß er viele Dinge rund um einen Umzug nicht:

  • Welche Papiere muss ich besorgen?
  • Zu welchem Amt muss ich gehen?
  • Wo kann ich Geld für Möbel beantragen?
  • Wo muss ich den Strom anmelden?

Benny sagt:
„Ich weiß einfach nicht, wo ich anfangen soll.“

Anspruch auf Hilfen

„Housing First“ ist jetzt eine gesetzliche Leistung.
Das bedeutet:
Menschen wie Benny haben jetzt einen Anspruch auf Hilfe.
Auch wenn Hamburg weniger Geld dafür hat.
Die Hilfe kann die Stadt nicht einfach streichen.
Das gibt den Menschen und dem Projekt mehr Sicherheit.

Auch für Vermieter ist das wichtig.
Sie wissen,
dass das Angebot bleibt und die Miete gezahlt wird.
Das ist wichtig für die Hilfs-Einrichtungen.
Denn suchen nach Wohnungen für die Menschen.
Und sie müssen die Vermieter überzeugen,
damit die Vermieter ihre Wohnungen an Obdachlose vermieten.

Das wird aber immer schwieriger.
Denn es gibt nur wenige freie Wohnungen.
Viele Menschen suchen eine Wohnung.
Besonders kleine Wohnungen sind sehr gefragt,
Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern.

Zu wenige Wohnungen überall

Auch Nina Behlau und ihre Kollegen wissen das.
Das Team von „Housing First Rautenberg“ wissen das auch.
Auch „Housing First Rautenberg“ arbeitet mit Hamburg zusammen.
Anna-Lena Ouarzazi arbeitet bei dem Projekt.
Sie sucht Wohnungen für obdachlose Menschen.
Sie sagt:
„In Hamburg suchen viele Menschen nach kleinen Wohnungen.
Wir brauchen diese Wohnungen für unser Angebot.
Aber wir finden solche Wohnungen kaum noch.“

Isgard Klein arbeitet als Sozial-Arbeiterin bei dem Projekt.
Sie erklärt:
„Wir können keine neuen Menschen aufnehmen,
wenn wir keine Wohnungen haben.“
Für „Housing First“ sind freie Wohnungen sehr wichtig.

In Hamburg leben fast 4000 Menschen ohne Wohnung.
Wie vielen Menschen „Housing First“ helfen kann,
liegt vor allem von freien Wohnungen.
Die Hilfs-Einrichtungen müssen genug Wohnungen finden.
Der Anspruch auf Hilfe gilt für die Unterstützung durch Sozial-Arbeiter.
Der Anspruch gilt aber nicht für eine Wohnung.

Die Einrichtungen arbeiten mit verschiedenen Vermietern zusammen.
Das sind private Vermieter,
aber auch große Wohnungs-Unternehmen und Genossenschaften.
Auch die Wohnungs-Gesellschaft von Hamburg SAGA gehört dazu.
Die Stadt Hamburg sagt nicht,
wieviele Wohnungen für „Housing First“ sein sollen.
Das soll auch in Zukunft so bleiben,
sagt die Sozial-Behörde von Hamburg.

Keine Stiftung für Hamburg

In Finnland gibt es „Housing First“ schon seit den 1980er-Jahren.
In Städten wie Helsinki und Espoo haben damals
verschiedene Gruppen zusammengearbeitet.
Dazu gehörten Kirchen und andere Hilfs-Einrichtungen.
Sie alle gründeten zusammen die Stiftung „Y-Säätiö“,
das heißt auf Deutsch: „die Y-Stiftung“.

Heute ist „Y-Säätiö“ die größte Wohnungs-Gesellschaft in Finnland.
Die Stiftung gibt viele Wohnungen für „Housing First“.
So eine Stiftung wird es in Hamburg wohl nicht geben.
Die Sozial-Behörde sagt,
dass Hamburg schon den Bau von neuen Wohnungen fördert.
Hamburg hat auch eigene Wohnungs-Unternehmen,
zum Beispiel die SAGA und „Fördern & Wohnen“.
Hamburg arbeitet auch mit Wohnungs-Unternehmen zusammen.
Die Unternehmen sollen Wohnungen für Menschen geben,
die nur schwer eine Wohnung finden.
Das gilt aber nicht besonders für „Housing First“.
Die Sozialbehörde sagt trotzdem:
Hamburg braucht keine Y-Stiftung wie in Finnland.
Hamburg schafft das auch ohne eine neue Stiftung.

Sehr gute Erfahrungen

Die Erfahrungen mit „Housing First“ in Hamburg sind gut.
Deshalb sind mehr Angebote für „Housing First“ sicher gut.
Seit dem Jahr 2022 haben in Hamburg 48 Menschen
Wohnungen über „Housing First“ bekommen.
Nur eine Person musste die Wohnung wieder räumen.
Zwei andere Mieter sind aus persönlichen Gründen umgezogen.
Bei „Housing First Rautenberg“ sind die Erfahrungen ähnlich.
Die Sozial-Arbeiterin Isgard Klein sagt:
„Wir haben 17 Menschen in Wohnungen untergebracht.“
Eine Person wollte nach Berlin ziehen.
Eine andere Person wollte in ein anderes Land ziehen.
Alle anderen Menschen leben noch immer in ihren Wohnungen.

Benny empfiehlt „Housing First“ jedem obdachlosen Menschen.
Er sagt sehr sicher:
„Housing First“ kann auch anderen Obdachlosen helfen.
Aber so was von.“

Übersetzung in leichte Sprache: Grone barrierefrei

Autor:in
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Seit 2021 Redakteur und stellv. CvD. Vorher Volontariat bei Hinz&Kunzt und Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig.

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