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Sind manche Hunde immer gefährlich?

Ein weißer Hund schaut durch Gitterstäbe hindurch
Ein weißer Hund schaut durch Gitterstäbe hindurch
Jonny ist eine Amerikanische Bulldogge und war bis vor Kurzem im Tierheim des Hamburger Tierschutzvereins untergebracht. Foto: Imke Lass

In Hamburg dürfen Menschen bestimmte Hunde nicht halten.
Man darf diese Hunde auch nicht an andere Menschen weitergeben.
Deshalb leben manche Hunde viele Jahre in einem Tierheim.

Hunde im Tierheim

Pablo hat hell-braunes Fell mit weißen Flecken.
Pablo ist eine Mischung aus 2 Hunde-Rassen.
Die Rassen heißen American Staffordshire Terrier und Pitbull-Terrier.
Pablo ist 5 Jahre alt.
Seit 2 Jahren und 6 Monaten lebt er im Tierheim.
In der Beschreibung vom Tierheim steht:
„Pablo ist freundlich zu Menschen, die er gut kennt.
Bei fremden Menschen ist er unsicher.“

Latischa ist eine ältere Hündin mit viel Energie.
Seit dem Frühling lebt sie im Tierheim.
Latischa hat Probleme mit der Hüfte.
Deshalb braucht sie Schmerzmittel.
Sie braucht auch Physio-Therapie.
Das sind besondere Übungen für ihren Körper.

Balu hat weißes und graues Fell.
Er ist 8 Jahre alt und lebt schon 6 Jahre im Tierheim.
Balu möchte manche Menschen nicht verlassen.
Er kann auch eifersüchtig sein.
Er liebt es, mit vertrauten Menschen zu kuscheln.
Das Tierheim nennt ihn deshalb „eine liebevolle Schmusebacke“.

Pablo, Latischa und Balu sind 3 von 41 besonderen Hunden im Tierheim.
Die Hunde heißen „Listen-Hunde“.
Vielleicht müssen diese Hunde für immer im Tierheim bleiben.
Das Tierheim liegt im Stadtteil Hamm von Hamburg.

Das Gesetz von 2006

Das Hamburger Hunde-Gesetz von 2006 sagt:
„Vier Hunde-Rassen gelten immer als gefährlich.
Menschen dürfen diese Hunde in Hamburg nicht halten.“
Janet Bernhardt sagt:
„Die Hunde stehen auf einer Liste für gefährliche Hunde.
Deshalb nennt man sie „Listen-Hunde“.
Deshalb können die Hunde auch nicht aus dem Tierheim heraus.“
Janet Bernhardt leitet den Hamburger Tierschutz-Verein.
Das Tierheim gehört dem Hamburger Tierschutz-Verein.

Aber manche Menschen halten diese Hunde-Rassen trotzdem.
Man kann solche Hunde leicht bekommen.
Man kann die Hunde im Internet kaufen.
Manche Menschen verkaufen die Hunde direkt in Hamburg.
Auch wenn das klar verboten ist.

Janet Bernhardt sagt:
„Zum Beispiel in der Eiffestraße,
dort kann man junge Hunde einfach so kaufen!
Die Verkäufer behaupten zum Beispiel,
dass die Hunde eine Mischung aus Boxer und Labrador sind.
Aber man kann schnell sehen,
dass die Hunde zu den verbotenen Hunde-Rassen gehören.“

35 Euro jeden Tag für einen Hund

Manchmal erfahren die Behörden von der Stadt,
dass jemand einen verbotenen Hund hält.
Zum Beispiel wenn der Kontroll-Dienst für Hunde in Hamburg
einen Hund auf der Straße entdeckt.
Oder die Polizei findet den Hund in einer Wohnung.
Dann nehmen die Behörden den Hund weg.

Der Hund darf nicht mehr bei seinem Besitzer bleiben.
Der Hund kommt dann in das Tierheim vom Hamburger Tierschutz-Verein.
Die Stadt bezahlt dann für den Hund.
Jeden Tag bezahlt die Stadt 35 Euro für jeden Hund.
Der Hund bekommt Futter und einen Platz zum Schlafen.
Auch für den Tierarzt bezahlt die Stadt.
Und genauso für das Training mit dem Hund.
Das Training soll dem Hund helfen,
dass er gut mit Menschen zusammenleben kann.

Für alle 41 Hunde zusammen bezahlt die Stadt Hamburg
ungefähr 500.000 Euro jedes Jahr.
Das Hamburger Hunde-Gesetz sagt,
dass die Stadt das Geld von den Besitzern zurückfordern darf.
Die Stadt versucht das auch.
Aber die Behörden wissen nicht genau:
Wie viel Geld bekommt die Stadt tatsächlich zurück?

Manchmal klagen die Besitzer dagegen,
dass sie den Hund abgeben müssen.
Dann muss zuerst das Gericht entscheiden.
Das kann viele Monate dauern.
Manchmal dauert es sogar mehrere Jahre.
In dieser Zeit bleibt der Hund im Tierheim.

Der Hund muss auch einen Wesens-Test machen.
Das ist ein Test,
der das Verhalten von jedem Hund testet.
Der Test prüft zum Beispiel:

·    Hört der Hund auf Befehle?

·    Wie reagiert der Hund auf andere Hunde?

·    Wie verhält sich der Hund im Alltag?

Zum Beispiel wenn jemand mit einem Kinderwagen vorbei geht.
Oder jemand geht mit einem Gehstock am Hund vorbei.

Hunde sind auf Kinder abgerichtet

Die Tests zeigen manchmal auch schreckliche Dinge.
Manche frühere Besitzer haben ihre Hunde
auf bestimmte Menschen abgerichtet.
Zum Beispiel auf Menschen mit dunkler Haut.
Oder auf Kinder.
Abgerichtet bedeutet:
Die Hunde sollen diese Menschen angreifen.

Janet Bernhardt berichtet:
„Das ist wirklich schon oft passiert.“
Janet Bernhardt hat früher als Tierpflegerin gearbeitet.
Heute arbeitet sie als Rettungs-Sanitäterin.
Beim Hamburger Tierschutz-Verein arbeitet sie ehrenamtlich.
Das bedeutet, sie bekommt kein Geld für die Arbeit.
Sie hat oft das Training mit den Hunden gemacht,
dass die Hunde wieder gut mit Menschen zusammenleben.

Wenn das Gericht entschieden hat,
kann das Tierheim den Hund vermitteln.
Der Hund bekommt ein neues Zuhause.
Dafür muss der Hund auch den Wesens-Test bestehen.
Anfang Oktober haben 22 Listen-Hunde den Test bestanden.

Aber diese Hunde dürfen trotzdem nicht in Hamburg bleiben.
Sie müssen in einem anderen Bundesland ein neues Zuhause finden.
In anderen Bundesländern gelten andere Regeln für Hunde.
Trotzdem finden die Hunde auch dort nur selten ein neues Zuhause.
Denn auch die Tierheime dort haben viele Hunde,
die alle ein neues Zuhause suchen.

Unterschiedliche Regeln für Hunde

In jedem Bundesland gelten andere Regeln für die Listen-Hunde.
Das führt manchmal zu seltsamen Momenten.
Janet Bernhardt wohnt im Bundesland Schleswig-Holstein.
Sie hat eine Bullterrier-Hündin.
Die Hündin heißt Mina.
In Schleswig-Holstein ist Mina ein normaler Hund.
Janet Bernhardt bezahlt dort die normale Hunde-Steuer.

In Hamburg gibt es andere Regeln.
Hier ist ein Bullterrier immer gefährlich.
Janet Bernhardt findet diese Regel falsch.
Sie sagt:
„Es liegt nicht an der Hunde-Rasse,
ob ein Hund gefährlich ist.
Auch ein Dackel kann beißen.
Menschen halten den Hund dann falsch.“

Janet Bernhardt darf Mina nach Hamburg mitnehmen.
Dafür muss sie bestimmte Regeln beachten.
In Hamburg muss Mina überall einen Maulkorb tragen.
Janet Bernhardt muss Mina an einer kurzen Leine führen.
Und sie darf nicht Bus oder U-Bahn mit Mina fahren.

Darf man die Hunde einschläfern?
Manche Listen-Hunde aus dem Tierheim finden kein neues Zuhause.
Ihr Leben im Tierheim kostet viel Geld.
Deshalb fragen sich viele Menschen:
Darf man diese Hunde einschläfern?
Einschläfern bedeutet:
Die Tiere bekommen eine Spritze,
so dass sie einschlafen und im Schlaf sterben.

Janet Bernhardt erklärt:
„Manchmal entscheidet eine Ethik-Kommission über einen solchen Fall.“
Eine Ethik-Kommission ist eine Gruppe von Menschen.
Die Gruppe prüft,
was in einer schwierigen Situation richtig ist.
Manche Hunde darf man dann einschläfern.
Die Entscheidung hat aber nichts mit der Hunde-Rasse zu tun.
Ein Hund kann zum Beispiel sehr krank sein.
Und der Hund kann starke Schmerzen haben.

Janet Bernhardt sagt auch:
„Wenn ein Hund im Tierheim ein ganz gutes Leben hat,
kann er dort alt werden.
Der Hund braucht Kontakt zu anderen Lebewesen.
Er muss auch regelmäßig spazieren gehen können.“

Drohungen gegen das Tierheim

Im Hamburger Hunde-Gesetz steht:
„Man darf einen Hund nur töten,
wenn von dem Hund eine Gefahr ausgeht.“
Das bedeutet:
Der Hund muss auch in Zukunft eine große Gefahr sein.
Zum Beispiel für das Leben oder die Gesundheit von Menschen,
oder für das Leben oder die Gesundheit von anderen Tieren.
Außerdem muss es unmöglich sein,
den Hund unter passenden Bedingungen zu halten.
Dabei muss auch der Tierschutz beachtet werden.

Janet Bernhardt sagt:
„Tierschutz hat für viele Menschen mit starken Gefühlen zu tun.
Vor einigen Jahren wurde im Tierheim ein Hund eingeschläfert.
Das war damals erlaubt.
Danach bekamen Mitarbeitende des Tierheims Mord-Drohungen!“
Das bedeutet:
Menschen drohten damit,
die Mitarbeitenden zu töten.

Der Hamburger Tierschutz-Verein möchte das Hunde-Gesetz ändern.
Bis jetzt hat der Verein damit keinen Erfolg.
Der Tierschutz-Verein fordert aber:
Die Hunde-Rasse allein soll nicht schon Gefahr bedeuten!
Die Hunde sollen alle einen Wesens-Test machen!
Der Verein fordert auch einen Hunde-Führerschein.
Damit kann man prüfen,
ob Menschen gut mit Hunden umgehen können.

Die drei Hunde Pablo, Latischa und Balu leben weiter im Tierheim.
Sie warten immer noch auf ein neues Zuhause.

Gefährliche Hunde
Im Sommer 2000 passierte ein schlimmer Unfall.
Zwei Hunde griffen einen Jungen an.
Das passierte auf dem Gelände einer Grundschule in Wilhelmsburg.
Der Junge war 6 Jahre alt.
Er spielte mittags mit anderen Kindern Ball.
Die Hunde waren eine Mischung aus zwei Hunde-Rassen:
Pitbull-Terrier und American Staffordshire Terrier.

Die Hunde verletzten den Jungen so schwer,
dass er noch auf dem Gelände der Grundschule starb.

Der Besitzer hatte die Hunde trainiert,
dass sie Menschen beißen sollen.
Schon damals gab es Regeln für den Besitzer.
Aber er hat sich nicht an diese Regeln gehalten.
Zum Beispiel:

·      Die Hunde müssen einen Maulkorb tragen.

·      Die Hunde müssen an der Leine sein.

·      Die Hunde dürfen nicht gemeinsam unterwegs sein.

Seit dem Angriff gibt es in Hamburg neue Regeln für Hunde.
Zuerst gab es eine Hunde-Verordnung.
Im Jahr 2006 kam dann ein Hunde-Gesetz.
Bis heute gelten diese vier Hunde-Rassen in Hamburg immer als gefährlich:

·    American Pitbull Terrier

·    American Staffordshire Terrier

·    Staffordshire Bullterrier

·    Bullterrier

Auch Mischlinge dieser Rassen sind in Hamburg gefährlich.
Menschen dürfen diese Hunde in Hamburg nicht halten.

Das Gesetz nennt noch weitere Hunde-Rassen gefährlich.
Bei diesen Hunden kann man aber prüfen,
ob das einzelne Tier wirklich gefährlich ist.
Dafür muss man zeigen können,
dass von diesem Hund keine Gefahr ausgeht.

Der Hamburger Tierschutz-Verein möchte das Hunde-Gesetz ändern.
Der Verein „Leben mit Listen-Hund“ möchte das auch.
Ende September machte der Verein zum 10. Mal den „SoKa Run“.
„SoKa“ bedeutet „sogenannte Kategorie-Hunde“.
Damit sind solche Hunde gemeint,
die zu den gefährlichen Hunde-Rassen in Hamburg gehören.
Der Hamburger Tierschutz-Verein findet den „SoKa Run“ sehr gut.
Der „SoKa Run“ war in der Hamburger Innenstadt.

Übersetzung in leichte Sprache: Grone barrierefrei

Autor:in
Detlev Brockes
Detlev Brockes
lebt inzwischen in Lüneburg, aber ist ein Fan von Hamburgensien geblieben.

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