Wagengruppe am Ziel : Zomia ist in der Schanze

Die Wagengruppe Zomia ist auf der Brammer-Fläche im Schanzenviertel angekommen. Ein monatelanges Gezerre kommt damit zu einem versöhnlichen Ende. Die Zomianer freuen sich auf ihre neuen Nachbarn. „Tag des offenen Wagens“ geplant. 

Seit dem 7. Juli hat die Wagengruppe Zomia ein Zuhause in der Schanze gefunden – zunächst bis Februar 2014.

Sie sind angekommen. Endlich. Lange hat die Wagengruppe Zomia um ihren Platz auf der Brammer-Fläche mitten in der Schanze gekämpft. Seit vergangenen Samstag nun stehen die ersten Bauwagen auf dem Areal, das bislang als Parkplatz von einem Abschleppunternehmen genutzt wurde. Bis mindestens Februar 2014 dürfen sie nun vor Ort bleiben.

Bewohnerin Juliane: „Wir freuen uns, dass wir uns nun endlich auf unser Projekt konzentrieren können.“ Dem Umzug waren lange Verhandlungen mit dem zuständigen Bezirksamt Altona und der Finanzbehörde als Eigentümerin des Grundstücks vorangegangen (Hinz &Kunzt berichtete).

Besonders um die Höhe der Miete waren sich die Parteien lange uneins. „Wir haben uns nun auf einen Preis geeinigt, mit dem wir leben können“, sagt Juliane. Da noch nicht alle Details geklärt sind, wollen die Zomianer keine konkreten Zahlen nennen. Es gilt aber als sicher, dass sich der Preis im Rahmen der anderen fünf Bauwagenplätze in Hamburg bewegt: dort sind monatlich zwischen 80 und 130 Euro fällig.

Wichtiger als finanzielle Fragen ist den Bewohnern der gute Kontakt zu ihren neuen Nachbarn. In einem Handzettel haben sich die 15 Bewohner vorgestellt. „Wir freuen uns jederzeit über einen Besuch unserer neuen Nachbarn und Nachbarinnen!“, heißt es in dem Flyer, der mit „herzlichen Grüßen“ unterschrieben ist.

Mit dem direkten Gegenüber, dem Beach Club „Central Park“, klappt die Kommunikation bereits bestens: „Wir gehen dort auf die Toilette und bekommen Strom“, sagt Juliane. Erfreut sind die Bewohner über die durchweg positive Reaktion von Anwohnern und Passanten. „Uns haben schon Leute angeboten, dass sie uns mit Hammer und Nägeln beim Bauen unterstützen“, sagt Juliane.

Sie wollen so viel wie möglich selbst machen, dem Bezirk nicht auf der Tasche liegen. Geplant sind etwa Kompostklos. Weitere Hindernisse sind nicht zu erwarten: Der von der Gruppe eingereichte Bebauungsplan wurde vom Bezirksamt genehmigt.

„Sobald wir uns sortiert haben, wollen wir einen Tag der offen Tür und des offenen Wagens feiern“, sagt Juliane. Schließlich geht es den Zomianern nicht nur um ihren persönlichen Traum vom selbstbestimmten Leben – sie wollen Nachbarn und Interessierte einbinden: eine Volksküche einmal im Monat gibt es schon, darüber hinaus sind Lesungen und Konzerte geplant.

Zuletzt vermittelte SPD-Politiker Mark Classen zwischen dem Bezirk und den Bewohnern. Sein ehemaliger Parteikollege und Bezirksamtsleiter Markus Schreiber hatte die Wagenbewohner einst von ihrer Fläche in Wilhelmsburg vertrieben. Umso bemerkenswerter klingen nun Classens Worte: Er wünscht den Zomianern „viel Spaß auf der Brammer-Fläche.”

Text und Foto: Simone Deckner

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