Jenfeld : Obdachloser stirbt neben seinem Zelt

Das Zelt des Obdachlosen steht auch noch am Tag, nachdem seine Leiche gefunden wurde. Foto: BELA

In Jenfeld haben am Dienstag Spaziergänger die Leiche eines Obdachlosen gefunden, der sein Zelt auf einer Brachfläche aufgeschlagen hatte. Eine Obduktion soll nun klären, ob er an einer natürlichen Todesursache gestorben ist.

Das orangene Zelt steht auf der Brachfläche, als würde sein Bewohner bald wieder kommen: Eine Packung Kekse liegt darin, Tetrapacks mit Saft und ein Behälter mit Augentropfen. Vor dem Zelt zeugt eine Feuerstelle davon, dass hier wohl kürzlich jemand etwas gekocht hat. Drum herum wachsen hohes Gras und wilde Blumen, Bienen aus den nahen Bienenstöcken suchen nach Nektar. Es wäre fast eine idyllische Szene, wenn nicht die Autobahn 24 durch die Bäume dröhnen würde.

Doch es wäre auch ohne Autobahn keine Idylle, denn der Zeltbewohner kommt nicht wieder: Er ist wenige Meter neben seiner provisorischen Behausung gestorben. Ein dunkler Fleck im Gras, über dem Fliegen kreisen, zeugt am Mittwochnachmittag noch davon. Am Tag zuvor hatten Spaziergänger ihn hier leblos unter einer Decke liegend gefunden und die Polizei gerufen.

Die Beamten hätten dann auf der Jenfelder Brache den Tod des Obdachlosen festgestellt, sagt eine Polizeisprecherin gegenüber Hinz&Kunzt. Es sei unklar, wie lange er dort schon gelegen habe – aber „wohl schon ein bisschen länger“, darauf lasse der Zustand der Leiche schließen. „Es ist noch völlig unklar, ob er an einer natürlichen Todesursache gestorben ist“, sagt die Sprecherin.

Wer war der Tote?

Durch den nahen Park am Riedel-Vogt-Weg führen am Mittwochnachmittag Anwohner ihre Hunde spazieren. Man kann das orangene Zelt von hier aus nicht sehen, auch wenn es nur ein paar Dutzend Meter entfernt steht, jedoch geschützt hinter Bäumen und Gebüsch. Es war auch keinem der Spaziergänger aufgefallen. Und auch die Männer in tarnfleckfarbenen Uniformen, die nebenan auf dem Gelände der Bundeswehruniversität Zigaretten rauchen, kannten ihn nicht.

Über seine Identität sind sich auch die Todesermittler der Polizei noch nicht ganz im Klaren: Zwar trug er einen Personalausweis bei sich, der zu einem 41-jährigen Deutschen mit polnischen Wurzeln gehört – ganz sicher, ob es der Ausweis des Toten war, sind die Polizisten sich aber noch nicht. Um herauszufinden, woran er gestorben ist, haben sie bei der Staatsanwaltschaft eine Obduktion angeregt.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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