Hamburger Geschichte(n) #1 : Der Gesundbrunnen in Borgfelde

Kaum wiederzuerkennen: der Gesundbrunnen an der Borgfelder Straße.

In unserer neuen Serie Hamburger Geschichte(n) gehen unser Vertriebskollege Jürgen Jobsen und Autorin Annabel Trautwein auf Spurensuche in der ganzen Stadt.

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Auf geht’s zur ersten Spurensuche! Jürgen Jobsen, Vertriebsmitarbeiter bei Hinz&Kunzt mit besonderem Riecher für geschichtsträchtige Orte, hat eine alte Heilquelle ausfindig gemacht – nur fünf Gehminuten vom Berliner Tor entfernt. „Als diese Quelle noch zugänglich war, haben viele Hamburger drauf geschworen, dass das Wasser gesundheitsfördernd ist“, erklärt er.

Entdeckt hat Jürgen sie beim S­töbern in alten Postkarten, die den Ort rund um die Jahrhundertwende zeigen: prächtige Patrizierhäuser hinter einem mit Blumen bepflanzten Hang, spielende Kinder auf dem breiten Kopfsteinpflaster.

Kein Vergleich zu dem Szenario, das sich heute darbietet: Vierspurig braust der Verkehr über die Borgfelder Straße, ein endloser Strom aus Pkw und Lastwagen. Hier kam man hin, um sich etwas Gutes zu tun? Schwer vorstellbar. Doch Jürgen ist sich sicher: „Irgendwo hier muss das gewesen sein.“ Er deutet auf die lange Mauer, die die Straße vom höherliegenden Quartier abgrenzt. Zweifellos historisch, auch wenn sie heute, mit Graffiti besprüht, einiges ihrer Pracht eingebüßt hat. „Es gibt Bilder, da war das alles schön ausgestattet, mit Blumen und so weiter“, erzählt ­Jürgen. „Oben drüber waren Balkons, richtig schick.“

Preisfrage

Wie heißt der Ortsteil oberhalb der Borgfelder Straße? Wer die korrekte Lösung einsendet, kann ein Hinz&Kunzt-Kochbuch „Willkommen in der KunztKüche“ oder eins von zwei Büchern „Unter Elbe, Alster und Stadt – Die Geschichte des Tunnelbaus in Hamburg“ von Sven Bardua (Dölling und Galitz Verlag) gewinnen. Senden Sie die Lösung an info@hinzundkunzt.de.

Meter für Meter suchen wir die Mauer ab. Ein breiter Torbogen ist noch da, nachträglich zugemauert. „Ah, guck mal, die Quelle!“, scherzt Jürgen und zeigt auf einen nassen Fleck unter einem Loch im Mauerwerk. Heilwasser? Wohl kaum. Ein paar Meter weiter springt die Mauer zurück, aus den Lamellen einer Metalltür bläst ein Windzug und lässt Jürgens Haare flattern – im Schacht dahinter fährt die U-Bahn vorbei. Nur von der Quelle fehlt heute jede Spur. Hat Jürgen sich geirrt? Ein Straßenschild zeigt, dass er so falsch nicht liegen kann: „Beim Gesundbrunnen“ steht drauf. Allerdings zeigt es weg von der Mauer.

An dieser Stelle war früher der Gesundbrunnen. Foto: Andreas Hornoff

Wir verlagern die Spurensuche ins Internet und stoßen auf einen Gasthof „Gesundbrunnen“. Um 1906 fiel er dem Straßenbau zum Opfer – und die besagte Quelle wurde, Heilwasser hin oder her, in ein Siel umgeleitet. Wo sie einst sprudelte, wissen wir immer noch nicht. Letzte Hoffnung: das Stadtteilarchiv Hamm. Hier kennt sich jemand aus. „Nach dem, was ich an unterschiedlicher Stelle gelesen habe, befand sich der historische Gesundbrunnen dort, wo heute der Treppenaufgang Borgfelder Stieg liegt, also gegenüber der Einmündung des Ausschläger Wegs“, schreibt uns einer der Hobbyhistoriker. Er ist sich sicher: Die Quelle entsprang aus dem Hang, im 17. Jahrhundert wurde sie technisch eingefasst. „Sie war über eine Handhebelpumpe zugänglich, die an der Straße stand.“ Jürgen hatte also Recht – und war ganz nah dran. Wenn die Stadt nun noch etwas dafür tun würde, die Geschichte des Ortes erkennbar zu machen, wäre Jürgen vollends zufrieden.

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Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Autor*in
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein schreibt als freie Redakteurin für Politik, Gesellschaft und Kultur bei Hinz&Kunzt - am liebsten über Menschen, die für sich und andere neue Chancen schaffen.

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