Mit Hinz&Künztler Fred stirbt ein Urgestein. Außerdem im Newsletter: Wie die Notunterkunft Pik As zum „Ort der Wertschätzung“ werden soll.
Moin,
Seit ich bei Hinz&Kunzt bin, war Fred immer da. Jeden Morgen begrüßte er mich, zwar oft etwas grimmig, aber nie unfreundlich am Kaffeetresen. Früher machte Fred Platte am Michel, vor einigen Jahren ist er ins Hinz&Kunzt-Haus gezogen und uns damit noch näher gewesen als ohnehin schon.
Jetzt grüßt Fred nicht mehr. Er ist gestorben, einfach umgekippt am Bahnhof Berliner Tor. Fred wurde nur 62 Jahre alt – und erinnert uns damit schmerzhaft daran, dass das Leben auf der Straße Spuren hinterlässt, die auch dann noch wirken, wenn die Menschen wieder eine Wohnung gefunden haben. Viel zu viele Wegbegleiter:innen haben uns in den vergangenen Jahren viel zu jung verlassen. Freds Tod nahm meine Kollegin Annette Woywode zum Anlass, sein Leben in einem ausführlichen Nachruf zu würdigen. Sie finden ihn im aktuellen Magazin (hier online).
Immerhin hatte Fred wieder eine Wohnung, als er starb. Viele haben dieses Glück im Unglück leider nicht. Daran hat die Stadt auch bei der Renovierung der Notunterkunft „Pik As“ in der Neustadt gedacht: Dort entstand auch ein Haus mit 33 sogenannten Lebensplätzen für alte oder kranke Obdachlose, die wohl nie wieder in eine normale Wohnung ziehen werden. Müssen Sie auch nicht: Einen Lebensplatz behält man bis zum Lebensende.

Darüber habe ich mit der zuständigen Bereichsleiterin des Betreibers Fördern & Wohnen gesprochen. „So zu leben hat eine ganz andere Wirkung auf die Bewohner. Es nimmt ihnen den Druck, weil sie sich nicht mehr um Leistungsbescheide und dergleichen kümmern müssen“, sagte mir Ina Ratzlaff. „Es geht nicht mehr darum, unbedingt ausziehen zu müssen, sondern wir wollen, dass die Menschen sich zu Hause fühlen.“
Welche Änderungen die Pik-As-Renovierung noch mit sich bringt und wie die berühmt-berüchtigte Unterkunft zum „Ort der Wertschätzung“ werden soll, erfahren Sie im Interview (gedruckt oder hier online).
Fred hat übrigens nicht nur bei uns Eindruck hinterlassen, sondern auch an seinem Verkaufsplatz auf dem Wochenmarkt in Ahrensburg. Kund:innen haben ein Foto von ihm und eine Kerze aufgestellt, ein Ehepaar schrieb uns eine Trauerkarte. Ein Auszug: „Der liebe Fred war uns ans Herz gewachsen, fast jeden Sonnabend hat er für uns das Wochenende eingeläutet. Früh morgens unter dem Gekrächze der in den Bäumen nistenden Dohlen und Krähen. Ein kleiner Klönschnack mit Sinn und Verstand, aber auch mit Humor… Fred hat uns sehr viel Frohsinn bereitet.“
In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!
Ihr Benjamin Buchholz
Hinz&Kunzt Randnotizen
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