Neues Containerdorf als Winternotprogramm : 250 Schlafplätze für Obdachlose

Der Bezirk Mitte hat Ersatz für das Winternotprogramm gefunden: Weil die Unterkunft in der Spaldingstraße abgerissen wird, sollen Obdachlose stattdessen in Containern an der Amsinckstraße schlafen. Hinz&Kunzt begrüßt, dass frühzeitig eine Zwischenlösung gefunden wurde.

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2011 wurde in der Spaldingstraße 1 ein Winternotquartier eröffnet. Nach drei Wintern ist Schluss. Das Gebäude wird abgerissen.

Jetzt ist klar, wo Obdachlose im Winter unterkommen sollen. An der Ecke Amsinckstraße / Grüner Deich ist ein Containerdorf mit rund 250 Plätzen geplant. Das erklärte Bezirksamtsleiter Andy Grote im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Die neue Unterkunft befindet sich noch im Genehmigungsverfahren. Die Pläne werden zudem der Bezirksversammlung vorgestellt. Einer Zustimmung dürfte allerdings nichts mehr im Wege stehen: Denn im Bezirk Mitte besitzen SPD und Grüne eine deutliche Mehrheit. Auch die Anwohner sollen demnächst informiert werden. „Wir freuen uns, dass es dem Bezirk Mitte gelungen ist, frühzeitig neue Unterkunftsplätze für das Winternotprogramm zu finden“, sagt Hinz&Kunzt Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer.

In den vergangenen Wintern bot ein ehemaliges Bürogebäude in der Spaldingstraße 1 Platz für 230 Obdachlose. Der städtische Unterkunftsbetreiber Fördern & Wohnen hatte das Gebäude extra dafür hergerichtet. Doch inzwischen steht fest: Das Gebäude ist so marode, dass es abgerissen werden muss.

Dass jetzt Container als Ersatz dienen, „ging nicht anders, weil man ja nicht Jahre im Voraus wusste, wann man das Haus nicht mehr würde nutzen können“, sagt Grote. „Ziel ist natürlich, mittelfristig einen neuen Ort für das Winternotprogramm zu finden. Mit einer festen baulichen Struktur und zentral.“

Laut Grote hat der Bezirk in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden bereits weitere Flächen und Gebäude in der engeren Auswahl, die perspektivisch als Notunterkunft dienen könnten. Darüber hinaus will der Bezirk erneut die ehemalige Schule in der Weddestraße in Horn zur Verfügung stellen. Dabei sollen von Anfang an alle 190 Plätze bereit stehen. Auch die ehemalige Schule in Hammer Straße steht nach Angaben der Sozialbehörde weiterhin leer und könnte damit erneut für das Winternotprogramm genutzt werden.

Ein großer Erfolg. Denn damit steht bereits im Juli fest, dass die Stadt in einem ähnlichen Umfang wie im vergangenen Winter Plätze bereitstellt. „Diese Nachricht wird bei allen Verantwortlichen, aber auch bei sozialen Trägern für Erleichterung sorgen“, so Karrenbauer. „Ein Problem bleibt allerdings bestehen: Inzwischen gelingt es kaum noch, Menschen aus dem Winternotprogramm in Wohnungen zu vermitteln. Die Bezirke und der Senat müssen sich endlich dieser Baustelle annehmen und einen Plan entwerfen, wie es gelingt, dass nicht immer mehr, sondern weniger Menschen auf der Straße leben müssen.“

Text: Jonas Füllner

Foto: Mauricio Bustamante

 

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