Wie die 85-jährige Frauenrechtlerin Christa Randzio-Plath über feministische Erfolge und Rückschritte denkt. Und: Das Bürgergeld ist Geschichte – trotz Warnungen vor mehr Wohnungslosigkeit.
Moin!
Ich habe gestern einen Fehler gemacht: Auf Phoenix habe ich mir die Debatte im Bundestag über die Abschaffung des Bürgergelds angeschaut. Ganz ehrlich, ich kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Wir sehen bei Hinz&Kunzt täglich, was es bedeutet, wohnungslos zu sein – und diese Gesetzesänderung wird laut Fachleuten zu mehr Wohnungslosigkeit führen. Aber darüber wurde im Bundestag leider nicht gesprochen.
Stattdessen behaupten Politiker:innen von Union und SPD inbrünstig, endlich das „ungerechte“ Bürgergeld abzuschaffen und etwas Gutes für den Sozialstaat zu tun, indem sie die Daumenschrauben für die Betroffenen anziehen. Das war schon ein spezielles Erlebnis. Gerade die SPD, die uns vor gar nicht langer Zeit das Bürgergeld als ihr Prestigeprojekt und sozialpolitischen Fortschritt verkauft hat, machte gestern meiner Meinung nach keine gute Figur. Sehen Sie das anders? Dann schreiben Sie mir gerne.
Kurz vor der Abstimmung hatten sich Union und SPD noch auf letzte Änderungen geeinigt. Ob sie dabei die zahllosen Warnungen von Sozialverbänden und dem Mieterbund berücksichtigt haben? Fehlanzeige. Stattdessen wurden kurz vor Schluss weitere Verschärfungen festgeschrieben. Wie die Verbände auf die Einführung der „Neuen Grundsicherung“ reagieren, lesen Sie in unserer Meldung.
Vermutlich wird sich auch mit der Neuen Grundsicherung nicht ändern, dass Frauen im Jobcenter diskriminiert werden. Studien zeigen immer wieder, dass Frauen dort „weniger gefördert werden als Männer, dass sie schlechtere Chancen auf eine abhängige oder selbstständige Beschäftigung haben, dass die von Frauen aufgenommenen Beschäftigungen weniger dauerhaft sind und sie ein geringeres Einkommen erzielen“, heißt es etwa vom Institut Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen.

Der Weg zur Gleichberechtigung, er ist lang – nicht nur im Jobcenter. Eine, die ein Lied davon singen kann, ist die Hamburgerin Christa Randzio-Plath. Die 85-Jährige kämpft seit fünf Jahrzehnten für Frauenrechte – als SPD-Politikerin im Europaparlament und der Hamburgischen Bürgerschaft und heute als Ehrenvorsitzende des Landesfrauenrats. Meine Kollegin Luca Wiggers hat mit ihr für unsere März-Ausgabe über feministische Erfolge und Rückschritte gesprochen – und sie gefragt, ob der oft wütende Ansatz junger Feministinnen sie überzeugt. „Wut kann mobilisieren, Energie freisetzen – das ist hilfreich. Aber mit Wut allein kann man die Welt nicht verändern“, sagt sie darauf. Das ganze Interview lesen Sie im Magazin – gedruckt oder digital.
Anlässlich des Weltfrauentags am Sonntag werfen wir dort auch ein Licht auf die Situation obdachloser Frauen. In Hamburg können Sie Schutz in einem Wohncontainerprojekt finden – wir haben es für Sie besucht.
Ein schönes Wochenende wünscht,
Benjamin Buchholz
Hinz&Kunzt Randnotizen
Wenn Sie unsere Randnotizen immer freitags per Mail bekommen wollen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.
