„Der Bunker hat mir das Leben gerettet“

Viele würden das Ungetüm von Wilhelmsburg lieber heute als morgen dem Erdboden gleichmachen. Eine nicht: Rose Radtke

(aus Hinz&Kunzt 186/August 2008)

Zum Ende hin darf sie mit Schuhen ins Bett. Deckt sich zu, versucht ein wenig Schlaf zu finden, bis zum nächsten Voralarm. Ertönt der, springt sie auf, ist schneller drüben beim Hochbunker als ihre Mutter mit den zwei Geschwistern. Immer mit dabei ist der kleine Rucksack mit den wichtigsten Papieren, mit ein wenig Wäsche. Auch im Bunker weiß sie genau, wo sie hin muss: Jede Familie hat ihren festen Platz auf einer der langen Holzbänke in einem der großen, selbstverständlich fensterlosen Säle. Als der Krieg endlich aus ist, ist Rose Radtke gerade mal fünf Jahre alt.

Safari im Hafen

Kulturprojekt auf Industriebrachen: Am Reiherstiegkanal geht es einen Monat lang um Kunst und Veränderung

(aus Hinz&Kunzt 174/August 2007)

Rolf Kellner schaut auf den frisch gedruckten Flyer: Die Grafikerin hat ihn mit der Silhouette eines Autos gestaltet. Dabei wollte Kellner doch einen Reiher. Kellner ist einer der Initiatoren der Kunsttour. Und die schaut in diesem Jahr am Reiherstieg-Kanal nach Beute aus. Vor allem dort, wo der Kanal in der Nähe des Krankenhauses Groß Sand einen Bogen macht.

Lenka Claytons Nahaufnahmen

Für „10° Kunst: Wilhelmsburger Freitag“ porträtiert die englische Künstlerin 163 Menschen, die in einer Ausgabe des örtlichen Wochenblatts genannt wurden

(aus Hinz&Kunzt 175/September 2007)

Eins liebt Lenka Clayton besonders an ihrer Arbeit: „Dass ich fremde Menschen ansprechen und ihnen Fragen stellen kann, die man normalerweise nicht stellt“, sagt die 30-jährige Künstlerin und Dokumentarfilmerin. „Diese Grenzen zu überschreiten finde ich total aufregend.“ Ihrer Lieblingstätigkeit geht die Engländerin bei ihrem neuesten Projekt in Wilhelmsburg nach: Sie porträtiert 163 Menschen, die in einer Februar-Ausgabe des Wilhelmsburger Wochenblattes namentlich genannt wurden.

Manege frei für Integration

Stadtteilarbeit mit Springseil und Diabolo: der Zirkus Willibald in Wilhelmsburg

(aus Hinz&Kunzt 144/Februar 2005)

Nur knapp verfehlt der kreiselnde Teller das kunstvoll geschwungene Seidentuch und findet seine Balance wieder, während die Luft vibriert vor Hula-Hoop-Reifen. Im Zauberschrank scheint eine Elfjährige mehrmals durchtrennt worden zu sein, kommt dann aber wohlbehalten wieder hervor. Ein ziemlich buntes Bild, das sich bei der Aufführung der Kinder des Zirkus Willibald an diesem Nachmittag bietet. Nachdem auch der begeisterte Applaus für die slalomfahrenden Einradfahrer abebbt, kehrt im Bürgerhaus Wilhelmsburg langsam Ruhe ein. Ein voller Erfolg!

Zirkus Willibald entstand als Klassenprojekt an der Gesamtschule Wilhelmsburg, bald jedoch beteiligte sich die ganze Schule. Mittlerweile hat sich der Kinderzirkus in Kooperation mit dem Bürgerhaus Wilhelmsburg zu einem Stadtteilprojekt ausgeweitet – mit rund 80 Kindern zwischen sechs und 13 Jahren. Die Schüler nehmen den Kurs als Nachmittagsangebot ihrer Schule wahr und stellen etwa die Hälfte der Teilnehmer. Die anderen Kinder aus dem Stadtteil zahlen monatlich einen kleinen Beitrag. Seit 2001 arbeitet der Zirkus auch eng mit den Häusern der Jugend auf der Elbinsel zusammen, in denen weitere Zirkusgruppen initiiert wurden. Die Gruppen entwickeln jeweils eigene Nummern, die dann für Auffüh-rungen zu einem Programm zusammengefügt werden.

Jedes Schuljahr stoßen neue Kinder dazu, die sich zunächst mit Zirkusgrundtechniken vertraut machen. Nach einigen Monaten Probephase beginnt im Dezember die eigentliche Zirkussaison, deren Höhepunkt die Präsentation des Gesamtprogramms im Frühjahr ist.

Um bei Kindern Kultur und Bewegung anzuregen, hatte der Lehrer Wilhelm Kelber-Bretz das Projekt 1993 ins Leben gerufen; auch jetzt noch ist er Hauptverantwortlicher und wird von ehrenamtlichen Helfern unterstützt. „Kinder brauchen Bewegung, die nicht nur die Motorik verbessert, sondern auch das Selbstbewusstsein stärkt“, so Kelber-Bretz. Die Kinder gestalten das Programm mit. „So können sie ihre Ideen auf die Bühne bringen und Erlerntes als Teil einer Gruppe vor Publikum präsentieren.“

Ziel sei es nicht, „Höchstleistungen zu vollbringen“, sondern spielerisch die körperlichen, sozialen und sprachlichen Fähigkeiten der Kinder zu fördern, erläutert Kelber-Bretz weiter. Das Projekt führt Kinder unter-schiedlichster Herkunft zusammen. In Wilhelmsburg, wo Familien aus mehr als 20 Nationen leben, trägt Zirkus Willibald zur Integration von Kindern ausländischer Herkunft bei und bringt deutschen Kindern die kulturelle Vielfalt ihrer Nachbarschaft näher.

Der Zirkus finanziert sich fast ausschließlich aus Spenden und Preis-geldern. 2004 zum Beispiel wurde er beim bundesweiten Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ mit 3000 Euro ausgezeichnet. Das Geld wird wohl vor allem für die Anfertigung eines Willibald-Kostüms verwendet – die Figur soll in Zukunft durch das Programm führen.

Bekannt ist Willibald bereits aus einem Comic, der seit Frühjahr 2002 monatlich im Wilhelmsburger Inselrundblick erscheint. Gezeichnet werden die Strips übrigens von Bernd und Roswitha Stein. Bernd Stein schuf für Hinz&Kunzt früher den „Hamburg City-Blues“. Der Willibald im Comic agiert nicht nur im Zirkus, sondern greift allgemeine und stadtteilspezifische Probleme von Kindern auf. Die Ideen zu den Abenteuern, die Willibald in Wilhelmsburg erlebt, entwickeln die Kinder teilweise sogar selbst.

Auch diese Idee stammt von einer Schülerin: „Wir starten durch!“ stand auf der Einladung, als die Comics im vergangenen Jahr ausgestellt wurden. Wir starten durch – das könnte glatt die Devise dieses Projektes sein.

Rebecca Ntim

Pascal Finkenauer beim Dockville

Morgen spielt der rockende Pop-Poet beim Wilhelmsburger Musikfestival

“Foto:

In der aktuellen Hinz&Kunzt-Ausgabe stellen wir Pascal Finkenauer vor, den Musiker mit den weichen Tönen und den harten Texten.
Am morgigen Sonntag, 16. August, ist er beim Dockville-Festival auf der „Dorfbühne“ zu sehen – ab 19.50 Uhr.

Mehr Informationen über das Festival, wo das ist, was das ist und wie man noch an Tickets kommt, gibt´s hier: www.dockville.de
Mehr über Pascel Finkenauer auf seiner Homepage.

Als Vorgeschmack: Finkenauers Lied „Vorbei“.

Die neue Hinz&Kunzt ist da!

Ab morgen bei unseren Verkäufern auf Hamburgs Straßen und Plätzen erhältlich: die neueste Ausgabe unseres Straßenmagazins. Diesmal drin: Ein großes Sommerrätsel, exklusiv von einer Hamburger Rätselbande für Hinz&Kunzt. Die 21 Fragen haben es ganz schön in sich. Aber es lohnt sich, den Kopf zum Rauchen zu bringen: Es gibt tolle Preise zu gewinnen. Unser Tipp: Rätseln Sie nicht alleine vor sich hin, sondern tun Sie sich mit Freunden, Nachbarn oder der Familie zusammen. Viel Erfolg!

Das dürfen Sie außerdem nicht verpassen:

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Eine Spurensuche im Billstedter Quartier Sonnenland, das mit

Bandenterror und polizeilicher Soko Schlagzeilen machte.

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Unsere Zahlen des Monats: 15.000 Hamburger Haushalten

wurde im vergangenen Jahr der Strom abgestellt!

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Die Geschichte von Dien, der als Kind im Vietnamkrieg schwer verletzt wurde.

Terre des hommes holte ihn zur Behandlung nach Hamburg.

Doch als Elfjähriger musste er wieder in sein Ursprungsland – schon damals für ihn keine Heimat mehr.

Die Schriftstellerin Bruni Prasske hat seine Geschichte aufgeschrieben.

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Ein Interview mit Schriftsteller Feridun Zaimoglu

Er hilft jetzt Jugendlichen aus Wilhelmsburg,

die Geschichte ihres Lebens auf die Bühne zu bringen.

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Unsere Veranstaltungstipps: Für die Familie, auf der Bühne

oder musikalisch – 20 Highlights im Juni.

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Viel Spaß mit der neuen Hinz&Kunzt und vor allem beim Rätseln.

Ihr Hinz&Kunzt-Team